Das Zürich in Schweden

Brosmete

Carmen Pagitz
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Gegen Amerikaner gibt es viele Vorurteile und Klischees, einige davon erwiesen sich während meiner Monate in Kalifornien als wahr, andere als absoluter Schwachsinn. Das verbreitetste Vorurteil gegen Amerikaner ist das beschränkte Allgemeinwissen des Volkes. Nun, ich will ja nicht sagen, dass ich keine klugen Amerikaner getroffen habe, aber die geografischen Kenntnisse einiger Collegestudenten überraschten mich dennoch.

Als Europäerin an einer amerikanischen Collegeparty in einem Vorgarten, dessen Besitzer eigentlich niemand kannte, erweckt man schnell das Interesse der Kalifornier. Als ich von einer Gruppe gefragt wurde, woher ich denn komme, erzählte ich, dass ich Schweizerin sei. Einer der Studenten fragte mit einem verwirrten Gesichtsausdruck, was das denn sein sollte. Als ein anderer meinen kritischen Blick auffing, versuchte er die Situation zu retten. Er bezeichnete seinen Freund als Idioten und erzählte stolz, dass dort Zürich liege. «Na geht doch!», dachte ich mir. Der Moment verging aber sehr schnell wieder, denn er belehrte seinen Freund weiter: «Diese Stadt kennt man aus den Filmen. Jeder sollte doch wissen das Zürich in Schweden liegt!» Das Klischee einfach mal Ia getroffen. Bravo. Schweden. Nice try, though.

Später, auf der Fahrt nach Hause mit dem Uber, führte ich ein sehr erzwungenes Gespräch mit dem Fahrer. Auch er fragte mich, woher ich komme. Überraschenderweise kannte er die Schweiz und erzählte mir, dass er unbedingt auch mal dahin wolle. Da fragte er mich: «What’s the greatest thing about Switzerland?» (Was ist das Beste an der Schweiz?). Ich war bereits sehr müde und gab ihm nichts ahnend eine stereotypische Antwort: «Der Käse natürlich.» Der Uber-Fahrer beantwortete seine Frage selbst und überraschte mich mit dem schlimmsten Flachwitz oder sogenannten «Dad joke», den ich je gehört habe. Grinsend blickte er mich an und sagte: «Die Flagge ist immerhin schon ein grosses Plus.»

Carmen Pagitz