DEGERSHEIM: Deutschlehrer in zehn Tagen

Im Herbst will Degersheim mit einer «Quartierschule» für Migrantinnen und Migranten starten. Diese soll ihnen erste Grundkenntnisse der deutschen Sprache vermitteln. Derzeit werden Kursleiter gesucht.

Andrea Häusler
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Bund und Kanton sparen – auch an den Deutschlektionen für Migranten. Jetzt springen die Gemeinden in die Bresche: Im Herbst startet Degersheim mit dem niederschwelligen Angebot «Quartierschule». (Bild: Keystone/Gaetan Bally))

Bund und Kanton sparen – auch an den Deutschlektionen für Migranten. Jetzt springen die Gemeinden in die Bresche: Im Herbst startet Degersheim mit dem niederschwelligen Angebot «Quartierschule». (Bild: Keystone/Gaetan Bally))

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Menschen ohne Deutschkenntnisse können in Degersheim bereits heute von niederschwelligen Lernangeboten profitieren. Diese stellen jedoch ausschliesslich initiative Personen auf ehrenamtlicher Basis zur Verfügung, wie die Leiterin des Degersheimer Sozialamts, Prisca Gämperli, sagt. Diese integrationsfördernden Engagements sollen nun intensiviert und die Angebote koordiniert werden.

Das Projekt «Quartierschule» ist die Antwort der Gemeinde ­Degersheim auf den Entscheid der Vereinigung St. Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten (VSGP), den Mi- grantinnen und Migranten eine flächendeckende, möglichst wohnortnahe und kostenlose Deutschförderung zu bieten. Mit einem Basiskurs zu 60 Lektionen soll der Grundstein für die Integration gelegt werden. Der Unterricht der Quartierschule wird anhand eines Lehrkonzepts aus Liechtenstein – «Neues Lernen» – durchgeführt, wie Prisca Gämperli sagt. Mit dem Ziel, spielerisch die sprachliche Hemmschwelle zu überwinden, die Kursteilnehmer zum Sprechen im Alltag zu motivieren und schliesslich das sprachliche Fundament für weiterführende Kurse zu legen. Der Kurs ist offen für alle Flüchtlinge/Migranten, unabhängig von deren Aufenthaltsstatus.

Keine Aufgabe zum Reichwerden

Wo die Kurse in Degersheim durchgeführt werden, ist offen. «Das Lokal ist unser geringstes Problem», sagt Prisca Gämperli. Auch deshalb, weil keine eigentliche Schulzimmerinfrastruktur nötig sei. «Grundsätzlich genügen ein Raum, Stühle und Licht.» Bevor man sich überhaupt über den Standort der Quartierschule Gedanken machen müsse, gelte es, geeignete Kursleiterinnen oder -leiter zu finden. «Ohne diese geht gar nichts.»

Vorkenntnisse für diese Herausforderung müssen Interessierte keine mitbringen. Es gibt auch keine Altersbeschränkung. Primäre Voraussetzung sei die Freude an der Aufgabe, sagt Pris­ca Gämperli. Den «Lehrauftrag» an der Quartierschule definiert die Gemeinde grundsätzlich als Ehrenamt. Obwohl eine Entschädigung im Sinn eines Entgelts denkbar sei, wie etwa Gemeindepräsidentin Monika Scherrer sagt. «Reich wird man davon allerdings nicht.» Bezahlt ist hingegen die Ausbildung, die in einem 10-tägigen Kurs vermittelt wird. Und auch das Kursmaterial wird zur Verfügung gestellt. Die VSGP vergibt unter anderem hierfür Bundesmittel von 5000 Franken pro Jahr und Schule.

Prisca Gämperli konnte bereits Anfragen interessierter Personen entgegennehmen. Weitere werden noch gesucht. Mindestens zwei bis etwa vier Lehr­personen wären ideal, sagt sie. Nach dem Projektstart in diesem Herbst sollen ab 2018 ein Alphabetisierungs- und ein Grundkurs II hinzukommen.

In Flawil bietet der B’treff Kurse an

Die St. Galler Gemeinden sind derzeit dabei, solche und ähnliche wohnortnahe Basisangebote bereitzustellen. Einige betreiben ihre Quartierschulen bereits. Oder haben andere Lösungen. Wie etwa Flawil, wo ein neues Angebot obsolet ist, weil sich dort der B’treff bereits in diesem Bereich engagiert.

Weitere Informationen gibt es unter prisca.gaemperli@degersheim.ch, 071 372 07 40