Das grosse Abend- und Morgenlob

Jodlerklub und Brass Band – wie geht das wohl zusammen? Es geht. In einem partnerschaftlichen Nacheinander konzertierte am Freitagabend der Jodlerklub Wattwil mit der Liberty Brass Band in der evangelischen Kirche Wattwil.

Michael Hug
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WATTWIL. Man war in der Tat sehr gespannt, was da in der evangelischen Kirche am Freitagabend geboten werden sollte. Man kennt den Jodlerklub, aber man kennt auch die Liberty Brass Band LBB, die ihre Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Ostschweiz rekrutiert. Doch bis anhin dürften beide ihr eigenes Publikum gehabt haben. Die Initiative der Brass Band für ihr alljährliches Adventskonzert sowie die Einladung an die örtlichen Jodler hat damit zwei ganz unterschiedliche Musikstile und ihr jeweiliges Publikum zusammengebracht. Sehr zur Freude aller, wie der langanhaltende Applaus nach dem Konzert aufzeigte.

Freut Euch zum Auftakt

Die LBB machte mit dem «Gaudete» (Freut Euch), einem Traditional aus dem 16. Jahrhundert das sich auf den dritten Adventssonntag bezieht, den Auftakt. Es folgten drei Gesänge aus Sergej Rachmaninoffs (1873–1943) «Das grosse Abend- und Morgenlob», vom Komponisten 1915 für Chor und Orchester geschrieben. Nach «Sanctus» aus Franz Schuberts (1797–1828) «Deutsche Messe» folgte der Auftritt des Jodlerklubs. Der fügte sich mit seinen Zäuerli und Jodellieder nahtlos ein in die inzwischen in der Kirche sich breit machende Weihnachtsstimmung. Wie sagte doch die Präsidentin des LBB Vreni Breitenmoser: «Wir wollen eintauchen in den sakralen Raum und diesen mit einem homogenen Klangkörper füllen.» Genauso taten die Musizierenden, die Instrumentalisten ebenso wie die Sänger. Es folgte das «Demelza» des in diesem Jahr verstorbenen englischen Brass-Komponisten und Kornettisten Goff Richards (1945–2011), der dieses Stück unter dem Pseudonym Hugh Nash geschrieben hat. Es-Kornettist Christian Schwager interpretierte es auf berührende Weise. Dann war wieder der Jodlerklub an der Reihe. Dessen Leiter Ruedi Roth überraschte mit zwei uraufgeführten Arrangements von traditionellen und zeitgenössischen Medleys, darunter auch eine eigenwillige und ebenso überraschende Interpretation von Frank Farians (Boney M.) «Mary's Boy Child» aus dem Jahr 1978. Nochmals war dann ein Solo zu geniessen, diesmal war's Janet Villiger, der das englisch-amerikanische Weihnachtslied «Away in a Manger» aus dem Jahr 1885 auf dem Bariton in Szene setzte.

Schluss ohne Jodler

Selbstverständlich erklangen in der gut besetzten Kirche auch die Weihnachtslieder «O du fröhliche» und «Stille Nacht», wobei letzteres den Abschluss bildete. Der Leiter der LBB Andreas Koller forderte dabei das Publikum auf, mitzusingen, doch davon machte dieses nur zaghaft Gebrauch. Vielleicht waren die Klänge der Bläserinnen und Bläser einfach zu schön, um von untrainiertem Gesang durchbrochen zu werden. Vielleicht hätten da die Jodler engagierter eingreifen müssen. Das gleiche Konzert wurde am Wochenende auch noch in Teufen und Abtwil gegeben.