Corona-Massnahmen machten ihnen einen Strich durch die Rechnung: Wirteehepaar der «Hohen Buche» plante ein grosses Fest zum 40-Jahr-Jubiläum

Am Wochenende vom 20. und 21. Juni sollte ein Festzelt auf dem Aussichtsberg stehen, in welchem das Jubiläumsfest mit Konzerten und einer Jodlermesse hätte stattfinden sollen. Schweren Herzens mussten die Gastgeber den engagierten Musikern wieder absagen.

Karin Erni
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Lisbeth und Emil Dähler wirten seit 40 Jahren auf der Hohen Buche.

Lisbeth und Emil Dähler wirten seit 40 Jahren auf der Hohen Buche.

Karin Erni

Ihr 40-jähriges Wirtejubiläum auf der «Hohen Buche» wollten Lisbeth und Emil Dähler am 20. und 21. Juni mit einem grossen Fest feiern. «Ich hatte schon alles organisiert», sagt Lisbeth Dähler. «Die bekannte volkstümliche Musikgruppe Ursprung Buam aus dem Zillertal hätte am Samstagabend im Festzelt ein Konzert gegeben. Auch für die Kapelle Stobehöckler und den Männerchor Alpstee aus Emils Heimat Brülisau wäre ein Auftritt vorgesehen gewesen. Am Sonntag war eine Jodlermesse mit dem Rotbachchörli und der Familienkapelle Tüüfner Gruess geplant.» Sie habe mit den Tränen gekämpft, als sie allen habe absagen müssen, sagt die Gastgeberin.

«Eine Verschiebung kommt für uns nicht in Frage – es wäre nicht mehr dasselbe.»

Nach der Krise seien sie einfach froh, dass wieder eine gewisse Normalität herrsche und sie die Gäste wieder bewirten dürfen.

40 Jahre wirten ohne Betriebsferien

Noch immer haben die beiden Freude am Wirten, auch wenn dies nicht einfacher geworden ist die letzten Jahre. «Die Gäste sind oft gestresst und haben wenig Verständnis, wenn bei Grossandrang nicht alles sofort auf dem Tisch steht. Und die Nahrungsmittelintoleranzen haben zugenommen», sagt Lisbeth Dähler. «Ich musste schon bei Lieferanten abklären, ob gewisse Produkte gluten- und laktosefrei sind, damit ich sie den Gästen mit gutem Gewissen empfehlen kann.» Es gebe aber auch die anderen, meist Stammgäste, die sich daran freuen, dass sie es noch zu Fuss auf den Berg geschafft haben und einfach die schöne Aussicht geniessen.

Dass die beiden in dieser langen Zeit nie Betriebsferien gemacht haben, mutet schon fast unglaublich an. Auch einen Wirtesonntag würden sie erst seit einigen Jahren machen, erzählen die beiden. «Wir sind es uns so gewohnt und sind halt einfach gerne hier oben.» Als Grund, warum sie es so lange «ausgehalten» haben auf der «Hohen Buche», vermuten die beiden, dass es das gute Verhältnis zur Besitzerfamilie Kriemler war. «Dafür sind wir ihnen sehr dankbar. Sie waren wohl auch froh um uns, denn zuvor hat es 20 Jahre lang viele Wirtewechsel gegeben.»

Der Liebe wegen das Bündnerland verlassen

Die geborene Lisbeth Signer ist im bündnerischen Bonaduz aufgewachsen und hat sich bei einem Aufenthalt in Appenzell in Landwirt Emil Dähler verliebt. Weil dieser die Pacht für den Hof an ein Familienmitglied abgeben musste, war das junge Paar gezwungen, sich nach einem anderen Betrieb umzuschauen. Es wurde in der «Hohen Buche» fündig. Lisbeth Dähler erinnert sie sich lachend:

«Ich war noch keine 20 Jahre alt und somit noch minderjährig und es brauchte eine Bewilligung, damit wir im Konkubinat zusammenwohnen durften – das waren noch Zeiten!»

Jung und frisch verliebt sei sie gewesen. In all den Jahren hätten sie als Paar viel zusammen durchgemacht und doch immer wieder zusammengefunden. Zwei Kinder sind der Ehe entsprungen. Daniel kam im Jahr 1983 und Thomas im Jahr 1987 zur Welt.

Der Brand, der alles veränderte

Ein Ereignis, über das sie bis heute noch nicht gerne sprechen, ist der Brand, der das Restaurant und den Bauernhof am 27. Februar 1990 komplett zerstört hat. Auslöser war ein Blitz, der das Gebäude während des heftigen Wintersturms Vivian traf. Zwar hat bald alles wieder einigermassen funktioniert. Sie erhielten viel Hilfe von den Familien und den Aushilfen und konnten vorübergehend in einem Ferienhaus wohnen. Doch es sei eine schwierige Zeit gewesen, erinnert sich Lisbeth Dähler. «Die Kinder – und wohl auch wir – sind damals emotional um Jahre gealtert.» Das Restaurant wurde innert kurzer Zeit als Provisorium mit Flachdach erstellt und im gleichen Jahr wiedereröffnet. Dieses Gebäude ist bis heute stehen geblieben und dient als Restaurant und Wohnhaus.

Warum wurde es nie durch ein Appenzellerhaus ersetzt, wie es früher war? «Fragen Sie auf der Gemeinde nach», sagt Emil Dähler. «Aber da ist wohl niemand mehr, der darüber Auskunft geben kann.» Das alte Haus sei ihm noch immer präsent. «Es ist ein bleibender Schmerz. Wenn ich träume, träume ich von der alten ‹Hohen Buche›.»