Das Wetter diktiert den Fahrplan

WATTWIL. Wenn es schneit, klingeln morgens um kurz nach 3 Uhr die Handys der Piketttruppe. Diese ist zuständig dafür, dass die Kantonsstrassen von Schnee befreit werden. Wenn das Gestöber so dicht ist, dass man fast nichts mehr sieht und die Schneekette kaputtgeht, wäre man lieber im Bett.

Martina Signer
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Dichtes Schneegestöber auf der Wasserfluh. Die Strecke über die Passhöhe hat Pascal Sidler zu diesem Zeitpunkt bereits zum zweiten Mal befahren. Es ist 7.30 Uhr. (Bilder: Martina Signer)

Dichtes Schneegestöber auf der Wasserfluh. Die Strecke über die Passhöhe hat Pascal Sidler zu diesem Zeitpunkt bereits zum zweiten Mal befahren. Es ist 7.30 Uhr. (Bilder: Martina Signer)

Pascal Sidler dreht die Scheibe des Mercedes Actros runter. «Mist. Die Schneekette ist kaputt.» Und das ausgerechnet eine Minute nach dem letzten Ausweichplatz. Es ist 7.30 Uhr. Seit kurz vor 3.30 Uhr ist Pascal Sidler mit dem vollbeladenen, 36 Tonnen schweren Schneepflug unterwegs, damit die Strassen für den Berufsverkehr frei sind.

Kurzfristige Planänderung

Einige Meter weiter – auf dem Parkplatz des Köbelisbergs – steigt der 23-Jährige aus und legt sich unter den Lastwagen in den Neuschnee. Nichts für zarte Gemüter, denn der Wind ist stark, er bläst ihm den Schnee ins Gesicht, die Kälte ist extrem. Doch wenn Pascal Sidler die Kette dranlässt, nehmen die Kotflügel Schaden. Also bleibt nichts anderes übrig. Auch wenn der Rest des Teams mittlerweile beim Kaffee zusammensitzt. Den hat Pascal Sidler heute verpasst. Denn um diese Jahreszeit diktiert nun mal das Wetter den Fahrplan. Mit der Absicht, gleich die Wasserfluh in Angriff zu nehmen, fuhr Pascal Sidler los. Um eine Minute später von Heiri Rhyner, der mit dem Unimog unterwegs war, bereits eine Planänderung in Auftrag zu nehmen. «Zuerst muss die Kantonsstrasse bis Lütisburg geräumt werden», gibt Sidler die Anweisung für seine Begleitung wieder. Wenn der Verkehr den Schnee einmal festgefahren habe, könne auch er mit dem grossen Geschütz nicht mehr das Optimum herausholen. Also wird das Ungetüm mit dem riesigen Schneepflug im Städtli, statt in Richtung Wasserfluh, nach links gewendet.

Alle Hände voll zu tun

Ob die Schneeräumung Spass macht, will die Beifahrerin von Pascal Sidler wissen. «Naja», beginnt der Chauffeur und überlegt. «Eigentlich wäre ich ja schon lieber im Bett, aber das gehört nun mal zum Job.» Pascal Sidler hat schon die Ausbildung beim Strassenkreisinspektorat in Wattwil gemacht und ist nach der Rekrutenschule und einiger Zeit beim Strassenkreisinspektorat Schmerikon im April wieder ins Toggenburg zurückgekehrt. «Wenn es mir nicht gefallen würde, wäre ich nicht schon wieder hier», meint der Wattwiler schmunzelnd, während er mit der Ausrichtung des Schneepflugs zu tun hat. Wer ihm bei der Arbeit zuschaut, kommt nicht umhin zu bemerken, dass ein zusätzliches Paar Hände sehr hilfreich wäre. Während der Fahrt muss er immer wieder die Position und die Ausrichtung des Pflugs verändern, damit die Strasse möglichst wenige Schäden davonträgt. «Man merkt sich eigentlich im Sommer schon, wo es Ecken und Kanten hat.» Unerlässlich ist auch der Blick auf die Schneepfähle am Rand. Vor allem, wenn der Schnee plötzlich zunimmt.

5 Uhr. Das Schneegestöber ist so dicht, dass es fast die ganze Sicht nimmt. Die Fahrt von St. Peterzell nach Schönengrund entpuppt sich als Herausforderung. Vor allem an den Stellen, über die der Wind mit aller Macht fegt. Die Schneedünen machen sogar dem Pflug das Leben schwer. «Müsste ich hier anhalten, käme ich fast nicht mehr vom Fleck.» Doch ist die Schneemasse in Bewegung, räumt der Pflug auch die grösseren Haufen zur Seite.

Für die anderen mitdenken

Links überholt ein Auto. «An dieser Stelle stört das nicht», sagt Pascal Sidler. Doch es kommt nicht selten vor, dass die restlichen Verkehrsteilnehmer die Grösse des Schneepfluges, der teilweise fast zwei Drittel der Strasse einnimmt, unterschätzen. Gerade in Haarnadelkurven kann das ein Problem werden. «Das ist das Anstrengendste an dieser Arbeit. Man muss nicht nur für sich selbst, sondern auch für die anderen mitdenken.» Deshalb macht Pascal Sidler um 7.45 Uhr eine wohlverdiente Pause und übergibt den Pflug einem Kollegen.

Der 23jährige Pascal Sidler hat das 36 Tonnen schwere Gefährt im Griff.

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Die Schneeketten sind für das Pflügen auf der Wasserfluh unerlässlich.

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Im Städtli wird's eng. Doch die Säulen stehen nach der Durchfahrt noch.

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Nach 2,5 Stunden Fahrt muss der Salzbehälter aufgefüllt werden.

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Haarnadelkurve: Eine der vielen Herausforderungen beim Pflügen.

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