Das Irrationale und die Unterhose

Mir gehen die 211 Unterhosen nicht aus dem Kopf, mit denen allen sich ein Brite unlängst bekleidet und damit jenen Weltrekord gebrochen hat, der bisher bei 200 angezogenen Unterhosen zu Buche stand.

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Mir gehen die 211 Unterhosen nicht aus dem Kopf, mit denen allen sich ein Brite unlängst bekleidet und damit jenen Weltrekord gebrochen hat, der bisher bei 200 angezogenen Unterhosen zu Buche stand. Sie haben es doch auch gelesen, oder? Es stand vor einiger Zeit unter der Rubrik «Wie bitte?» in dieser Zeitung. Dass es ein Brite war, verwundert wenig, stehen doch die Bewohnerinnen und Bewohner der einstigen Kolonialmacht im Rufe besonderer Verschrobenheit.

Das allein kann aber noch keine ausreichende Antwort auf die Frage sein, was denn einen 51-Jährigen dazu bringt, seinen Unterleib in dermassen viel Textiles zu stecken, so dass er am Ende vermutlich ausgesehen hat wie das berühmte Michelin-Männchen. Da müssen Gründe dahinter sein, nach denen wir auf rationaler Ebene wohl vergeblich suchen.

Sie lassen andererseits auf dem Fuss die Ahnung folgen, das Beispiel könnte Schule machen, auf andere Bereiche überschwappen und somit weitere Meldungen skurrilen Inhalts aus Grossbritannien generieren. Wann kommt ein 23jähriger Bewohner von Manchester auf die Idee, einen Rekord im Eierdaueraufschlagen aufzustellen? Wie lange müssen wir noch warten, bis eine 48jährige Dame aus Middlesbrough das Vordringen in die Weltpresse anstrebt, weil sie nachweislich am längsten auf

einem Bein stehend zu bügeln vermag? Und ist wohl der 36jährige Landwirt aus der Grafschaft Leicestershire schon daran, die bisherige Höchstleistung im Permanentmisten zu übertreffen? Ich selber hätte auch noch eine vermeldenswerte Besonderheit auf Lager. Zum 395. Mal habe ich mich dabei ertappt, mich ob solcher Absurditäten amüsiert zu haben.

Martin Hüsler