Das Toggenburg zeigt seine Tätowierungen

Toggenburg. Raus aus den Klamotten, rein in die Badehosen: für viele Toggenburgerinnen und Toggenburger das einzige Rezept, das Hitzewochenende zu überstehen.

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Toggenburg. Raus aus den Klamotten, rein in die Badehosen: für viele Toggenburgerinnen und Toggenburger das einzige Rezept, das Hitzewochenende zu überstehen. In den Badis gab es dementsprechend viel nackte Haut zu sehen und nicht nur das: Fallen die Hüllen, dann kommen auch vorher versteckte Kunstwerke zum Vorschein: Tätowierungen.

Kein neuzeitliches Phänomen

Eine Tätowierung ist ein Motiv, das mit Farbe in die Haut eingebracht wird.

Bis in die 1990er-Jahre wurden Tätowierungen von vielen mit Sträflingen und Seefahrern in Verbindung gebracht. Daran kann sich Wendel Bischof aus Ebnat-Kappel, der in den 1970ern zur See fuhr und sich tätowieren liess, gut erinnern. Als er dem Schwiegervater vorgestellt wurde, habe er auf Anraten der Freundin etwas Langärmliges getragen.

Mit seinen Tätowierungen sei er im oberen Toggenburg schon aufgefallen, aber bereut habe er es nie, sagt der in Stein aufgewachsene Wendel Bischof.

Heute hingegen fällt er weniger auf. Tätowierungen sind inzwischen in allen Gesellschaftsschichten und Altersstufen weit verbreitet. Dabei sind sie keine Erfindung der Neuzeit.

Antike Tätowierwerkzeuge und Mumien mit Tätowierungen zeigen, dass die Menschen schon vor Tausenden von Jahren Farbe unter die Haut ihrer Körper brachten. Die Bezeichnung Tätowierung ist vom polynesischen Wort «tatau» (Zeichen) abgeleitet. Der geographische Ursprung ist umstritten. Man geht heute davon aus, dass sich das Tätowieren bei verschiedenen Völkern unabhängig voneinander entwickelt hat. Den Weg nach Europa fanden die Tattoos mit Entdeckern und Seefahrern in der zweiten Hälfte des 18.

Jahrhunderts.

Form der Kommunikation

Früher wurden verschiedene Techniken angewandt, um die Farbe in die Haut einzubringen, beispielsweise Tätowierkämme mit spitzen Zähnen oder auch mit Farbe getränkte Fäden oder Sehnen, die unter der Haut durchgezogen wurden. Heute geschieht dies meist mit einem weiterentwickelten Modell der 1891 erstmals patentierten elektrischen Tätowiermaschine. Schmerzhaft ist die Prozedur noch immer.

«Das nimmt man in Kauf, man hat sich ja bewusst dafür entschieden,» sagt der Oberhelfenschwiler Ronny Bürge, der für sein noch nicht ganz vollendetes Tattoo schon 36 Stunden hingehalten hat. Bewusst entschieden haben sich die Trägerinnen und Träger eines Tattoos auch für das Motiv. Wie in der Vergangenheit so sind Tätowierungen nach wie vor eine Form der Kommunikation. Die Symbole auf der Haut drücken etwas aus, oft etwas sehr Persönliches.

Barbara Anderegg

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