DEGERSHEIM: Ein Dorf will zur «Grünstadt» werden

Die Schweiz hat die ersten beiden Grünstädte: Luzern und Winterthur. Vor wenigen Tagen wurden die Zertifikate überreicht. Drei weitere Ortschaften streben das Label ebenfalls an. Unter diesen befindet sich auch Degersheim.

Andrea Häusler
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Degersheim hat mehrere kleine Pärke, grüne Lungen, wie hier bei der Post. Aber: «Müssen sie alle ähnlich oder gleich ausschauen?», fragt Gemeindepräsidentin Monika Scherrer. (Bild: Andrea Häusler)

Degersheim hat mehrere kleine Pärke, grüne Lungen, wie hier bei der Post. Aber: «Müssen sie alle ähnlich oder gleich ausschauen?», fragt Gemeindepräsidentin Monika Scherrer. (Bild: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Grünstadt Schweiz will Parks, weil Menschen in grünen Stadtvierteln gesünder sind, will Bäume, die den Feinstaub aus der Luft filtern und Stadtbiotope, um gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum zu bieten. Dies alles möchte Degersheim auch. Die 4000-Seelen-Gemeinde, die mit dem Projekt «Degersheim zum Anbeissen» schon diverse Massnahmen umgesetzt hat, welche das Gemeinschaftsgefühl stärken, die Biodiversität fördern und Lebensqualität im Dorf steigern sollen, hat sich offiziell auf den Weg zur Erlangung des «Gründstadtlabels» gemacht.

Gemeindepräsidentin Monika Scherrer spricht von einem «sehr bewussten Entscheid» des Gemeinderats, der bereits die Initiative «Degersheim zum Anbeissen» des Verkehrsvereins mitgetragen und, mit der Einrichtung einer Anlaufstelle für Fragen rund um das Projekt in der Abteilung Sicherheit und Werke, aktiv unterstützt habe. «Das Label passt zu uns», sagt sie. Und auch zur Biodiversitätsstrategie des Bundes, die in naher Zukunft durch die Kantone umgesetzt werden müsse. Als primäres Ziel bezeichnet Scherrer die nachhaltige Bewirtschaftung der öffentlichen Flächen. «Es muss nicht überall Rasen liegen, nicht jeder Freiraum wie der andere ausschauen.» Der Gemeinderat hofft ausserdem, dass eine aktive Grünraumpolitik im öffentlichen Raum eine positive Wirkung auf die Bevölkerung und damit die privaten Gärten und Grünanlagen hat. «Im Idealfall überlegen sich Privatpersonen künftig bewusst, ob in ihren Gärten wirklich Palmen stehen müssen oder eine Esche vielleicht passender wäre.»

«Der Prozess ist ein langer und bedeutet Knochenarbeit», ist sich Monika Scherrer bewusst. Gerade in einer kleineren Gemeinde sei der Aufwand gross. «Und, wir stehen erst ganz am Anfang», sagt sie.

Erste Gemeinden zertifiziert

Voraussetzung für die Zertifizierung ist die Umsetzung eines umfangreichen Massnahmenkatalogs. Dieser umfasst 60 Kriterien, die Vorgaben im baulichen Bereich (Gebäudehüllen, Dächer), in Bezug auf die Unkrautregulierung (Herbizide) und die Kompost-Verwendung, die Bodenversiegelung aber auch den Schutz von Altbäumen sowie die Schulung- und Weiterbildung des Personals umfassen. «Wir sind derzeit dabei zu prüfen, wie diese Forderungen umgesetzt werden könnten», sagt Monika Scherrer über den Stand der Vorarbeiten. Einen Zeitplan, bis wann das Label erreicht sein soll, gebe es nicht. Degersheim ist die derzeit kleinste Gemeinde, die sich um die im vergangenen Jahr erst lancierte Zertifizerung bewirbt. Gestern Freitag wurde den schweizweit ersten beiden Städten das Grünstadt-Label ausgehändigt: Luzern und Winterthur. Im Zertifizierungsprozess befinden sich nebst Degersheim als weitaus kleinster Gemeinde auch Basel, Ecublens und Morges.