«Das Paradiesli ist nicht vom Tisch»

Die Situation rund um die Altersheimplanung in der Gemeinde Stein ist schwierig: Das Zukunftsprojekt im «Paradiesli» kann nicht wie geplant realisiert werden, das gemeindeeigene Altersheim wird geschlossen. Was nun?

Interview: Astrid Zysset
Drucken
Teilen
Noch ist unklar, wo die Steiner Bürgerinnen und Bürger ihren Lebensabend verbringen. (Bild: Sabrina Stübi)

Noch ist unklar, wo die Steiner Bürgerinnen und Bürger ihren Lebensabend verbringen. (Bild: Sabrina Stübi)

Die Idee war, auf Genossenschaftsbasis ein Alters- und Pflegeheim im Gebiet «Paradiesli» in Stein zu realisieren. Jedoch wurden zuwenige Anteilsscheine gezeichnet. Darum wurde entschieden, diese Idee zu verwerfen. Vergangenen Freitag folgte dann die Mitteilung, dass das gemeindeeigene Altersheim Büel auf Ende Februar geschlossen wird. Gemeindepräsident Siegfried Dörig nimmt Stellung zur aktuellen Situation rund um die Altersheimplanung.

Was bedeutet das Aus des «Paradiesli» nun für die Gemeinde?

Da muss ich gleich mal etwas richtig stellen: Das «Paradiesli» ist nicht vom Tisch. Dieses auf Genossenschaftsbasis zu realisieren, hat nicht funktioniert. Aber das Projekt gibt es noch. Private können es nun übernehmen und umsetzen. Bereits gibt es auch schon einige Anfragen. Findet sich ein Interessent, steht die Auflage des Gestaltungsplanes an und die zweckgebundene Aufstockung des Teilzonenplans.

Klingt, als wäre die Situation gar nicht dramatisch.

Doch, das ist sie. Wir können keinen nahtlosen Übergang zwischen der Schliessung des Altersheims Büel und einer neuen Lösung sicherstellen.

Trotzdem: Es gibt Interessenten, welche das Projekt übernehmen wollen. Wieviele sind es, und wie weit sind die Verhandlungen bereits fortgeschritten?

Dazu kann und will ich mich nicht äussern. Die Gemeinde ist bei den Verhandlungen aussen vor. Die Gespräche führt die Paul Preisig AG, als Grundstückbesitzerin. Es ist ihr Projekt. Sie wird demnächst entscheiden, wie es weiter geht.

Es ist aber die Aufgabe der Gemeinde, ausreichend Pflegeheimplätze für die Bewohnerinnen und Bewohner zur Verfügung zu stellen. Werden diese nun extern «eingekauft»?

Eine Vorbesprechung beim Kanton gab es bereits. Es existiert auch ein Spezialvertrag mit dem Heinrichsbad in Herisau. Für uns aber erste Priorität hat nach wie vor die Umsetzung des Projektes «Paradiesli».

Besteht dafür der notwendige zeitliche Spielraum?

Ein wenig, ja. Voraussetzung ist jedoch die Zustimmung zum Teilzonenplan Paradiesli.

Zur Realisierung des «Paradiesli» auf Genossenschaftsbasis hat das Kapital gefehlt. Mitte September lagen Zusagen von rund 900 000 Franken vor. Rund drei Millionen hätte es gebraucht. Hat man dieses fehlende Interesse nicht kommen sehen?

Absichtserklärungen kamen laufend rein. Darum hatte man den Termin, an dem man Bilanz ziehen wollte, hinausgeschoben. Im August war dann aber klar, dass das Ziel nicht erreicht wurde.

Woran lag’s?

Das weiss ich nicht. Vielleicht ist das Thema ‘Wohnen im Alter’ für viele noch zu weit weg. Steht man mitten im Berufsleben, sind andere Dinge wohl wichtiger. Aber das ist nur eine Mutmassung, die genauen Gründe kennen wir nicht. Wir haben das mangelnde Interesse mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Die Attraktivität des Projektes hatten wir anders beurteilt. Schade, dass zuwenige Anteilsscheine gezeichnet wurden. Aber wir akzeptieren die Situation, wie sie nun ist.

Hätte die Gemeinde nicht finanziell einspringen können, um das fehlende Geld der Genossenschaft zur Verfügung zu stellen?

Nein. Wir hatten uns mit einem in Aussicht gestellten Darlehen, das wir zu äusserst günstigen Konditionen der Genossenschaft zur Verfügung gestellt hätten, und der Zeichnung von Genossenschaftskapital von 250 000 Franken schon grosszügig genug gezeigt. Fraglich bleibt, ob die Zeichnung an der Urne überhaupt goutiert worden wäre, wenn das Interesse an der Realisierung des Projektes ja so gering ist.

Vergangenen Freitag hat der Gemeinderat sich entschlossen, das gemeindeeigene Altersheim Büel mit derzeit 15 Bewohnerinnen und Bewohnern zu schliessen.

Keine angenehme Situation, aber es musste sein. Seit Jahren übernehmen wir ein Defizit von jährlich 150 000 bis 200 000 Franken – für eine Gemeinde wie Stein ein grosser Brocken. Eine Nachfolgelösung ist noch nicht in Sicht. Darum war eine Schliessung unumgänglich.

Ein Ausbau auf eine Grösse, die den Betrieb rentabel gemacht hätte, wäre nicht möglich gewesen?

Das ging raumplanerisch nicht. Das Altersheim liegt in der Landwirtschaftszone. Die Situation ist wie sie ist: Es ist schade für das Projekt auf Genossenschaftsbasis im «Paradiesli», und es ist schade für das Büel.