Das Glück der Quarantäne: Ausserrhoder Künstler erheitert mit kleinen Zaubereien Heimbewohner

Not macht erfinderisch – wie flexible Institutionsleiter und der Artist Hannes vo Wald coronabedingte neue Wege gehen.

Charlotte Kehl
Drucken
Teilen
Hannes vo Wald verschenkt Freude trotz physical distance.

Hannes vo Wald verschenkt Freude trotz physical distance.

Bild: Charlotte Kehl

Der Ausserrhoder Hannes vo Wald ist Zauberer, Stelzenriese, Artist, spielt mit Feuer, Ballonen und Zauberstab. Er moderiert und animiert in Schulen, Hochzeiten, Firmen, in Kleintheatern und auf Familienfesten. Hannes Irniger, wie er mit bürgerlichem Namen heisst, ist ein unkonventionelles Multitalent und passt in keine Schublade.

Normalerweise füllt sein Publikum Säle. Er beherrscht spektakuläre pyrotechnische Auftritte genauso wie schrullige Zaubereien und schräge Kasperlitheater, die auch Erwachsene entzücken. Und er kann auch im ganz kleinen Rahmen.

Ein kleines Stück Normalität

Eigentlich waren im Wohnheim Sonnenhalde (GHG) in St.Gallen wie jedes Jahr Ausflüge und ein Sommerfest geplant – die Absagen waren eine herbe Enttäuschung für Betreute und Betreuende. Alle mussten virusbedingt in den letzten Wochen einiges in Kauf nehmen, auf Besuche verzichten.

Institutionsleiter Marco Dörig hat mit Unterstützung eines Sponsors den Bewohnern mit dem Zauber-Komiker vo Wald ein Ersatz-Geschenk gemacht, ein Trostpflästerli für die ausfallenden Aktivitäten. Und es kommt gut an.

Humor mit Abstand

Durch das Virus sind Hannes vo Wald sämtliche Engagements im Zeitraum eines halben Jahres weggebrochen. Er sagt:

«Ein Geschenk, ich bin praktisch in Quarantäne und kann mich all meinen alten und neuen Ideen widmen!»

Finanziell macht er sich so schnell keine Sorgen. Irgendwie wird es wohl weitergehen. Daher freut es ihn sehr, im Wohnheim Sonnenhalde die Bewohner mit seinen clownesken Zaubereien erfreuen zu dürfen - unter Einhaltung der Abstands- und Hygiene-Vorschriften natürlich.
Mit einem bunt glitzernden Zauberer-Hut steigt Hannes aus dem Auto und ordnet seine Utensilien.

«Ich hab einfach alles mitgebracht», erklärt er, «dann kann ich spontan entscheiden, was passt. Ich spiele nicht zum ersten Mal vor Menschen mit Beeinträchtigungen. Es ist sehr spannend herauszufinden, auf was sie reagieren, das Türchen zu ihrer Welt zu finden.» Nur schon die farbenprächtige Aufmachung erntet Bewunderung im Garten bei der Wohngruppe Jupiter.

Ein Loch in der Luft

Hannes vo Wald verzaubert die Menschen und stiehlt sich mit seinen kleinen liebenswürdigen Zaubereien im Nu in die Herzen seiner Zuschauer. Schnell kennt er alle fünf beim Vornamen und das eine oder andere kleine Geheimnis. Und er hat praktische Tipps: «Wisst ihr, wie man Ostereier am besten aufbewahrt? Man kann sie wegzaubern, in ein schwarzes Loch! Dort bleiben sie frisch, bis man sie wieder braucht», erzählt er und schwupps, ist das Ei in der Luft verschwunden:

«Man kann es ganz einfach wieder herzaubern. Aber upps, man darf dabei nicht vergessen, wo das Loch in der Luft ist, in welches man es verschwinden liess!»

Aber Hannes vo Wald findet es wieder, sowie die grünen Bälle, die rot sind und in einer Banane verschwinden, die eigentlich eine Kokosnuss ist. Und natürlich dürfen die Bewohnerinnen und Bewohner beim Zaubern helfen: Zaubersalz streuen, pusten, mit den Fingern schnippen. Die halbe Stunde ist im Nu vorbei.

Zum Schluss gibt’s luftige Geschenke: ein Ballon-Osterhasen-Elefäntli als Ersatz für den weggezauberten Schoggiosterhasen und bunter Blumenschmuck an den Cadillac-Rollstuhl.

Ein wahrer Zauberer

Die Bewohnerinnen und Bewohner reagieren je nach ihren besonderen Fähigkeiten. Die einen machen aktiv mit, die andern eher verhalten. Aber alle Augen ruhen auf Hannes vo Wald.

Fast meinen die Cleveren, die Tricks durchschauen zu können. Aber es sind die kuriosen Geschichten, die überraschenden Wendungen, seine Fähigkeit, trotz physical distance Nähe zu schaffen, was allen Anwesenden ein Lachen ins Gesicht zaubert. Auf geht’s zur nächsten Wohngruppe.