Das Supplement nach dem Dreigänger

Hier können sich die Gäste ihre Variété-Show selber zusammenstellen: Am Samstag gastierten Gilbert und Oleg als Chef de cuisine und Aide-cuisinier mit ihrem Restaurant zum Goldenen Gaukler im «Asselkeller». Deren Speisen reichen von Akrobatik über Zauberei bis Gesang und Komik.

Olivia Hug
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«Ninas lange Nudel»: Chef de service Gilbert bereitet's zu, Küchenhilfe Oleg beeindruckt's wenig. (Bild: Olivia Hug)

«Ninas lange Nudel»: Chef de service Gilbert bereitet's zu, Küchenhilfe Oleg beeindruckt's wenig. (Bild: Olivia Hug)

SCHÖNENGRUND-WALD. Da hat man selbst nach einem doppelten Drei-Gang-Menu immer noch Appetit. Ja, fast schon unersättlich ist das Publikum am Samstagabend im «Asselkeller». Es klatscht und klatscht und klatscht: In einem guten Restaurant gebe es schliesslich auch ein Supplement nach dem Dessert, findet schliesslich eine Zuschauerin.

Und so kehren Gilbert und Oleg alias Andi Vettiger und Dominik Rentsch halt erneut auf die Bühne zurück und stellen sich den rund 40 Gästen. In seinem Stück «Restaurant zum Goldenen Gaukler» ist das Variété-Duo aus dem Berner Jura nämlich Künstler und Gastgeber zugleich. Und so kann sich der Gast auch sein individuelles Menu, also das Programm des Abends, zusammenstellen.

Für Briten – für Schweizer

Geboten werden «magische, artistische und musikalische Delikatessen», wie die Speisekarte verspricht. Eine solche kriegt gleich jeder Gast ausgehändigt – nach eigenem Wunsch eine englische, französische, schweizerdeutsche oder internationale, beziehungsweise eine Kinderkarte. Es sei aber keine für Analphabeten, wie der seriöse Chef de cuisine Gilbert gesagt haben will, denn in Schönengrund gebe es keine Analphabeten. Diese seien in Herisau zu finden. Überhaupt muss Herisau für einiges herhalten – wie auch die Zu-spät-Gekommenen und der Gast in der ersten Reihe. Er stellt sich freundlicherweise (nicht ganz ungezwungen) als Freiwilliger für ein Kunststück zur Verfügung, das auch schon funktioniert habe und reicht dem schusseligen Oleg gerne die Serviceglocke, wenn dieser sie wieder in hohem Bogen verwirft.

Zum Lachen – zum Staunen

Bei aller simpel gestalteten Theatralik kommen Musik, Artistik und Zauberei nicht zu kurz. So bewegt sich das Publikum in einem erheiternden Wechselbad zwischen herzhaftem Lachen, unterhaltsamen Wortwitz und beeindrucktem Staunen. Selbst die Besucherin, unter deren Hand sich ein Ball – genau genommen handelt es sich dabei um das von einem Gast gewünschte «sehr blutige» Lammfilet – ohne deren Zutun zweiteilt, bleibt nur der verdutzte Blick. Und wie um alles in der Welt ist es dem Chef de service gelungen, die vom Gast – wieder der Herr in der ersten Reihe – gewählte Jasskarte auf einem Papier auszudrucken, ohne dass er oder sein Gehilfe Oleg sie zuvor gesehen hat?

Eins sind sich die Besucher im «Asselkeller» klar: Gilbert und Oleg überzeugen und machen das Theater zu einem kurzweiligen Gesamterlebnis. Da bestellt doch jeder gerne mehr: Es gibt Gerichte wie das «marinierte Radieschen», «el Diabolo», «Ninas lange Nudel» oder das rote Wunder, das einen Vierundsechzigstel marokkanisches Gewürz enthält. «Sofort», wie Gilbert betont, werden sie denn auch serviert. Da gibt's ein Feuer zum Schlecken (Gilbert wird kurzum zum Feuerschlucker und das Publikum hält die Luft an), eine lange, kalte Nudel für alle Gäste, die es zu entwirren und verknoten, abzuschneiden und wieder zu strecken gibt (Zaubermeister Gilbert lässt grüssen) sowie Gemüse, das in Bechern verschwindet, «deren Löcher man nicht sieht» oder in Form eines andersfarbigen Gemüse wieder erscheint (Verschwindetrick).

Für überraschende Momente ist alleweil gesorgt, wenn das Duo Gilbert und Oleg einkehrt und Delikatessen serviert. Und wer meint, Oleg, der Küchengehilfe, könne nicht zaubern, hat sich geirrt. Schliesslich hält er Wort und entlockt einem Zylinder zum Erstaunen aller eine Tube.

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