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Das «Klein-Portugal» in Ausserrhoden – Weshalb Bühler zu einer beliebten Wohngemeinde für Portugiesen wurde

Bühler weist den höchsten Ausländeranteil aller Ausserrhoder Gemeinden auf. Die grösste Gruppe an Migranten kommt aus Portugal, was viel mit einem Mann zu tun hat.
Martin Schneider
Bühler hat einen Ausländeranteil von 25 Prozent. (Bild: Martin Schneider)

Bühler hat einen Ausländeranteil von 25 Prozent. (Bild: Martin Schneider)

«Chinatown», «Little Italy» oder «Koreatown»: In Städten im Ausland ist es nicht unüblich, dass Quartiere in Anlehnung an dort lebende Migrantinnen und Migranten benennt werden. Würde die Gemeinde Bühler der gleichen Logik folgen, wäre es nicht abwegig, von einem «Klein-Portugal» zu sprechen. Rund 20 Prozent der Ausländerinnen und Ausländer, die in Bühler wohnhaft sind, besitzen die portugiesische Staatsbürgerschaft. Sie bilden damit in Bühler die zahlenmässig grösste Gruppe an Migranten. Überhaupt ist die Mittelländer Gemeinde bei Einwanderern ein beliebter Ort, um sich niederzulassen. Mit 25 Prozent Ausländeranteil steht Bühler an der Spitze im Kanton.

Wenig überraschend fanden zahlreiche Personen aus den Nachbarländern Italien und Deutschland eine neue Heimat in Bühler. Mit je 58 Personen belegen die beiden Nationen Platz zwei gemäss den 2017 erschienenen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS). Auf Platz drei folgen Personen mit einem serbischen Pass, 46 sind es an der Zahl. Dass Portugal deutlicher Spitzenreiter ist, hat viel mit einem Mann zu tun: Mateus Faustino.

Mateus Faustino. (Bild: MAS)

Mateus Faustino. (Bild: MAS)

Wie viele seiner Landsleute kam der heute 38-Jährige auf der Suche nach einer Arbeitsstelle in die Schweiz. Das war vor 20 Jahren. Heute führt der zweifache Familienvater ein eigenes Gipsergeschäft mit über 30 Angestellten. Zuerst war die MS Faustino Gips GmbH in seiner aktuellen Wohngemeinde Bühler beheimatet, mittlerweile in Teufen. Faustinos erste Station in der Schweiz war in der Stadt St. Gallen, wo sein Bruder bereits lebte und arbeitete. Dort bewohnte Mateus Faustino ein 26 Quadratmeter kleines Studio. «Es war nicht mein Ziel, eine eigene Wohnung zu kaufen», sagt Faustino heute. Auf der Suche nach einer neuen Wohnung stiess der gelernte Landwirt dann aber auf günstigen Wohnraum in der Gemeinde Bühler. Das Geld reichte für eine kleine 2 1/2-Zimmer-Wohnung mit 62 Quadratmetern. «Vor 12 Jahren habe ich also meine erste eigene Wohnung gekauft.» Viele seiner Angestellten sollten bei der Wahl des Wohnortes ihrem Chef folgen.

Die Wirtschaftskrise 
traf Portugal schwer

«Nachdem ich das Gipsergeschäft vor acht Jahren gegründet habe, ist die Zahl der Portugiesen im Bühler angestiegen», sagt Faustino. Der Chef des KMU setzt vor allem auf seine Landsleute als Arbeitnehmer, rund 25 Leute aus Portugal fanden seit der Firmengründung vor acht Jahren eine Anstellung in der Gipserfirma. 15 Personen aus Portugal arbeiten aktuell im Geschäft. Die Rekrutierung seiner Angestellten erfolge vor allem über das Netzwerk seiner Mitarbeitenden. «Oftmals sprechen mich meine Angestellten an, dass sie in Portugal jemanden kennen, der noch auf der Suche nach Arbeit ist. Gerne gebe ich diesen Leuten eine Chance», erklärt Faustino.

Die Industrie macht den Unterschied

Während Bühler prozentual den höchsten Ausländeranteil aller Ausserrhoder Gemeinden hat, ist Schönengrund am anderen Ende der Skala. Dieser Unterschied könnte mit der Industrie zusammenhängen. 2017 betrug der Ausländeranteil in Schönengrund 5,4 Prozent. «Die Ausländer in Schönengrund lassen sich grob in zwei Gruppen unterscheiden», sagt Gemeindepräsident Thorsten Friedel. «Zum einen lassen sich Leute aus den Nachbarländern bei uns nieder. Die andere, zahlenmässig weit kleinere Gruppe, sind ehemalige Flüchtlinge, zum Beispiel aus dem Nahen Osten.»

Dass der Ausländeranteil tief ist, könnte gemäss Friedel an der fehlenden Industrie liegen, welche vielfach Arbeitsplätze für niedrig qualifizierte Personen anzubieten habe und auf solche auch angewiesen sei. «Für diese Personen hat Schönengrund keine Magnetwirkung.» Im Vergleich: «Bühler hat grössere Industrie- und Gewerbebetriebe und bietet somit Arbeitsplätze für viele Personen mit unterschiedlichen Fähigkeiten», sagt Gemeindepräsident Jürg Engler. Weiter seien Gemeinden, die auch günstigen Wohnraum anbieten, attraktiv für Einwanderer. (mas)

Es könne aber auch sein, dass er die Mitarbeitenden frage, ob sie eine geeignete Person kennen, die im Gipsergeschäft angestellt werden könnte. Mühe, jemanden zu finden, bekundet Faustino kaum. Portugal litt jahrelang unter einer starken Rezession, die Arbeitslosigkeit lag zeitweise bei über 15 Prozent. «Von 2011 bis 2013 sind besonders viele Leute aus Portugal auf der Suche nach Arbeit in die Schweiz gekommen. Dabei sind viele wiederum auf mich und meine Firma gestossen», so Faustino. Diejenigen, die eine Stelle im Gipsergeschäft erhielten, entschieden sich wiederum oftmals für Bühler als Wohnort. «90 Prozent der Leute, die ich angestellt habe, sind im Bühler wohnhaft», sagt Faustino. Viele hätten sich mit Frau und Kindern in der Mittelländer Gemeinde niedergelassen.

Ferien in der Heimat

Dass viele Arbeiter dem Beispiel ihres Chefs folgten, hat gemäss Faustino auch damit zu tun, dass er seinen Mitarbeitenden erlaubte, am Feierabend mit dem Firmenauto nach Hause zu fahren, sofern sie im Bühler wohnten. Mateus Faustino nennt weitere Faktoren, welche die Gemeinde attraktiv mache. «Für Familien ist Bühler der ideale Ort. Es ist ein kleines Dorf, das einem aber alles bietet, was man benötigt. Es gibt eine Schule im Dorf sowie einen Denner und der Zug fährt alle 30 Minuten.» Auch die Verfügbarkeit von günstigen Wohnungen sei bei der Entscheidungsfindung wichtig. Denn in der näheren Umgebung zum Geschäft, etwa Gais, Teufen oder St. Gallen, sei Wohnraum oftmals viel teurer.

In diesen Tagen werden viele der Portugiesinnen und Portugieser Bühler wieder verlassen, zumindest vorübergehend. Mateus Faustino ist bereits am Freitag Richtung Portugal abgereist, um Familie und Freunde zu besuchen. Viele seiner Mitarbeitenden würden es ihm diese Woche gleichtun oder seien bereits vorletzte Woche abgereist, so Faustino.

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