Das Schönste, was mir passieren konnte

Sekundarlehrer Stefan Litscher ist auf Umwegen zum Lehrerberuf gekommen. Während seiner Berufszeit hat er viele Hochs, aber auch Tiefs erlebt. Diese Woche ist nun Schluss – er tritt in den Ruhestand. In den 41 Jahren hat er einen Weg gefunden, die Jugendlichen zu verstehen.

Christiana Sutter
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Stefan Litscher war 41 Jahre Sekundarlehrer. Zuerst in Wildhaus, dann in Ebnat-Kappel. (Bild: Christiana Sutter)

Stefan Litscher war 41 Jahre Sekundarlehrer. Zuerst in Wildhaus, dann in Ebnat-Kappel. (Bild: Christiana Sutter)

WILDHAUS. «Mein linker oder rechter Bettnachbar während der Rekrutenschule war schuld, dass ich Lehrer bin», sagt der 64jährige Sekundarlehrer Stefan Litscher auf dem Balkon seiner Wohnung in Wildhaus. Der RS-Kamerad fragte Litscher, ob er eine Stellvertretung als Lehrer übernehmen könne. Während dieser Stellvertretung habe er gemerkt, dass das sein Beruf ist. Denn eigentlich hat der spätere Geschichts-, Geographie- und Sprachlehrer vor der RS an der Uni Zürich mit einem Germanistikstudium begonnen.

Balance finden

Seine erste feste Anstellung hatte Stefan Litscher in Wildhaus. «Im Herbst 1974 sind meine Frau Irmgard und ich nach Wildhaus gekommen.» In Wildhaus blieb er bis 2008. Ab dem Schuljahr 2008/2009 konnte Litscher in Ebnat-Kappel dieselben Fächer unterrichten wie in Wildhaus, «ausser Latein». Spezielle Prinzipien hatte der Sekundarlehrer in all den 41 Jahren nicht: «Die Beziehungsebene zwischen Lehrer und Schüler muss funktionieren.» Mit den Jahren hat er auch einen Weg gefunden, die Jungen zu verstehen. Eines dürfe dabei nicht vergessen werden, «die Nähe ist auch immer eine Gratwanderung. Man muss die Balance finden.».

Beruf positiv erlebt

Dass das nicht so einfach ist, musste Stefan Litscher schmerzlich erfahren. Als 41-Jähriger erlitt er einen Hirnschlag. Das zwang ihn dazu, sich neu zu überdenken. Geholfen hat ihm dabei die Lehre des seelischen Gleichgewichts, die Sophrologie. «Dadurch bin ich gelassener geworden.» Mit der Hand macht Stefan Litscher eine ausführende Bewegung, «und hier in dieser Umgebung leben zu dürfen, ist auch ein Privileg». Seit einem Jahr weiss Stefan Litscher, dass Ende dieser Woche Schluss ist. «Ich habe mich Schritt für Schritt darauf vorbereitet und auch gefreut.» Aber schon jetzt weiss er, dass er das Team in Ebnat-Kappel vermissen wird. «Die Kollegen aus der Wildhauser Zeit sind weiterhin in der Nähe.» Denn Stefan Litscher, Peter Ruf und Ueli Roth waren ein unvergessliches Team an der Sekundarschule in Wildhaus. Am meisten wird er aber die jungen Menschen vermissen.

Der Blick Litschers schweift in die Weite, er sinniert einen Moment und sagt: «Jetzt kann ich in die Ferien gehen, wann ich will, und ich habe endlich mehr Zeit für die Literatur und die Kunst.» Stefan Litscher freut sich auf das, was kommt, «ich wünsche mir, dass ich gesund bleiben darf». Er hält einen Moment inne und sagt: «Für mich ist der Lehrerberuf das Schönste, was mir passieren konnte, denn ich habe den Beruf positiv erlebt.»

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