Das neue Telefon

Brosmete

Martin Hüsler
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Es erweist sich als notwendig, dass wir – bereits in vorgerückterem Alter stehend – einem noch um einiges älteren Menschen ein neu gekauftes Telefon einrichten müssen. Laut Aufdruck auf der Schachtel, in der es uns im Elektronikgeschäft ausgehändigt wurde, handelt es sich um ein strahlungsarmes, schnurloses Verstärkertelefon. Auf der Schachtel steht unter anderem das Wort «Comfort». Es lässt uns darauf hoffen, die Programmierung gestalte sich einigermassen unkompliziert. Die Gebrauchsanleitung ist in zehn Sprachen abgefasst, was einer Erweiterung des Horizonts zustatten kommt. Wären wir beispielsweise Holländer, so hätten wir es mit einem Snoerloze versterkertelefoon met XL-toetsen en XL-display zu tun. Auf Türkisch würden wir uns mit einem Kablosuz güclendirici Telefon XL tuslar ve XL ekran beschäftigen. Aber schon die deutsche Version brockt uns reichlich Probleme ein, zumal die Schriftgrösse in der Gebrauchsanleitung den Einsatz einer Lupe fast unumgänglich macht. Unser Ziel ist es, häufig angewählte Nummern zu speichern, damit der um einiges ältere Mensch mit einem einzigen Knopfdruck die Mühe umgehen kann, jedes Mal alle Zifferntasten antippen zu müssen und sich dabei möglicherweise zu verheddern. Für die Erreichung des Ziels hatten wir eine knappe Viertelstunde einkalkuliert. Bald schon kon­statieren wir, dass die Grundlagen zur Ermöglichung einer bequemeren Kommunikation hart erarbeitet sein wollen. Nach einer Stunde – längst haben sich üble Verwünschungen auf die moderne Technik ins Umgangssprachliche gemischt – müssen wir erkennen, dass der Schachtelaufdruck «Comfort» wohl etwas anderes meint als das, was uns ursprünglich Hoffnungen machte. Wir wünschen uns die Zeiten herbei, als der Mensch noch in Höhlen hauste. Wie einfach muss damals die Kommunikation vonstatten gegangen sein. Ein Rauchsignal oder ein Steinwurf hinüber zur Nachbarhöhle mag genügt haben, um einander anzuzeigen, dass man etwas mitzuteilen habe.

Martin Hüsler