Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Radiomoderatorin erfindet eigene Sage aus dem Appenzellerland

Radiomoderatorin Rosie Hörler aus St.Gallen hat eine eigene Innerrhoder Sage erfunden. Weitere sind in Planung.
Astrid Zysset
Moderatorin Rosie Hörler fand Sagen schon immer faszinierend. Bild: Astrid Zysset

Moderatorin Rosie Hörler fand Sagen schon immer faszinierend. Bild: Astrid Zysset

Der Seealpsee schimmert je nach Sonneneinstrahlung in grüner Farbe. Schon als Kind, als sie ihre Grosseltern besuchte, die «z’Alp» gingen, sei sie fasziniert gewesen von diesem «mystischen und schönen Ort», wie Rosie Hörler ihn umschreibt. «Ich hatte mich immer gefragt, warum er so leuchtet.» Kurzerhand gab sich die Moderatorin die Antwort selbst: Sie schrieb eine Sage, die für genau dieses Naturphänomen eine Erklärung liefert (siehe Box).

Es ist eine tragische Liebesgeschichte. Eine, die Fremdenfeindlichkeit thematisiert wie auch den Umgang mit ungewollten Liebschaften. «Ich stelle die alten Strukturen in Frage, die in Innerrhoden leider oftmals noch vorherrschen», sagt Hörler. Sie erachtet den Rassismus in der Schweiz als grosses Problem. Auch sei es wichtig, Konventionen aufzubrechen, die nicht mehr in die heutige Zeit zu passen scheinen. «Sagen bringen Fehlbarkeiten der Menschen auf den Punkt. Und genau das wollte ich auch machen.»

Ein Geistesblitz während der Zugfahrt

Die Idee zur Sage kam ihr auf einer Zugfahrt 2013 von Bern nach St.Gallen. Es sei ein Geistesblitz gewesen. «Einfälle für Texte kommen mir meistens vor dem Einschlafen, beim Arbeiten oder wenn ich unterwegs bin.» Rosie Hörler schrieb die Geschichte auf, und seitdem ist sie Bestandteil ihres Repertoires bei Lesungen. Und sie komme stets gut an. «Die Sage gehört zu meinen Lieblingstexten, weil sie gleichzeitig schön und tragisch ist.» Gesprochen käme sie besser zur Geltung als abgedruckt in einem Buch oder Zeitung. «Sie lebt halt vom Innerrhoder Dialekt.»

Und sie soll nicht die einzige bleiben, welche die Radiomoderatorin veröffentlichen will. Einfälle zu weiteren Sagen hat sie bereits. «Ich finde es schön, wie der Nebel durch die Bergwipfel zieht. Vielleicht mache ich da noch was draus.» Alternativ wäre eine denkbar zu den Touristenmassen im Alpstein. Diese geben Hörler zu denken, denn viele Leute gehen nicht mehr nur der Natur wegen dort hin, sondern um möglichst viele "Likes" in den sozialen Medien zu sammeln.

Welche der beiden Ideen sie zu Papier bringt, weiss die Moderatorin noch nicht. «Es muss zuerst reifen. Durch die Mund-zu-Mund-Überlieferung hat jede Sage eine Weile gedauert, bis sie formvollendet war. Meine brauchen auch noch etwas», sagt Hörler lachend.

Am liebsten Sagen mit einem «spukigen» Schluss

Rosie Hörler ist in Appenzell aufgewachsen. Heute lebt die 32-Jährige in St.Gallen. Innerrhoden habe sie geprägt, sagt sie. Unverkennbar. Ihr Dialekt lässt ihre Herkunft nicht leugnen, auf dem rechten Unterarm prangt eine Tätowierung mit dem Seealpsee als Motiv.

Mit den Sagen des Appenzellerlandes hat sich die junge Frau schon früh beschäftigt. Besonders das Mystische hat es ihr angetan. «Am liebsten hörte ich diejenigen mit Wetterphänomenen oder solche, in welchen ein Teufel stellvertretend für das Böse vorkam.» Aber ebenfalls an den Sagen mit einem «spukigen» Ende hat sie Gefallen gefunden. Darum hat sie ein solches auch bei ihrer eigenen eingebaut. Ende September – so sagt man – wenn der Seealpsee so grün wie die Augen von Annemarie glitzert, sollen auch deren Rufe zu hören sein.

De José ond s Annemariili

Guet dreiezwenzgi ische gsee, de José vo Barcelona ode Pamplona, niemed het da eso gnau gwesst, vo fott isch e’ choo, uf seb het me sich veloo. Gschaffet het e’ uf em Bau, mit bruubrenntem Rogge ond die schwaze Locke vom Staub ganz grau. E Lache zum Veschmölze het e’ kaa, ond Auge wien e Reh, de Meedle het e’ de Chopf vedreiht ond s reihewiis mit hee. Jedere het e’ vo «Amor» vezöllt ond allne «Guapa» noo dröllt, ond wenn e’ emol ellee gsee isch, het e’ sin Toscht mit «Vino tinto» gstöllt. Doch denn isch e a s’ Annemariili heregroote ond veroote, die Gschicht het nüd chöne guet choo. Sii e Jumpfere mit grüene Auge wie de Seealpsee, het sich vesäh ond uf en iiloo. De escht Kuss a de Chölbi hönde de Tötschbahn, abahnt het sich do nebis, dass chlepft ond tätscht. On dem Annemariili eri Schwöschte het s gsäh ond sich deheem bim Vatte verätscht.De seb het tue wien en Wald voll Affe, dass sich die Meedl usgrechnet het möse en Spanie aagaffe! Denn de Vatte stolz uf Traditione, Schölleschötte, Roomzonne fresse ond Öberefahre! Z’fescht stolz uf Traditione, ke Intresse am Neue, bruche me nüd, cha gad abfahre! Wessed e’, de Appezölle het s geen loschtig, tanzt geen rond, abe wenn s em nüd passt, get s fadegrad eeni an Grend! De Appezölle macht geen Witz, lache isch gsond, abe s Lache isch vobei, wenn e’ nebis nüd chennt! Doch es isch scho z spot gsee, de José het s Annemariili mit hee, ond me wös nüd globe, de José het ere gad au en Broote in Ofe gschobe.De Vatte het d Heugable gnoo ond isch dem Spanie vekoo, hönnenoo isch er em gsprunge ond de José notgedrunge, wie vom Äbese besse devoo ond nie me hönnevöre choo. Ond s Annemariili isch gsee, ellee mit rondem Buuch ond joo es isch halt Bruuch, so eeni tuesch nüd hüüroote, au wenn sii sös enad no eebe aastendig isch groote. Ond s Annemariili isch ledig blebe, zwo nomme Jumpfere abe glich ellee, ond so het sii sich im Eeelend gstürzt in Seealpsee. Ond de See tuet er wie eri grüene Auge glitzere ond funkle, jedes Mol am legschte Sonntig im Septembe bim Iidunkle. Denn wenn Chölbi isch im Doof, doo wo de José em Annemariili gmacht het de Hoof. Ond wem me liislig ond moxmüüslistölle isch, denn ghöt me denn: José au José, wo bisch, wo bisch!? pd

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.