«Das Schlimmste war, diese Ohnmacht zu spüren» – Die Hundwiler Familie Knöpfel nach dem Brand, bei dem 200 Schweine starben

Nach dem Brand auf dem Hof von Familie Knöpfel zeigen sich Nachbarn sowie die Gemeinde Hundwil solidarisch. Es wurde auch ein Spendenkonto eingerichtet.

Claudio Weder
Drucken
Teilen
Hatten eine turbulente Weihnachtszeit: Bruno und Miriam Knöpfel aus Hundwil.

Hatten eine turbulente Weihnachtszeit: Bruno und Miriam Knöpfel aus Hundwil.

Bild: Claudio Weder

Am Weihnachtsritual von Familie Knöpfel hat sich in diesem Jahr nichts geändert. Gefeiert wurde im engsten Kreis der Familie, mit Christbaum, Geschenken und gutem Essen. Wie üblich eigentlich. Dennoch waren die Weihnachtstage für die Hundwiler chaotischer als sonst. Der Grund dafür ist wenig erfreulich: In der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember brannte auf ihrem Hof im Gaisfeld ein Wohnhaus mitsamt angebautem Stall nieder. Bruno Knöpfels 85-jährige Mutter, die darin wohnte, konnte den Flammen rechtzeitig entkommen. Für die 200 Schweine kam allerdings jede Hilfe zu spät.

Hofbesitzer Bruno Knöpfel hat den Vorfall noch nicht verdaut. «Vor allem nachts beschäftigt es mich», sagt der 59-Jährige. Trotz allem: Die Weihnachtstage hätten ihm und seiner Familie etwas Luft verschafft.

«Wir konnten endlich einmal durchatmen.»

Der fünffache Familienvater erinnert sich noch genau: Es war nach Mitternacht, als seine Mutter Emma an der Haustür klingelte und ihn über die Rauchentwicklung in ihrem Haus informierte. «Sofort eilten wir nach draussen, um nachzuschauen – doch da stand das Haus bereits in Flammen.» Knöpfels Mutter hatte Glück im Unglück. Sie konnte das Haus gerade noch rechtzeitig durch ein Fenster im Erdgeschoss verlassen. «Dabei verbrannte sie sich die Hand am glühend heissen Türgriff», erzählt Bruno Knöpfel. «Ansonsten blieb sie glücklicherweise unverletzt.»

Der niedergebrannte Stall sei für Knöpfel nicht in erster Linie ein finanzieller Verlust – gegen solche Fälle sei er versichert –, sondern vielmehr ein emotionaler. Schmerzhaft sei vor allem der Gedanke, dass auf einen Schlag alles weg sei – der Stall, die Schweine, das Haus, in dem er aufgewachsen ist, und mit dem Haus das ganze Hab und Gut seiner Mutter.

Gemeinde richtet Spendenkonto ein

Umso schöner sei es, dass die ganze Familie unmittelbar nach dem Brandfall nicht allein gelassen wurde. «Wir wurden überhäuft mit Anrufen, Briefen und SMS. Die Leute fragten nicht nur nach unserem Befinden, sondern boten uns auch Hilfe an», erzählt Bruno Knöpfels Frau Miriam.

Auch bei ihr ist alles noch präsent. «Das Schlimmste war für mich, diese Ohnmacht zu spüren. Wenn man nichts machen kann, und einfach zusehen muss, wie die Tiere sterben», sagt sie. Sorgen bereiteten ihr in jener Nacht auch die ungünstigen Wetterbedingungen: «Es windete sehr stark – und ich hoffte, dass die Flammen nicht noch auf den übrigen Betrieb übergreifen. Die Feuerwehr hatte jedoch die Situation im Griff, und konnte Schlimmeres verhindern. Darüber sind wir beide sehr dankbar», sagt sie. Bruno Knöpfel ist im Speziellen auch dankbar, dass die Feuerwehr das Entsorgen der Tierkadaver übernommen hatte. Er beschreibt:

«Das hätte ich emotional nicht auch noch verkraftet.»

Doch nicht nur Verwandte und Nachbarn zeigten sich solidarisch. «Bereits am Tag nach dem Brand erhielten wir Besuch von Gemeindepräsidentin Margrit Müller. Auch der Feuerwehrkommandant besuchte uns und fragte uns, ob wir noch Betreuung benötigen», sagt Miriam Knöpfel. Am meisten überrascht aber seien sie gewesen, dass die Gemeinde Hundwil ein Spendenkonto eingerichtet hatte. «Damit hätten wir nicht gerechnet – eine sehr schöne Geste», sagen die beiden unisono. Neben Geld seien auch Realspenden eingetroffen, darunter vor allem Kleider für Emma Knöpfel.

Über Weihnachten in Bern

Die 85-Jährige wohnt derzeit im Altersheim Pfand, das sich in unmittelbarer Nähe des Hofes von Familie Knöpfel befindet. «Dort wird sie vermutlich bis Januar bleiben, und im Februar, wenn alles klappt, in eine kleine Wohnung umziehen», sagt Bruno Knöpfel. Die Weihnachtstage verbrachte Emma Knöpfel bei Verwandten in Bern. «Für sie ist es gut, dass sie ein paar Tage weggehen konnte – sie steht immer noch unter Schock und kann das Ganze noch nicht so ganz realisieren», sagt Miriam Knöpfel.

Zur Zeit hofft die Familie, für die 85-Jährige eine gute Lösung zu finden. «Wir unterstützen sie, wo wir nur können», sagt Miriam Knöpfel. Als Erstes müssten sie nun dafür sorgen, dass ihre Mutter und Schwiegermutter alles wieder hat, was sie für ihren Alltag benötigt: «Von der Brille, über das Hörgerät bis hin zu Kleidern, Schuhe, ID, Halbtax und Versicherungspolicen.»

In einem Jahr soll der Stall wieder stehen

Noch immer liegen die Trümmer des abgebrannten Stalles an Ort und Stelle – «dort werden sie vorerst liegen bleiben, bis die Brandursache geklärt ist», sagt Bruno Knöpfel. Gleich nächste Woche müsse er auf den Polizeiposten, um weitere Aussagen zu machen. «Die Geschichte wird uns also noch eine Weile weiterbeschäftigen», sagt er. Aufgeben komme für den 59-Jährigen aber nicht in Frage. Knöpfel hofft, dass bis in einem Jahr ein neuer Stall steht. Schliesslich wollen seine Söhne den Hof später einmal übernehmen.

Die Gemeinde Hundwil hat ein Spendenkonto für die Betroffenen des Brandfalls im Gaisfeld eingerichtet. Spenden mit dem Vermerk «Brandfall Gaisfeld» auf das Konto CH10090000009000 02826, lautend auf Gemeinde Hundwil.

200 Schweine bei Brand in Hundwil AR getötet

In der Ortschaft Hundwil im Kanton Appenzell Ausserrhoden ist in der Nacht zum Samstag ein Wohnhaus mit einem Stall in Brand geraten. Dabei kamen rund 200 Schweine in den Flammen ums Leben.