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Das schwere Los der Apotheken

Die Apothekendichte im Appenzellerland ist im Vergleich zu anderen Kantonen gering. Das hat sowohl geographische als auch gesetzliche Gründe. Von den täglichen Herausforderungen der Apotheken bekommen die Kunden nicht viel mit.
Stephanie Sonderegger
Catherine Baudenbacher-Dillier und ihr Team der Apotheke zur Eiche haben sich mit der Situation arrangiert. (Bild: sso)

Catherine Baudenbacher-Dillier und ihr Team der Apotheke zur Eiche haben sich mit der Situation arrangiert. (Bild: sso)

AUSSERRHODEN. Ein kalter Morgen in Herisau: In der Apotheke zur Eiche herrscht Betrieb. Catherine Baudenbacher-Dillier, stellvertretende Geschäftsführerin, nimmt den Anruf einer Kundin aus Rehetobel entgegen, deren Mann mit Grippe im Bett liegt. «Sie klagte darüber, dass sie keine Apotheke in der Nähe finde, die ihr Medikamente nach Hause bringe.» Rund um Rehetobel sei die Situation schwierig, die nächste Apotheke sei erst in Heiden zu finden.

«Die Ostschweizer Kantone haben eine tiefere Apothekendichte als die restlichen der Schweiz», so Yvonne Geiger, Präsidentin des Apothekerverbands St. Gallen und beider Appenzell. Sie weiss um die spezielle Problematik des Appenzellerlandes. Hier sind generell wenig Apotheken zu finden, in Trogen und Umgebung gibt es gar keine. Der Hauptgrund für diese geringe Zahl liegt in der Selbstdispensation von Medikamenten durch Ärzte. In Ausserrhoden dürfen, wie in den umliegenden Kantonen, Medikamente direkt von Ärzten abgegeben werden. Sie bilden so eine Konkurrenz für die Apotheken. Im Appenzellerland kommen die Naturheilpraktiker dazu, deren Angebot rege genutzt wird. «Wir Apotheker haben eine undankbare Position», so die Präsidentin des Apothekerverbands.

Drogerien erhöhen Druck

Die Atmosphäre in der Apotheke zur Eiche in Herisau ist angenehm, jeder Kunde wird zuvorkommend bedient. «Wir müssen die Kunden mit guter Fachberatung überzeugen, damit sie wieder zu uns kommen», so Baudenbacher-Dillier. Der Standort Herisau sei kein einfacher, arrangiert habe man sich trotzdem. Wenige Meter von der Apotheke entfernt ist eine Drogerie zu finden. Der Druck, den die Apotheken zu spüren bekommen, geht nicht nur von den Ärzten und Naturheilpraktikern aus. So erhöht im Appenzellerland die Abgabe von Liste-C-Medikamenten durch die Drogerien den Druck auf die Apotheken. Yvonne Geiger sieht das kritisch: «Das sind stärkere Medikamente, die eine Beratung erfordern.» Diese spezifische Abgaberegelung sei dennoch nicht Hauptgrund für die geringe Apothekendichte.

«Ein Geschäft ist nur so attraktiv wie seine Umgebung», so Catherine Baudenbacher-Dillier. In Herisau sei es nicht einfach, viele nutzen die Nähe zu St. Gallen, sie tätigen ihre Einkäufe in der Shopping-Arena – so auch die der Apotheke: «Dort finden sie alles an einem Ort.»

Versorgung sichergestellt

Die Anzahl der Apotheken sei noch nie gross gewesen, dennoch werde eine optimale Grundversorgung gewährleistet, so Matthias Weishaupt, Gesundheitsdirektor Appenzell Ausserrhoden: «Für die Patientinnen und Patienten ist die Versorgung mit Medikamenten sichergestellt.» Er sieht die Abgabe von Medikamenten durch Ärzte positiv: «Das ist während des ärztlichen Notfalldienstes besonders wichtig.» Zusätzlich gebe es die Spitäler und die Apotheken mit 24-Stunden-Notfalldienst in der Stadt St. Gallen. Zu erwähnen seien auch die Versandapotheken, sofern diese über entsprechende Bewilligungen verfügen.

Heikles Heilmittelgesetz

Ein Kunde holt Medikamente für seinen Sohn in der Apotheke zur Eiche ab. «Lieber Tabletten zum Schlucken oder Brausetabletten?», fragt die Mitarbeiterin ihren Kunden. Für Catherine Baudenbacher-Dillier eine alltägliche Situation: «Zu uns kommen Patienten, wenn sie Beratung suchen und nicht zum Arzt wollen.»

Die Abgabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten ist seit längerem ein grosses Thema zwischen Apothekern und Ärzten. Sowohl der Ständerat als auch der Nationalrat nahmen sich im vergangenen Jahr der Thematik der Revision des Heilmittelgesetzes an. Eine Angelegenheit, die auch bei den Räten für Uneinigkeit sorgte. Schliesslich wurde ein gemeinsamer Nenner gefunden: So sollen Apotheker und Apothekerinnen in Zukunft rezeptpflichtige Medikamente auch ohne Rezept abgeben dürfen. Dies soll ausschliesslich im direkten Gespräch der Apothekerin mit dem Patienten erfolgen, welches protokolliert werden muss, und nur für ausgewählte Medikamente möglich sein wird. Neben der Diskussion um die Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten wünscht sich der Apothekerverband ausserdem mehr Mitspracherecht in der Betreuung von Patienten in Alters- und Pflegeheimen. Zurzeit seien vorwiegend Ärzte involviert, so die Präsidentin.

Catherine Baudenbacher-Dillier und ihr Team der Apotheke zur Eiche haben sich mit der Situation arrangiert. (Bild: sso)

Catherine Baudenbacher-Dillier und ihr Team der Apotheke zur Eiche haben sich mit der Situation arrangiert. (Bild: sso)

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