Das Kloster fast für mich alleine

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Übernachten Vorab muss ich sagen, dass ich nicht wirklich religiös bin. Und katholisch bin ich auch nicht. Trotzdem war ich gespannt auf meine Nacht im Kloster. Als ich in Appenzell angekommen war, hat mir Schwester Agatha das Kloster und die Gärten gezeigt. Die vielen Korridore wirkten auf mich fast etwas labyrinthartig. Doch ich fand mich schnell zurecht.

An diesem Tag kamen keine anderen Pilger, ich hatte den Gang mit den 15 Pilgerzimmern für mich alleine. Ich durfte mir eines der Zimmer aussuchen. Ich schlief im ehemaligen Zimmer von Schwester Barbara. Ganz alleine war ich nicht: Drei Frauen gastierten gerade im Kloster. Um 18 Uhr gab es Znacht. Immer nach dem Abendessen geht man zum Abendgebet. Wir haben die Gebete abwechselnd in kleinen Gruppen vorgelesen. Am Anfang war ich ein wenig überfordert. Ich bin aber schnell in den Rhythmus reingekommen und wusste meistens, wann mein Einsatz war.

Als wir mit den Gebeten aus dem Buch fertig waren, dachte ich, dass das ganze Beten fertig sei. Da habe ich mich aber getäuscht. Erst dann kam das individuelle Stillegebet. Dies dauerte nochmals eine ganze Weile. Ich mag mich nicht erinnern, jemals so lange gebetet zu haben. Nach dem Stillegebet gehen alle in ihre Zimmer. Ich habe mich noch etwas mit Schwester Agatha unterhalten. Und ich hatte Glück: Am Donnerstagmorgen beginnt das Morgengebet jeweils erst um 6.30 Uhr.

Eine ruhige Nacht

Vor dem Schlafen nahm ich eine warme Dusche. Die Schlafzimmer der Gäste und von Schwester Agatha sind in einem anderen Korridor. Ich hatte es sehr ruhig und bin gut eingeschlafen. Um 6 Uhr früh klingelte mein Wecker und ich machte mich bereit fürs Morgengebet. Der Ablauf war gleich wie beim Abendgebet, nur dass das Stillegebet weggelassen wurde. Eine Dreiviertelstunde später gingen wir in die Kirche St. Mauritius und nahmen am Gottesdienst teil. Kurz nach 8 Uhr gab es dann das gemeinsame Frühstück. Nach dem Zmorge gingen die Gäste wieder und trafen sich um 11.45 zum Mittagsgebet. Da war ich aber nicht mehr dabei, ich musste weiter.

Religiöser bin ich trotz der Nacht im Kloster nicht geworden. Eindrücklich war die Erfahrung aber allemal.

Sara Leu

sara.leu@appenzellerzeitung.ch