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Das Kunstmuseum Appenzell räumt sein Lager

Viele Ausstellungskataloge des Kunstmuseums Appenzell blieben unverkauft und sammelten sich über die Jahre an. Heute und am vergangenen Mittwoch lud das Museum zu einem Lagerverkauf ein.
Claudio Weder
Stöbern in Ausstellungskatalogen: Der Lagerverkauf des Kunstmuseums Appenzell lockte vor allem Bücherliebhaber an. (Bild: Claudio Weder)

Stöbern in Ausstellungskatalogen: Der Lagerverkauf des Kunstmuseums Appenzell lockte vor allem Bücherliebhaber an. (Bild: Claudio Weder)

Drei Holzpaletten stehen im Foyer des Kunstmuseums Appenzell. Auf jedem türmen sich Bücher zu Stapeln – es sind Ausstellungskataloge aus dem Lagerbestand des Museums. Jedes Buch hat seinen ganz eigenen Charakter, keines gleicht dem anderen – so, wie auch keine Ausstellung der anderen gleicht. Auf den Einbänden sind Namen wie Carl August Liner, Carl Walter Liner, Hans Arp, Jonathan Bragdon, Gottfried Honegger, Ottmar Hörl, Andreas Kaufmann, Robert Schad, Norbert Kricke oder Ernst Wilhelm Nay zu lesen. Die Ausstellungskataloge wurden heute Nachmittag zum Verkauf angeboten. «Es sind Bücher, die wir im Alltagsgeschäft nicht wegbekommen – und die sonst ein Schattendasein fristen würden», erklärt Roland Scotti, Kurator des Kunstmuseums Appenzell.

Im Durchschnitt veranstaltet das Museum pro Jahr vier Ausstellungen. In den letzten 20 Jahren haben also rund 80 Ausstellungen stattgefunden. «Da hat sich einiges angesammelt», wie Scotti sagt. «Der Zwiespalt besteht darin, dass wir ein Tagesgeschäft sind – und deshalb nur während der Ausstellungen Bücher verkaufen.» Da bleiben grosse Teile der Auflagen liegen. Deshalb habe das Museum nun beschlossen, das Bücherlager zu räumen, und die Bücher für einen Franken pro Exemplar zu verkaufen.

Ein Magnet für Sammler und Bücherliebhaber

Die Büchertürme im Eingangsbereich des Museums sind in der Zwischenzeit bereits geschrumpft, wie Scotti sagt. Vergangene Woche waren sie noch höher: Bereits am Mittwoch nämlich lud das Kunstmuseum Appenzell zur ersten Runde seines Lagerverkaufs ein. Bemerkenswert sei, dass der Lagerverkauf vor allem Sammler und Bücherliebhaber angesprochen habe. «Am Mittwoch kaufte jemand 19 Bücher auf einmal.» Laut Scotti ist das Stöbern in den Büchern für viele auch ein haptisches Erlebnis. «Der Grossteil schaut gar nicht so sehr auf den Inhalt des Buches, sondern vielmehr darauf, wie es gemacht ist, und wie es sich in den Händen anfühlt.»

Bücher kaufen liegt nicht mehr im Trend

Der unverkaufte Restbestand der Bücher kann als ein Zeichen dafür gesehen werden, dass auch die Museen mit dem digitalen Wandel kämpfen. «Früher kaufte jeder 10. Museumsbesucher ein Buch – heute nur noch jeder 40.» Gerade bei zeitgenössischer Kunst sei es schwierig, die Leute zum Kauf eines Buches zu bewegen, sagt Scotti. Zudem glaubt er, dass dieses «Besitzenwollen» eine Generationenfrage sei. Der Musikbranche gehe es gleich: «Heutzutage haben die physischen Tonträger wie CD und Schallplatte an Bedeutung verloren – sämtliche Musik existiert nur noch digital in einer Cloud.»

Auch wenn es Stimmen gebe, die behaupten, analoge Bücher würden nie aussterben: Längerfristig müssen kleinere und mittlere Museen laut Scotti andere Möglichkeiten finden, Ausstellungen zu transportieren. «Das Konzept dazu konnte mir aber bislang noch keiner vorlegen.»

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