«Das Internet vergisst nie»

Die digitalen Spuren, die Internetnutzer hinterlassen, stehen beim Hema-Lehrlingstag im Zentrum. Informationen, die online veröffentlicht werden, sind nicht mehr zu löschen – und können noch Jahre später unangenehme Folgen nach sich ziehen.

Johannes Wey
Merken
Drucken
Teilen
Spuren im Web 2.0 – Thema bei der Diskussion mit Andreas Föllmi von der IG für mehr Sicherheit im Internet, Jugendkontaktpolizist Roger Lengwiler, Moderator Philipp Kröger, Swisscom-Jugendmedienschutz-Beauftragter Michael In Albon und BBZ-Rektor Hanspeter Schläpfer (v.l.). (Bild: jw)

Spuren im Web 2.0 – Thema bei der Diskussion mit Andreas Föllmi von der IG für mehr Sicherheit im Internet, Jugendkontaktpolizist Roger Lengwiler, Moderator Philipp Kröger, Swisscom-Jugendmedienschutz-Beauftragter Michael In Albon und BBZ-Rektor Hanspeter Schläpfer (v.l.). (Bild: jw)

HERISAU. «Das Internet vergisst nie» – so lautet die wichtigste Botschaft, die den Teilnehmenden des gestrigen Lehrlingstages an der Hema mitgegeben wurde. Denn was einmal online ist, kann kaum mehr gelöscht werden. Dass Daten im Internet Bestand haben, wurde auch bei der abschliessenden Podiumsdiskussion deutlich: Toxic.fm-Moderator Philipp Kröger diskutierte mit BBZ-Rektor Hanspeter Schläpfer, Roger Lengwiler, Interimschef der Ausserrhoder Jugendkontaktpolizei, Andreas Föllmi von der IG für mehr Sicherheit im Internet und Andreas In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter der Swisscom über das Thema «Meine Spuren im Web 2.0 – Chancen und Gefahren im Internet».

Kollektives Gedächtnis

Am Ende eines langen Morgens gelang es ihnen allerdings kaum mehr, die Aufmerksamkeit der Lernenden zu wecken: Der Geräuschpegel im Hema-Zelt war hoch, die Diskussionsrunde ging stellenweise im Stimmengewirr unter. Andreas In Albon betonte, dass der Grossteil der Daten, die Privatpersonen im Internet von sich preisgeben, unproblematisch sei. «Aber ein kleiner Teil davon kann mit der Zeit, vielleicht erst nach Jahren, plötzlich problematisch werden.» Andreas Föllmi sekundierte: Ferienfotos auf Facebook beispielsweise seien im Prinzip unbedenklich – aber nur so lange sie niemand weiterverwendet und etwa manipuliert oder in einen anderen Kontext einbettet. Daraufhin bezeichnete er das Internet als «kollektives Gedächtnis der Menschheit» und forderte, dass sich Internetnutzer dieser Tatsache bewusst sind. Insbesondere Kinder und Jugendliche brauchten deshalb Unterstützung, um zu lernen, welche Informationen sie mit der digitalen Öffentlichkeit teilen und welche sie lieber für sich behalten wollen. Denn auch Jahre nach ihrer Veröffentlichung können preisgegebene Informationen noch ein Hindernis bei der Lehrstellensuche sein – diese Abwägung fällt in jungen Jahren schwer.

Hemmschwelle online tiefer

Wer viele persönliche Informationen mit der Netzgemeinschaft teilt, bietet auch viel Angriffsfläche für Psychoterror im Internet, sogenanntes Cyber-Mobbing. Die Gesprächsgäste waren sich einig, dass die Hemmschwelle für solche Angriffe gegen die Persönlichkeit im Internet tiefer liege: «Im Netz ist nach einer Beleidigung keine unmittelbare Reaktion zu spüren», lieferte etwa BBZ-Rektor Hanspeter Schläpfer einen Erklärungsansatz. Jugendkontaktpolizist Roger Lengwiler pflichtete dem bei: «Das Niveau nimmt in einer solchen Situation extrem schnell ab.» Lengwiler gab an, selbst schon schlechte Erfahrungen mit Angriffen im Internet gemacht zu haben. «Deshalb halte ich mich bezüglich meines Privatlebens und meiner Familie aus dem Schussfeld.»

Kein Entkommen vor Mobbing

Im Unterschied zu Mobbing-Attacken im realen Leben, etwa auf dem Pausenhof, gebe es vor Cyber-Mobbing keine «Auszeit» – zeitliche und räumliche Grenzen gibt es hier nicht, erklärte Andreas Föllmi von der IG mehr Sicherheit im Internet. Seine Accounts in den sozialen Medien zu löschen, sei ebenfalls keine Alternative: Erstens sei es illusorisch, dass Jugendliche auf diese Medien verzichten würden, zweitens wolle ein Betroffener wissen, was über ihn geschrieben wird.

Medienkompetenz als Schutz

Dann lenkte Moderator Philipp Kröger das Gespräch auf die Frage, wie Kinder und Jugendliche davor geschützt werden können, im Internet zu viel von sich preiszugeben, gemobbt zu werden oder mit pornographischen Inhalten in Berührung zu kommen. Rektor Hanspeter Schläpfer und Michael In Albon von Swisscom waren sich darüber einig, dass spezielle Filter-Software zwar einen Beitrag leisten, aber nicht alle Probleme vermeiden kann. «Hier landen wir einmal mehr beim Stichwort Medienkompetenz», so In Albon. Es sei die Aufgabe der Eltern, der Schulen und der Lehrbetriebe, jungen Menschen den richtigen Umgang mit Internet und sozialen Medien zu lehren. Nicht etwa in technischen Fragen, denn hier seien die Jungen den Älteren meist einen Schritt voraus. Aber in Bezug auf die Privatsphäre hätten Jugendliche Anleitungen nötig.