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Das Kabarett ist tot

Dafür macht Comedy unheimlich viel Spass und gute Laune. Schliesslich hat jede Gesellschaft die Clowns, die sie verdient.
Hans Fässler

Die Powerfrau und Feministin galt einst als Literaturhoffnung der Schweiz. Heute schreibt sie ohne zu erröten in einer Sonntagszeitung einen als Reportage getarnten Werbetext für die Luxushotels auf dem Mont Pélérin hoch über dem Lac Léman. Dort legte 1947 Friedrich August von Hayek den ideologischen Grundstein für das mörderische neoliberale System, das uns heute umtreibt.

Davon weiss die Autorin natürlich nichts, dafür umso mehr von Kraftorten (22 000 Bovis-Einheiten!) und gutem Essen (thailändisch inspirierter Quinoa-Salat!).

Der Akrobat und Tänzer galt einmal als Markenzeichen für wildes Strassentheater, «Der mit der Stimme tanzt» war der Liebling des alternativen St. Galler Kulturlebens. Heute feiern sie einträchtig mit dem bürgerlichen St.

Gallen die FDP-Ständeratspräsidentin und UBS-PUK-Verhinderin Erika Forster, in Tateinheit mit dem Stadtpräsidenten, der Bundeshaus-Fraktionspräsidentin, dem Mostbröckli-Carpaccio und dem gebratenen Kalbshohrücken. Was früher ehernes Gesetz für die «Szene» und insbesondere für Kabarett und Kleinkunst war, nämlich dass man zum Klassenfeind Distanz hält, gilt offenbar längst nicht mehr.

Der Geist stand links

Das Kabarett (mit K!) hat eine stolze Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückgeht. Kabarett bedeutete Leiden an der Zeit, Reibung an den herrschenden Verhältnissen. Kabarett war Literatur und Bühne gewordener Widerstand gegen Bonzen, Generäle und Pfaffen, war Kritik an der Macht, war Solidarität mit den Verdammten dieser Erde, den Ohnmächtigen und den Aufmüpfigen. Und es war kritische Solidarität mit linken Parteien und Gewerkschaften. Als es im 20.

Jahrhundert gegen das deutsche Kaiserreich und die Habsburgermonarchie ging, gegen den aufkommenden Nationalsozialismus, gegen die Lebenslüge und den Mief in den 50er- und gegen Krieg, Kapitalismus & Imperialismus in den 60er-Jahren, stand der Geist links. Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Klaus und Erika Mann, Erich Mühsam, Georg Kreisler, Egon Friedell, Lenny Bruce, Wolfgang Neuss, Dieter Hildebrand, Ursula Noack und Franz Hohler hätten wohl alle mit Marx gesagt, dass es nicht darum gehe, die Welt neu zu interpretieren, sondern sie zu verändern.

Teil des Problems

Die Comedy des 21. Jahrhunderts will die Welt weder interpretieren noch verändern. Sie will sie möglichst effizient zu Spass und guter Laune verwursten, sie will unterhalten, sie will Pointen und Lacher im 5-Sekunden-Takt. Ihre Vertreter sind nicht mehr Künstler am Rande der Gesellschaft oder in Opposition zu ihr, sondern Kleinunternehmer mit Gewerbler-Mentalität, gemanagt von Künstleragenturen mit KMU-Bewusstsein.

Sie träumen nicht mehr vom Kommunismus, sondern vom Kolumnismus, also der Teilzeitbeschäftigung, in irgendeinem Presse-Erzeugnis («Hochparterre», «Coop-Zeitung», «Sonntagszeitung») regelmässig Gedanken mit dem durchschnittlichen intellektuellen Tiefgang einer Luftmatratze unter die gutgelaunten Leserinnen und Leser zu bringen.

Die perfekt geschmierte Unterhaltungsmaschinerie aus Sponsorengeldern, staatlicher sowie privater Kulturförderung, welche das Land flächendeckend mit Festivals, Open Airs, Gross-Zelten, Radio- und TV-Sendern, Gratiszeitungen und kleinen und mittleren Bühnen überzieht und dem Ideal von «7 x 24 x 365-Rund-um-die-Uhr-Spass-und-gute-Laune» immer näher kommt, ist für sie nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.

Der Lösung für die Frage, wie man möglichst schnell von der Comedy leben und allenfalls sogar eine Familie ernähren kann. Dazu im Folgenden sieben schöne Beispiele.

Bilder: Vinzenz Wyser (Thiel); Herbert Zimmermann (Rocchi); Thomas Buchwalder (Zuccolini); Pressebilder.

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