Das letzte Gipfelgespräch

Die Ausserrhoder Wirtschaftsförderung kürte sie 2004 mit dem Standortmarketingpreis. Nun geht die Ära der Gipfelgespräche zu Ende: Mitte November empfängt Verleger Marcel Steiner den letzten Gast auf der Hundwiler Höhe.

Monika Egli
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Marcel Steiner im (Gipfel-)Gespräch mit Unternehmerin Valesca Montañés im letzten Winter. (Bild: David Scarano)

Marcel Steiner im (Gipfel-)Gespräch mit Unternehmerin Valesca Montañés im letzten Winter. (Bild: David Scarano)

herisau/hundwil. 18 Jahre lang bewirtete Marlies Schoch auf der Hundwiler Höhe die Gäste der Gipfelgespräche. Jetzt steht ein Rollenwechsel bevor. Verleger Marcel Steiner führt mit ihr als Gast das letzte Gipfelgespräch. Es dürfte ungefähr das achtzigste sein. «Aufhören, wenn es am schönsten ist» und «langsam schleicht sich Routine ein», begründet Steiner seinen Entscheid, am 19. November zum letzten Mal in dieser Angelegenheit auf die Hundwiler Höhe zu steigen.

«Dem Alltag entrücken»

Die im Jahr 2004 von der kantonalen Wirtschaftsförderung ausgezeichneten Gipfelgespräche der Appenzeller Zeitung fanden ausschliesslich während der Wintermonate statt, stets an einem Freitag und immer im Gasthaus auf der Hundwiler Höhe. «Was der grossen Politik recht ist, soll der Appenzeller Zeitung billig sein», schrieb Marcel Steiner 1992 als damaliger Chefredaktor zum Auftakt.

Er und Redaktor Hanspeter Spörri hatten die Idee ausgeheckt, Persönlichkeiten «durch den dreiviertelstündigen Aufstieg auf die Hundwiler Höhe dem Alltag ein Stück weit zu entrücken», um sich mit ihnen in der gemütlichen Gaststube zu unterhalten. Die Idee fand Anklang: Beim Publikum, das sich schnell zu treuen Stammgästen wandelte; bei den Gesprächsteilnehmern und -teilnehmerinnen, die sich kaum je zierten, auf die Hundwiler Höhe zu kommen; bei Marlies Schoch und ihrem Team,

die stets mit einem guten Znacht aufwarteten; und nicht zuletzt bei den Zeitungsredaktoren, denen die Gipfelgespräche guten Stoff für Artikel lieferten.

Ununterbrochen seit 2000

Zu Beginn wurden Gipfelgespräche dann angesetzt, wenn Aktualitäten dazu animierten; als Gesprächsleiter wechselten sich einige Redaktoren ab.

Es gab auch Winter, in denen sie nur unregelmässig stattfanden, und in den Jahren 1998 bis 2000 fielen sie mangels «Betreuer» sogar ganz aus. Dann aber nahm sich Marcel Steiner, unterdessen Geschäftsleiter des Appenzeller Medienhauses in Herisau und Verleger der Appenzeller Zeitung, ihrer an und brachte Struktur in die Organisation. Seit dem 13.

Oktober 2000 wurden sie regelmässig durchgeführt, hauptsächlich – aber nicht nur – mit Gesprächsgästen aus den Kantonen Appenzell Ausser- und Innerrhoden. Die Gästeliste liest sich wie ein Ostschweizer «Who is who». Sie reicht von A wie Hans Altherr über Gabriela Manser, Uriella, Otto Schoch, Dorle Vallender, Konrad Hummler, Ueli Widmer, Marianne Kleiner, Ida Gut, Ivo Bischofberger, Alice Scherrer, Roland Inauen, Bischof Markus Büchel bis Z wie Gret Zellweger – um nur wenige zu nennen.

Statt die Gespräche unter ein Thema zu stellen, rückte Marcel Steiner dabei immer die Person in den Vordergrund. Deshalb liess er es sich auch nie nehmen, jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin vorgängig zu besuchen, «möglichst zu Hause», um ein Gespür für die Person zu entwickeln.

Trotz Winterwetters nie Unfälle

Wie es jeweils auf der Vorankündigung hiess, fanden die Gipfelgespräche «bei jeder Witterung» statt.

Dies hatte allerdings Grenzen – vor allem, nachdem während eines Abstiegs ein heftiger Sturm die Macht der Naturgewalten deutlich demonstriert hatte. In den vergangenen zehn Jahren liess Marcel Steiner deshalb aus Vorsicht drei Termine wegen zu schlechten Wetters ausfallen, zwei weitere konnten wegen Erkrankung des Gastes nicht durchgeführt werden.

Alle anderen aber fanden statt; sämtliche Teilnehmer und Teilnehmerinnen sowie alle Gäste kamen stets heil auf die Höhe und auch heil wieder herunter.

Freitag, 19. November, ab 19 Uhr, Gasthaus Hundwiler Höhe: letztes Gipfelgespräch. Gast von Marcel Steiner ist Gastgeberin Marlies Schoch.

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