Das Gerede vom Mund und vom Maul

Von Mund zu Mund ging das Gerede. Hans Mundwyler habe ein überaus loses Mundwerk, hörte man überall. Ein richtiges Grossmaul sei er. Und jedes Mal, wenn er den Mund aufmache, nehme er den Mund zu voll.

Martin Hüsler
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Von Mund zu Mund ging das Gerede. Hans Mundwyler habe ein überaus loses Mundwerk, hörte man überall. Ein richtiges Grossmaul sei er. Und jedes Mal, wenn er den Mund aufmache, nehme er den Mund zu voll. Ausserdem schmiere er seinem Gegenüber nicht selten Honig um den Mund und rede ihm einfach nur nach dem Mund. Andererseits lege er jemandem Aussagen in den Mund, die so gar nicht gemacht worden seien. Überhaupt nehme er kaum je ein Blatt vor den Mund. Obendrein habe Mundwyler die üble Eigenschaft, allen das Wort im Mund zu verdrehen. Es gehe ihm, von dem man nun wirklich nicht behaupten könne, er sei aufs Maul gefallen, letztlich nur darum, in aller Leute Mund zu sein. – Man müsste ihm halt einmal übers Maul fahren, ihm das Maul stopfen oder ihm gar eins aufs Maul geben, dann werde er den Mund schon halten, zerrissen sich die Leute das Maul. Dem wurde insofern widersprochen, als es hiess, man könne Mundwyler doch nicht den Mund verbieten, auch wenn er sich den Mund noch so fusselig rede. Es gehe einfach nicht an, jemanden mundtot zu machen. Vielleicht sei er nur deshalb so maulflink, weil sich Mundwyler in schlechten Zeiten alles vom Mund habe absparen müssen und mehr oder weniger von der Hand in den Mund gelebt habe. Umso mehr geniesse er es jetzt, wenn er den Leuten den Mund wässrig machen könne und sie darob vor lauter Staunen manchmal vergässen, den Mund wieder zu schliessen. Von da an wollte sich niemand mehr den Mund an Mundwylers Mundwerk verbrennen.