Das Traktandum «Kabarett»

«Traktandum 3: Jahresbericht der Kantonsratsfraktion» war auf der Tagesordnung des Parteitages der SP AR angeschrieben, was während der Versammlung für grösste Heiterkeit sorgen sollte.

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«Traktandum 3: Jahresbericht der Kantonsratsfraktion» war auf der Tagesordnung des Parteitages der SP AR angeschrieben, was während der Versammlung für grösste Heiterkeit sorgen sollte. Denn was und wie der Herisauer SP-Kantonsrat Martin Brülhart seinen Parteifreunden aus dem Rat zu berichten wusste, gehört schon fast ins Vorprogramm der Appenzeller Kabarett-Tage. «Die zehn Vorteile eines Kantonsrats-Mitgliedes» nannte er seine Werbeschrift für künftige Parlamentarier.

Punkt 1 – «neue Leute kennenlernen» – erweitert laut Brülhart «den Horizont, vor allem nach rechts». Zweitens kriege ein Kantonsrat «Struktur ins Leben», denn vorgeschrieben und vorgegeben seien Tenü und Sitzungspausen. Dritter Vorteil eines Parlamentariers ist laut dem Herisauer der Erhalt eines steuerfreien Nebenverdienstes. Den vierten Punkt – «Heiterkeit» – untermauerte Martin Brülhart mit dem Verlesen eines Absatzes aus dem Protokoll der letzten Kantonsratssitzung; SVP-Kantonsrätin Emmy Zürcher hatte sich zum Nacktwandern geäussert und dabei einen Vergleich mit Exhibitionisten angestellt. «Die Kultur des gepflegten Zwischenrufs existiert im Ausserrhoder Parlament leider nicht», so Brülhart, «sonst hätte ich ihr erklärt, dass ein Exhibitionist nie einen Wanderstock dabei hat.»

Die Punkte 6 und 7 in Brülharts Liste: «Training von Frustrationstoleranz respektive Trotzdem-Optimismus». Es zeuge von Grösse, nach der neunten Niederlage den zehnten Antrag einzureichen, so der SP-Parlamentarier. Nebst der Möglichkeit, vor allem in der Kommissionsarbeit neue Themen kennenzulernen (8.) erhalte ein Parlamentarier auch die Chance, ab und zu im Radio zu kommen. Diesen, den 9. Punkt, untermauerte Brülhart mit dem Abspielen eines Beitrages auf DRS 3 nach besagtem Nacktwanderer-Votum. Den 10. und letzten Punkt – «man kann wieder aufhören» – nimmt Martin Brülhart schon diesen Sommer ernst: Er tritt nach nur drei Jahren «aus beruflichen Gründen» aus dem Kantonsrat zurück, denn «der Beruf ist deutlich besser bezahlt als die Politik», wie er sagte. (gä)

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