Das unnütze Allerheilmittel

Freunde hatten zu einem gemütlichen Anlass in einer Berghütte geladen. Die ganze Familie sei willkommen, hiess es auf der Einladung.

Bruno Eisenhut
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Freunde hatten zu einem gemütlichen Anlass in einer Berghütte geladen. Die ganze Familie sei willkommen, hiess es auf der Einladung. Betten im Massenlager sowie Wolldecken hätte es genug, so dass alle statt zu später Stunden im Dunkeln wandelnd den Heimweg anzutreten, sich ins Massenlager verschieben konnten. Bei der familieninternen Vorbesprechung des gemütlichen Fests wurde der Wunsch geäussert, dass ich – abgesehen von der ganzen Schar Kinder – nicht der erste sein soll, der sich, von Müdigkeit gezeichnet, Richtung Pritsche verabschieden soll. Zeitweilen wurden gar Bedenken laut, ob es zu viel der Strapazen werden könnten, wenn ich wie geplant mit dem Velo zur Berghütte fahre. Aber ein Familienrat wäre keiner, wenn nicht sogleich Massnahmen nachgeschoben würden. Ich solle doch bitte, wider meine Grundsätze, Kaffee trinken, damit ich abends länger wach sein könne.

Diesen Rat in meinen Ohren, freute ich mich auf das Stelldichein in der Berghütte. Kaffee über Kaffee gönnte ich mir und dies schon ab dem frühen Nachmittag. Während sich die anderen munter zuprosteten, versuchte ich mit der Kaffeetasse beim Anstossen einen ebenso schönen Klang zu erreichen. Erfolglos. Der Kaffee machte sich aber dennoch bemerkbar. Ab dem geschätzten zehnten Kaffee verspürte ich in der linken Herzkammer ein schwaches Flimmern. Muss wohl der etwas zügige Aufstieg mit dem Rennvelo sein, dachte ich mir, und schütte weiter Kaffee in mich hinein.

«What else?», sagt George Clooney, wenn er für einen Kaffeeanbieter Werbung macht. «Was sonst?», fragte auch ich mich, als ich trotz Überdosis Kaffee schon vor Mitternacht die Bettdecke über mich zog. Ein besseres Mittel gegen frühe Müdigkeit am Abend wäre gewiss mehr Schlaf am Morgen. Aber versuchen sie dies einmal mit zwei früh aufstehenden Kleinkindern.