Das Fest der Verwandlung

Wer nur die Realität, so wie sie ist, so wie sie augenfällig auftritt, anerkennt, ist ein Esel. Die wahre Realität ist sinfonisch, prunkend an Farben, unendlich an Formen. Der Reichtum des Lebens ist nicht zu fassen.

Paul Gisi
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Bild: Paul Gisi

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Wer nur die Realität, so wie sie ist, so wie sie augenfällig auftritt, anerkennt, ist ein Esel. Die wahre Realität ist sinfonisch, prunkend an Farben, unendlich an Formen. Der Reichtum des Lebens ist nicht zu fassen. Unsere Sonne entpuppt sich im Universum als Glühwürmchen, die mikroskopisch kleine Milbe kann in einem Albtraum zu einem gigantischen Monster werden.

Perspektivisch gesehen, kann das Grösste klein und das Kleinste gross werden, es kommt auf den Standpunkt an. Eine Mücke wird zum blutsaugenden Drachen, ein Drache zu einem harmlosen welken Buchenblatt, das zu Boden taumelt. Diese Ambivalenz, dieses Hin und Her der Erscheinungen, die sich verwandeln, machen das Leben interessant - ein Mensch wird zu einem Sternbild, ein Sternbild zu einer tröstenden Hand. Wirklich ist, was erlebt wird.

Man kann sich mit Buchungszahlen zumüllen, mit Gesellschaftsformen beerdigen lassen, sich mit Höflichkeitsäusserungen durchs Leben lügen, im längst Vorgegebenen verdummen, derart Ja und Nein nickem, wie der spiessige Nachbar es erwartet.

Ich kann mir jetzt, da ich pensioniert bin, eine neue Freiheit in grosser Unabhängigkeit leisten, und ich rufe auf: Sag Nein, wenn von Dir ein Ja erwartet wird, lache alle aus, die von Dir erwarten, dass Du so seist wie alle. Ich muntere Arbeitnehmende auf, ihrem Vorgesetzten deutlich ins Gesicht zu sagen, dass ihr seine Menschenführung missbilligt, sag dem Chef, er sei eine Fehlbesetzung.

Wer nur die Realität, so wie sie ist, so wie sie augenfällig auftritt, anerkennt, ist ein Esel. Die wahre Realität ist sinfonisch, prunkend an Farben, unendlich an Formen. Der Reichtum des Lebens ist nicht zu fassen.

Beginn Dein Leben neu, ausserhalb aller dümmlichen Gewohnheiten, wirf Dein iPhone weg, wirf den Wecker weg, wirf den Fernseher weg - und nimm einen Lyrikband in die Hände, lache über die Vergangenheit und tanze in die neue, grosse, schöne, freie Gegenwart hinein.