Neugründung

«Dass es zum eigenen Studio kam, ist Corona zu verdanken»: Zwei Gestalterinnen machen sich selbständig

Ein mutiger Schritt in Zeiten von Corona: Zwei Gestalterinnen, Nadine Schwery und Mélanie Hangartner, wagen mit der Gründung eines eigenen Studios den Schritt in eine erweiterte Form ihrer Selbstständigkeit.

Lea Sager
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Das Rezeptbuch «La cucina della nonna» hat Mélanie Hangartner im Eigenverlag veröffentlicht.

Das Rezeptbuch «La cucina della nonna» hat Mélanie Hangartner im Eigenverlag veröffentlicht.

PD

Mit der Gründung von «Studio Hasch» mit den zwei Standorten in der Lustmühle und im Lattich in St.Gallen wagen Nadine Schwery und Mélanie Hangartner einen gemeinsamen Schritt in die Selbstständigkeit. In Zeiten von Corona und einer Branche mit vielen Mitstreitern wirkt dies gewagt. Doch die beiden Gestalterinnen sind überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, ihre Kompetenzen zu bündeln und eine enge und nachhaltige Zusammenarbeit mit ihrer Kundschaft sowie die richtigen Kommunikationsmassnahmen in den Fokus zu rücken. Bisher waren Mélanie Hangartner, wohnhaft in der Lustmühle, und Nadine Schwery, die derzeit in Hamburg lebt, als freischaffende Grafikerinnen tätig. Mélanie Hangartner erzählt:

«Die Idee, sich zusammenzutun, ist während des Lockdowns entstanden. Wir haben sozusagen aus der Not eine Tugend gemacht. Dabei merkten wir, dass sich die Branche zur Zusammenarbeit auf Distanz anbietet und es uns auch sehr gut gelingt.»

«Hasch» steht für beide Nachnamen der Gestalterinnen Hangartner und Schwery, die sich aufgrund der knappen Auftragslage, während der Coronapandemie zusammengetan haben. Als Zwei-Frau-Agentur decken die beiden Grafikerinnen ein breites Angebot von Konzeption und Strategie bis zur grafischen Umsetzung ab. Dabei trennen sie die knapp 900 Kilometer zwischen St.Gallen und Hamburg. Doch sie beweisen: Zusammenarbeit kennt keine Grenzen.

Teamarbeit auf Distanz

Nadine Schwery absolvierte eine Ausbildung zur Grafikerin und das Bachelorstudium für visuelle Kommunikation an der Zürcher Hochschule der Künste. Danach zog es die 30-jährige Rheintalerin nach Berlin und Hamburg, um sich dort auf den Bereich Webdesign zu fokussieren. Seit einem Jahr ist sie als selbstständige Grafikerin in Hamburg tätig. Die ausgewanderte Gestalterin meint:

Nadine Schwery lebt seit drei Jahren in Hamburg.

Nadine Schwery lebt seit drei Jahren in Hamburg.

PD
«Dank dem nötigen Abstand bin ich in Hamburg am Puls. Ich spüre Trends, bevor sie in der Schweiz ankommen und kann mich jeden Tag aufs Neue von der pulsierenden Stadt inspirieren lassen.»
Art-Direktorin, Mélanie Hangartner, schätzt einen engen Kundenkontakt.

Art-Direktorin, Mélanie Hangartner, schätzt einen engen Kundenkontakt.

PD

Mélanie Hangartner ergänzt:

«Die Distanz ist ein Pluspunkt. Wir stehen jeden Tag in engem Austausch und gerade die Herausforderungen während Corona haben gezeigt, wie effektiv ein Videocall sein kann.»

Nach ihrer Ausbildung als Grafikerin hat Mélanie Hangartner in verschiedenen Ateliers und Agenturen in der Kommunikationsabteilung gearbeitet. Mit ihrer Weiterbildung zur Art-Direktorin hat sie ihre heutige Ausrichtung gefestigt: Konzept und Strategie. 2017 erschien ihr Rezeptbuch «La cucina della nonna» im Eigenverlag, das vom Rösslitor in St.Gallen als Kochbuch des Jahres ausgezeichnet wurde. Seither arbeitet die 32-Jährige neben anderen Tätigkeiten als selbstständige Grafikerin.

«Es war eigentlich nie das Ziel als Grafikerin selbstständig nach aussen zu treten. Es war eher eine Nebentätigkeit. Dass es zum eigenen Studio kam, ist Corona zu verdanken und es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung.»

Ein breites gestalterisches Angebot mit Marketingkonzepten als Pluspunkt

Mit ihrem Angebot wollen die Gestalterinnen da ansetzen, wo die Bedürfnisse des Kunden nicht immer gedeckt werden können, nämlich mit kurzen Wegen, mutigen Konzepten und eigenständiger Gestaltung. Mit Hangartners Expertise für gedruckte Materialien und Schwerys Erfahrung mit digitalen Projekten ergänzt sich das Duo optimal. Mélanie Hangartner erklärt:

«Was uns vielleicht etwas abhebt, ist, dass ich mit meiner Weiterbildung zum Art Director den Schwerpunkt auf Konzeption und Strategie vertiefen konnte, wodurch wir ganze Marketingkonzepte für unsere Kunden ausarbeiten können. Dazu kommt natürlich unser langjähriges Knowhow in der Gestaltung. Damit bieten wir als Zweiergespann ein Gesamtpaket für die Umsetzung von Projekten an.»

Ihr Anspruch als Grafikerinnen ist es, einen spürbaren Mehrwert zu schaffen, zielführend zu arbeiten und dabei ihre Stärken in Strategie und Gestaltung – sowohl analog als auch digital – zu nutzen. Sie konzipieren und realisieren Markenauftritte, Bücher, Broschüren und Websites, immer mit dem Anspruch an eine klare Struktur und eine gezielte Umsetzungsform. Trotz des breiten Angebots entwickelt sich das Unternehmen jedoch langsam:

«Es ist im Moment schwierig in die Zukunft zu planen. Durch die Coronapandemie verläuft alles sehr träge. Wir überlegen uns gut, welche Unternehmen wir ansprechen können und welche nicht, weil die momentane Situation ihnen selber viel abverlangt und Investition für Gestaltung und Marketing nicht an vorderster Stelle stehen. Wir bewegen uns in einem stetigen Aufbau und sind uns bewusst, dass wir gerade in Zeiten wie diesen Geduld haben, aber vor allem Freude an unserer Arbeit bewahren müssen.»