Das Märchen von Olympia

Brosmete

Alex Baumann
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Es war einmal ein Mädchen namens Olympia. Es lebte vor langer Zeit im alten Griechenland, wo die Philosophen weise, die Knabenliebe üblich und die Bekleidung optional war. Da die Grossmutter im fernen Marathon wohnte, schickte die Mutter die brave Olympia mit Oliven und Ouzo los und begründete damit das Nacktwandern. «Ich will doch sehen, wie schnell ich die Strecke bewältigen kann.» Sagte es und sprang bereits leichten Schrittes davon. Da sie zwischendurch austreten musste und deshalb eine Zusatzschlaufe im Wald drehte, verlängerte sich die eigentlich nur 42 km lange Strecke nach Marathon unnötigerweise um 195 Meter. So ging das Jahr für Jahr, bis sie eines Tages im Wald einer finsteren Gestalt begegnete. «Hallo», sagte sie freundlich, «bist du der böse Wolf?» Aber da rächte sich, dass sie den Biologieunterricht wegen der vielen Waldläufe schwänzte, denn es war gar kein Wolf, sondern der Römer Theodosius, der ihr arglistig K.-o.-Tropfen in ihr Griechostar mischte. So fiel das arme Mädchen in einen tiefen, langen Schlaf. Jahrhunderte um Jahrhunderte vergingen, bis endlich der edle Prinz Coubertin auszog, um nach dem verschollenen Kind zu suchen. Tatsächlich wurde er fündig, erweckte das totgeglaubte Mädchen mit einem Kuss aus der Brieftasche und kleidete es in Paris neu ein. Da verstarb Prinz Coubertin völlig unverhofft. Vielleicht lag es daran, dass er da schon 74 war. Die Rechte an der unehelichen Maid sicherten sich die bösen Brüder Isidor, Otto und Christoph, die alle nur IOC nannten. Diese verschleppten Olympia in ihre Höhle am Genfersee, liessen ihr die Brüste vergrössern, spritzten die Lippen auf und boten ihre Unschuld ruchlos an den Meistbietenden feil. Das ehemalige Mauerblümchen aus der griechischen Provinz ist inzwischen hässlich fett geworden, aufgedunsen wie ein Schwamm im Bach, nur dass hier der Bach am Schwamm saugt. Und wenn sie noch nicht gestorben sind, dann schwammaranchen sie noch.

Alex Baumann