«Das Positive am Impfen überwiegt»

Allgemeinmediziner Ciril Hvalic, der seit 2007 in der Praxisgemeinschaft an der Tulpenstrasse in Kirchberg tätig ist, beantwortet Fragen rund ums Impfen. Er sieht der Entwicklung, dass es immer mehr Impfgegner gibt, skeptisch entgegen, verschweigt aber nicht, dass Impfungen auch Nebenwirkungen haben können.

Martina Signer
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Ciril Hvalic Allgemeinmediziner und Impfbefürworter (Bild: Martina Signer)

Ciril Hvalic Allgemeinmediziner und Impfbefürworter (Bild: Martina Signer)

Herr Hvalic, welche Gründe sprechen aus Ihrer Sicht dafür, sich selbst und seine Kinder impfen zu lassen?

Ciril Hvalic: Impfungen haben sehr viel dazu beigetragen, dass die Kindersterblichkeit enorm abgenommen hat. Heute ist das vielen nicht mehr bewusst, da man die meisten solcher Krankheiten nicht mehr erlebt hat. Für Menschen aus Südamerika oder Afrika beispielsweise ist es völlig unverständlich, dass einige Schweizer so impfkritisch sind, da sie die Folgen von Kinderkrankheiten ständig erleben. Gegen FSME, das durch Zecken übertragen wird und wesentlich weniger gefährlich ist als beispielsweise Masern, lassen sich heute viele Leute impfen, da sie die Auswirkungen vielleicht selbst schon einmal gesehen haben. Mit dem Impfen schützt man ausserdem nicht nur sich selbst und seine Kinder, sondern auch die Allgemeinheit. Wenn jemandes Impfung nicht optimal wirkt und die Personen im Umfeld aber über einen korrekten Impfschutz verfügen, ist man trotzdem geschützt.

Welche Gründe sprechen dagegen?

Hvalic: Impfungen können Nebenwirkungen verursachen, und das darf nicht ausser Acht gelassen werden. Jede Infektion, die man durchmacht, auch eine künstliche, was eine Impfung ja im Grundsatz ist, aktiviert das Immunsystem. Und das kann immer etwas auslösen. Dass Autismus, Diabetes oder Multiple Sklerose aber mit dem Impfen zu tun haben, wurde mit Studien widerlegt.

Mit welchen Nebenwirkungen wurden Sie als Hausarzt schon konfrontiert?

Hvalic: Ein Jugendlicher hatte neurologische Probleme nach einer Hepatitis-B-Impfung. Die Impfung war der einzige Infekt, der in diesem Zusammenhang stattgefunden hat. Diese Art Erkrankungen gibt es auch nach normalen Infekten. Der Junge hat sich vollständig erholt.

Was wird denn genau im Körper in Gang gesetzt, wenn man sich hat impfen lassen?

Hvalic: Bei einer Impfung werden dem Immunsystem unschädlich gemachte Viren oder Bakterien ausgesetzt. Das Immunsystem bildet dann sogenannte Antikörper. Sollte dann effektiv diese Krankheit ausbrechen, kennt das Immunsystem diese schon und kann viel schneller reagieren, als dies ohne Impfschutz der Fall wäre. Meist reagiert das Immunsystem bei den Krankheiten, die wir impfen, bei ungeimpften Menschen zu spät.

Wie lange ist ein Patient bei Ihnen im Sprechzimmer, wenn er sich impfen lassen will?

Hvalic: Die üblichen Untersuchungen von Kleinkindern dauern jeweils rund eine halbe Stunde. Da ist aber natürlich nicht nur das Impfen dabei. Wenn sich jemand eingehend über das Impfen informieren will, kann alleine schon das Gespräch bis zu 30 Minuten dauern. Die meisten Leute bestehen aber nicht darauf, sie wollen sich einfach schützen. Ich biete in solchen Fällen ein Informationsblatt an. Oft kommen wir dann ins Gespräch, warum Impfungen gemacht werden sollten und dass es auch Impfgegner gibt. Und wir respektieren es auch, wenn sich jemand dagegen entscheidet.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen dem im Vergleich zu früher massiven Anstieg an Patienten, die unter Heuschnupfen leiden, und dem Impfen?

Hvalic: Warum Allergien so deutlich zugenommen haben, weiss man nicht. Es gibt aber einige Theorien. Sei es die Luftverschmutzung oder dass man heute enorm viel mehr mit exotischen Früchten in Kontakt kommt. Man darf aber nicht blind davon ausgehen, dass Impfen nur Gutes hat. Darum werden auch Studien gemacht und verglichen, ob mehr Geimpfte oder mehr Ungeimpfte gewisse Krankheiten bekommen. So konnte man auch beweisen, dass Geimpfte nicht mehr Allergien haben. Vielleicht findet man aber tatsächlich irgendwann heraus, dass es einen Zusammenhang gibt, mit dem man nicht gerechnet hat. Was wir Menschen machen, kann nie unfehlbar sein. Wenn man aber bedenkt, was Krankheiten wie Diphtherie früher angerichtet haben, überwiegt für mich ganz klar das Positive.

Kinderkrankheiten seien ausgerottet, da die Hygiene heute besser sei als früher. Das sagen zumindest viele Impfgegner. Was meinen Sie dazu?

Hvalic: Es gibt Krankheiten, gegen die erst seit den 90er-Jahren geimpft wird, und die heute fast ausgerottet sind. Aber damals war die Hygiene nicht schlechter als heute.