Das Unglaubliche

Der dritte und letzte Satz der «Faust-Symphonie» von Franz Liszt mündet in den Chorus mysticus.

Martin Hüsler
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Bild: Martin Hüsler

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Der dritte und letzte Satz der «Faust-Symphonie» von Franz Liszt mündet in den Chorus mysticus. Darin heisst es unter anderem: «Das Unzulängliche, hier wird's Ereignis…» Mir ist Unzulängliches beim Besuch von Konzerten oder von Opern schon oft zum Ereignis geworden. Da gab es in der Tonhalle Zürich jenes falsch eingestellte Hörgerät eines älteren Herrn, das ein ganzes Rachmaninoff-Klavierkonzert auf ärgerliche Weise zerpiepste. Der schrille Ton eines Handys zerstörte im Theater St. Gallen einmal eine Arie der Violetta in Verdis «La Traviata». Und in einem Domorgelkonzert in der Kathedrale St. Gallen brach beim Einsetzen der Orgel ein Säugling vor Schreck in jämmerliches Geschrei aus. Das alles ist jetzt aber bei einem Jodelkonzert in der evangelischen Stadtkirche Frauenfeld um ein Beträchtliches übertroffen worden. Das Konzert in dem bis auf den letzten Platz besetzten Gotteshaus stand unter dem Motto «Früeligswunder». Als zweitletzter Programmpunkt wurde das Jodellied «Unglaublich» angesagt, ein Titel, der urplötzlich eine ungeahnte Doppeldeutigkeit erlangte. Denn just in die Ansage hinein ertönte von der Empore herunter Hundegebell. Zur besseren Einschätzung des Unglaublichen wiederhole ich an dieser Stelle, dass das Konzert in einer Kirche stattfand. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Hunde. Nur dürfte man auch von ihnen erwarten, dass sie, wenn schon, bei Konzertbesuchen gewisse Regeln beachten und sich in ihren Äusserungen zurückhalten. Oder müsste man sich mit solchen Forderungen vielleicht doch eher an Herrchen oder Frauchen zwecks Weitergabe an Hundchen wenden? Im Fall von Frauenfeld, so befürchte ich, wäre man wohl auf taube Ohren gestossen. Und auch mit der Feststellung, Hunde seien an einem Jodelkonzert in einer Kirche nicht unbedingt am richtigen Ort, käme man vermutlich schlecht an.

Bild: Martin Hüsler

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