Das grosse Spiel der Wirtschaft

Während der Wirtschaftswoche leiten Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Trogen fiktive Unternehmungen. Ein Computersimulationsmodell berechnet den Erfolg ihrer gewählten Strategien, da kann es auch zu Kündigungen kommen.

Timo Züst
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HERISAU. Die fiktiven Unternehmen sind zehn Jahre alt und produzieren entweder Uhren oder Kopfhörer. Diesen Montag wurden sie im Rahmen der Wirtschaftswoche auf dem Gelände der Huber+Suhner AG von Schülerinnen und Schülern der Kantonsschule Trogen (KST) übernommen. Die 42 Teilnehmenden wurden in sechs Gruppen aufgeteilt, welche die Geschäftsleitung eines der virtuellen Unternehmen stellen. Während dieser Woche soll den Schülern ein realitätsnaher Einblick in die Privatwirtschaft geboten werden, sagt Ruedi Aerni vom Industrieverein Appenzell Ausserrhoden. Seit 2004 hat er wiederholt an der Wirtschaftswoche teilgenommen. Am vergangenen Dienstag war hauptsächlich der Marketingverantwortliche gefordert: Nach einer Einführung war es Aufgabe der Schüler, bis heute Mittag ihr eigenes Marketingkonzept zu erstellen.

Red Bull oder Coca-Cola?

Jens Weber, Fachlehrer an der KST, gab den aufstrebenden Geschäftsleuten gegen Ende der theoretischen Einführungen letzte Tips mit auf den Weg. Um erfolgreiches Marketing zu betreiben, müsse eine Unternehmung ihren Platz im Markt finden und sich dort etablieren. Anhand des Energydrink-Herstellers Red Bull verdeutlichte er seine Ausführungen: «Red Bull ist im Bereich des Extremsports das geworden, was Coca-Cola gerne gewesen wäre.» Grundlage des zu erstellenden Konzepts bildet der Marketing-Mix. Die Schüler sollen aber keine theoretische Aufstellung, sondern konkrete Strategien präsentieren. Wie soll ihr Produkt aussehen? Wo soll es verkauft werden? Wie teuer soll es sein? Das Resultat dieser kombinierten Faktoren soll ein möglichst einmaliges Produkt sein. Zwei Tage haben die sechs «Unternehmungen» Zeit, ihre Marketingkonzepte zu erarbeiten, deren Präsentationen finden heute nachmittag statt.

Gnadenlose Simulation

Die Grundlage für das «Wirtschaftsspiel» ist das Computersimulationsmodell «Wiwag» von der Ernst-Schmidheiny-Stiftung Dieses simuliert die Geschäftsentwicklung der virtuellen Unternehmen mit Berücksichtigung der gewählten Strategien. Da jeweils drei Betriebe ein ähnliches Produkt herstellen, stehen sie in direkter Konkurrenz zueinander. Auch dies ist Teil der Simulation. Erweist sich eine von den Schülern gewählte Unternehmensstrategie als nicht erfolgreich, kann «Wiwag» Kündigungen fordern. «Darauf muss die Geschäftsleitung dann entsprechend reagieren», sagt Ruedi Aerni. Dieses Jahr können sich die Uhren- und Kopfhörerhersteller erstmals auf einer realen Online-Plattform präsentieren (siehe Kasten).

Betrieb von innen sehen

Auf dem Programm stehen auch Betriebsbesichtigungen in der Huber+Suhner AG, der Metrohm AG und der Loppacher AG. Nicht nur diese, sondern auch das Arbeitsumfeld auf dem Areal von Huber+Suhner vermittle einen bleibenden Eindruck des täglichen Geschäftslebens, sagt Ruedi Aerni.