Das Herisauer Bahnhofprojekt kurz und bündig erklärt

Die Abstimmung über den Teilzonenplan ist der erste von drei wichtigen Urnengängen.

Karin Erni
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Eine Visualisierung des neuen Bahnhof s in Herisau. (Bild: PD)

Eine Visualisierung des neuen Bahnhof s in Herisau. (Bild: PD)

Am 20. Oktober befinden die Herisauerinnen und Herisauer über den Teilzonenplan Bahnhof. Gegen diesen ist das Referendum ergriffen worden. Der zuständige Gemeinderat Max Eugster nimmt Stellung zu den wichtigsten Fragen.

Warum soll im Herisauer Bahnhofsareal künftig höher gebaut werden dürfen als ­bisher?

Das Raumplanungsgesetz verlangt, dass vorhandene Bauflächen besser ausgenützt werden. Das kann man nur erreichen, indem höher oder dichter gebaut wird. Das östliche Bahnhofareal eignet sich besonders gut für höhere Bauten, weil wegen des Höhenunterschieds zum Ebnet und der angrenzenden Industrie- und Gewerbezonen zum Tal hin niemandem die Aussicht genommen wird. Die Bauten an der Bahnhofstrasse weisen mit vier Geschossen bereits jetzt eine ähnliche Geschossigkeit auf.

Wer baut was und wann?

Das entscheiden die Grundeigentümer, die Südostbahn und die Appenzeller Bahnen. Das Gebäude an der Bahnhofstrasse könnte sinnvollerweise im zeitlichen Rahmen der Infrastrukturarbeiten von Bahn und Strasse erstellt werden. Der östliche Teil des Bahnhofareals wird realistischerweise frühestens in zehn Jahren zur Überbauung bereit sein. Diese kann dort nach Bedarf erfolgen.

Was bringt die Überbauung der Gemeinde?

Es entsteht neuer Wohn- und Arbeitsraum. Dadurch erhält die Gemeinde zusätzliche Steuereinnahmen. Die Bauarbeiten generieren Aufträge für das Gewerbe und damit Arbeitsplätze. Nicht zuletzt bringt die geplante Nutzung durch Wohnen und Arbeiten neues Leben in das Gebiet.

Können das Bahnhofprojekt und der neue Kreisel bei einem Nein zum Teilzonenplan trotzdem realisiert werden?

Im Prinzip ja. Aber es wäre ein schlechtes Signal für die Kreisel-Abstimmung im Frühling. Wenn die Herisauer Bevölkerung grundsätzlich Nein sagt zu einer Entwicklung am Bahnhof, ist es schwierig der Kantonsbevölkerung zu erklären, dass sie viel Geld für eine neue Strassenführung am Bahnhof bewilligen soll. Für die Gemeinde würde die Finanzierung des Bahnhofprojekts mit Bushof sehr viel schwieriger, weil keine zusätzlichen Steuereinnahmen durch neue Wohn- und Gewerbebauten generiert werden können.

Was passiert mit der Kreuzung Bahnhofstrasse, sollte der geplante Kreisel im kommenden Frühjahr abgelehnt werden?

Falls der Kredit vom Stimmvolk abgelehnt wird, so wird der Kanton wohl umgehend die marode Strasseninfrastruktur am Bahnhof erneuern. Ein Neubau einer Brücke für die Bahnhofstrasse ist unumgänglich. Der Tunnel Mühlestrasse, die Stützmauern und die Überführung der Gossauerstrasse sowie alle Strassenzüge sind ebenfalls umfassend zu ertüchtigen. Es ist absehbar, dass auch bei dieser Variante eine mehrjährige Baustelle mit vielen Einschränkungen entstehen wird. Da die neue Brücke für die Bahnhofstrasse eine Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren hat, wäre die nachteilige Verkehrsführung am Bahnhof Herisau für mehrere Generationen «zementiert». Und das kostet gemäss Angaben des Kantons mindestens halb so viel wie die neue Kreisellösung.

Warum muss der Bahnhofskreisel eigentlich «umziehen»?

Zwar liesse sich theoretisch am jetzigen Standort ein grösserer Kreisel hineinquetschen, aber die Mühlestrasse kann nicht mehr verkehrstauglich angebunden werden. Für das Trottoir und damit für die Fussgänger gäbe es dann überhaupt keinen Platz mehr. Das ist keine zeitgemässe und ausgewogene Verkehrsplanung. Auch für den geplanten behindertengerechten Bushof würde es eng. Es macht überhaupt keinen Sinn, die beste Fläche vor dem Bahnhof dem Autoverkehr zu opfern. Auf der Kreiselfläche dürfen sich Fussgängerinnen und Fussgänger ja nicht aufhalten. Weil diese Lösung keine verkehrliche Verbesserung bringt, zahlt der Bund wohl nichts an die Kosten.

Bringt der neue Kreisel nicht Mehrverkehr oder Umlagerungen?

Die Verkehrsführung ändert nicht. Einziger Unterschied: Wer von der Mühlestrasse kommt und ins Dorfzentrum will, muss künftig keinen zusätzlichen Umweg um den Minikreisel herum mehr fahren. Falls das neu entstehende Quartier beim Bahnhof dereinst zum Leben kommt, könnte von dieser Seite wieder zusätzlicher Verkehr entstehen.