«Das ist eine Fehlentwicklung»

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Region Eine Analyse zeigt, welche Gemeinden in der Region beim nächsten grossen Fahrplanwechsel zu den Gewinnern und welche zu den Verlierern gehören. Manche sind sowohl als auch. Obwohl sich über 12 000 Personen mittels Unterschrift bei einer Petition erfolglos gegen den geplanten Abbau im öffentlichen Verkehr der Region gewehrt haben, gibt es beim nächsten grossen Fahrplanwechsel nicht nur Verlierer. Mehrere Gemeinden trifft es aber:

Verlierer unter den Gemeinden

• Braunau: Die Hinterthurgauer Gemeinde vor den Toren Wils ist am stärksten betroffen: Eine ­ganze Stunde braucht es ab Ende des kommenden Jahres, um mit Bus und Zug nach St. Gallen zu gelangen. Das sind 18 Minuten mehr als im aktuellen Fahrplan und wird unumgänglich, weil die Taktlage der S-Bahn von Wil nach St. Gallen wegen zusätzlicher ­Güterzüge um eine Viertelstunde gedreht werden muss.

Eine Variante ohne Verschlechterung wäre nur möglich gewesen, wenn der Bus im Viertelstundentakt fahren würde, was zu teuer ist. So muss am Bahnhof Wil künftig 22 Minuten auf den Anschlusszug nach St. Gallen gewartet werden. In genau dieser Zeitspanne fährt man mit dem Auto von Braunau in die Kantonshauptstadt. «Das ist eine Fehlentwicklung. Leute, welche bisher für die Reise nach St. Gallen den öffentlichen Verkehr benutzt haben, werden auf das Auto umsteigen. Es wird eine Verlagerung zurück auf die Strasse geben», sagt Braunaus Gemeindepräsident David Zimmermann. Er fügt aber auch an, dass seine Gemeinde «gut motorisiert» sei und deshalb im Dezember 2018 keine Welt zusammenbreche.

• Dietschwil/Gähwil: Wer von Dietschwil in die Kantonshauptstadt will, braucht ab Ende 2018 dafür 69 Minuten – eine Viertelstunde mehr als heute. Auch die Fahrt nach Wil verlängert sich um fünf Minuten. Ebenfalls mehr Zeit benötigt, wer «öffentlich» von Gähwil nach Wattwil möchte. Diese Reise dauert ab Ende 2018 satte 54 Minten, also 12 Minuten mehr als heute. Keine Verschlechterung gibt es für das Dorf Kirchberg, da die Linie Wil–Kirchberg zu einem Viertelstundentakt verdichtet wird. Dass dieser Viertelstundentakt nicht bis zur End­station in Gähwil verlängert wird, hängt mit den Kundenströmen zusammen. 900 Personen fahren im Durchschnitt pro Tag bis Kirchberg, nur noch 200 weiter nach Gähwil.

• Littenheid: Wer von der Klinik Littenheid nach St. Gallen will, braucht ab Ende 2018 ganze 49 Minuten. Das sind neun Minuten mehr als bisher.

• Wuppenau: Die Reisezeit nach St. Gallen verlängert sich um 8 auf 56 Minuten.

Zwei Gemeinden gehören zu den Gewinnern

• Degersheim: Die Fahrt via Flawil nach Wil verkürzt sich um 9 Minuten. Von Wolfertswil aus ­beträgt die Zeitersparnis in die Äbtestadt 7 Minuten.

• Niederwil: Die Reisedauer in die Kantonshauptstadt St. Gallen reduziert sich um 9 auf noch 23 Minuten.

Es gibt Gewinner und Verlierer

• Wil: Da in der Äbtestadt von Montag bis Freitag tagsüber der Viertelstundentakt eingeführt wird, können die Umstellungen abgefedert werden. Eine Aus­nahme bildet die Haltestelle ­Spital. Die Fahrt vom Spital nach Zürich dauert neu 70 Minuten. Dies ist ein Plus von 15 Minuten.

• Uzwil: Der Ortsbus wird aufgehoben. Dadurch verschlechtern sich die Verbindungen ab Nieder­uzwil, Gaswerk. Um nach Zürich zu gelangen, braucht es fast eine Viertelstunde mehr als heute. Zu den Profiteuren zählen Arbeitspendler von und nach Nieder­uzwil, gemeindeinterne Reisende und Fahrgäste zu den Arbeitsplatzgebieten in Flawil.

• Flawil, gemessen ab der Haltestelle Maestrani: Nach St. Gallen braucht es noch 27 Minuten, also 8 weniger als bisher. Dafür verlängert sich die Reisezeit nach Wil und Zürich um fünf Minuten.

• Zuzwil: Nach Zürich braucht’s sechs Minuten mehr – von Zuzwil und Züberwangen aus. Dies, weil die Schnellzüge leicht langsamer trassiert sind und beim Bus Reservezeiten zur Sicherstellung der Anschlüsse eingebaut werden. Ab dem Dorf Zuzwil gibt es neu einen Viertelstunden-Takt.

• Niederhelfenschwil: Es profitieren die Dörfer Lenggenwil und Zuckenriet von besseren Reisezeiten von sowie nach St. Gallen und Uzwil. Im Dorf Niederhelfenschwil fällt die zweite stündliche Verbindung nach St. Gallen ausserhalb der Hauptverkehrszeit weg. Nach Zürich verlängert sich die Reisezeit um einige Minuten. (sdu)