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Das Innerrhoder Halbamt fordert seine Opfer

Kommentar

Im Schatten der Diskussionen ums «Ambulante Versorgungszentrum Plus» wiederholt sich in Innerrhoden ein Schauspiel, dessen nächster Akt auf sich warten lässt: Keiner der Topfavoriten will in die Regierung gewählt werden. Diese Woche haben Reto Inauen, Jakob Signer, Daniel Brülisauer und Bruno Huber ihre Nicht-Kandidatur bestätigt. Es droht die Wiederholung dessen, was bereits vor sieben Jahren der Fall war: Am Schluss muss man geradezu froh sein, überhaupt eine Kandidatin oder einen Kandidaten für das frei werdende Säckelmeisteramt zu haben. Im Moment könnte dies mit Ruedi Eberle der Ex-Bezirkshauptmann von Gonten sein — sicher ein valabler Kandidat, aber eben nicht die Nummer 1.

Die sich zurückziehende Garde spricht von beruflichen Projekten, welche sich nicht mit dem Regierungsamt vereinbaren liessen. Im Klartext: Das Halbamt fordert seine Opfer. Leute in guten beruflichen Positionen können nicht einfach 50 Prozent ihrer Berufszeit freischaufeln und gleichzeitig weiterhin dieselbe Kaderposition einnehmen. Wer in die Innerrhoder Regierung will, muss bereit sein, im angestammten Beruf kürzerzutreten und damit wohl auch seine bisherige Position abzugeben. Das macht man vielleicht acht Jahre vor der Pension, aber kaum mit 40 oder 50 Jahren. Das Risiko ist zu gross, nach einer mehrjährigen Regierungszeit in der Privatwirtschaft nicht mehr Fuss fassen zu können.

Vor sieben Jahren hat der damals abgetretene Säckelmeister Sepp Moser gesagt: «Für kleine Kantone wie Innerrhoden werde es eine grosse Herausforderung sein, mit einem schlanken Verwaltungsapparat und Standeskommissionsmitgliedern im Halbamt die gleichen Aufgaben zu bewältigen wie die grossen Kantone.» Weil man letzten Endes die entstandenen Lücken aber doch immer wieder füllen konnte, eilte es im 2011 niemandem in der Politik, am Regierungssystem zu schrauben. Was auch acht Jahre später in der Frage mündet: Hätte es ein Kanton nicht verdient, von den besten Leuten geführt zu werden? Oder setzt man nach dem Zufallsprinzip lieber auf jene, die in einer gewissen Phase ihres Lebens beruflich und privat gerade die Möglichkeit haben, es sich entsprechend einzurichten?

Möglichkeiten für andere Regierungsformen gäbe es durchaus: Einerseits ist als Variante eine Aufstockung der Stellenprozente zu nennen, andererseits wäre über eine Verkleinerung der Standeskommission von sieben auf fünf Mitglieder nachzudenken. Diese könnten dann im Vollamt tätig sein. Ausserrhoden setzte mit einer Staatsleitungsreform im 2014 die Grundlage dafür.

An den Regierungsämtern in Innerrhoden zu schrauben, ist ein heisses Eisen. Schliesslich ist man nicht bestrebt, Leute zu mächtig werden zu lassen. Umgekehrt nimmt die Komplexität der Aufgaben in Regierungsämtern zu und stellt hohe fachliche Anforderungen an eine Person. Das würde für ein Umdenken in Richtung Vollamt sprechen. Auch verringerte sich dadurch die Gefahr von Interessenskonflikten: Der Amtsinhaber oder die Amtsinhaberin ist nur einem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet. Eine allfällige Vermischung von Amt und Beruf führte letztes Jahr zu Diskussionen, als Immobilienökonom Fefi Sutter für das Bauherrenamt kandidierte. Und nicht zu vergessen: Der potenzielle Kandidatenkreis könnte sich bei einem Vollamt erhöhen. Bei einem Halbamt bleibt es die Krux, sich mit dem bisherigen Arbeitgeber dahingehend zu einigen, dass der Job die erforderliche Verfügbarkeit und Beweglichkeit für eine Regierungstätigkeit zulässt. Resultat: Das Kandidatenfeld wird dünn.

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