Das Ende einer Ära - Urnäsch steht vor dem letzten Kirchenkonzert

Während 50 Jahren wurden in der evangelischen Kirche Klassik-Konzerte durchgeführt. Diesen Sonntag steht das letzte auf dem Programm. Begonnen hatte alles, als weltliche Musik und Volksmusik in Kirchen bei vielen Leuten noch verpönt waren.

Esther Ferrari
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Katharina Schewe und Paul Schoop in der Kirche Urnäsch. (Bild: Esther Ferrari)

Katharina Schewe und Paul Schoop in der Kirche Urnäsch. (Bild: Esther Ferrari)

Katharina Schewe, seit 2006 für die Organisation der Urnäscher Kirchenkonzerte zuständig, traf sich im Januar zu einem kleinen Rückblick mit dem ehemaligen Urnäscher Druckerei-Unternehmer und damaligen Präsidenten des Verkehrsvereins, Paul Schoop. Er hatte 1968 die Konzertreihe ins Leben gerufen. «Mir war es ein Anliegen, das kulturelle Angebot im Dorf zu ergänzen», sagt Schoop, «und wie es sich zeigt, war die Gesamtbilanz positiv. 50 Jahre sind eine gute Zeit, und schliesslich hat alles einmal ein Ende!»

Urnäsch sei schon immer bekannt gewesen für sein reiches Brauchtum und für die traditionelle Musik. So sei es nicht erstaunlich, dass Paul Schoop zuerst das Gespräch mit Ueli Alder, dem bekannten Geiger der «Original Appenzeller Streichmusik Alder» (1922–2014), suchte.

Nur religiöse Musik wurde gewünscht

Alder war ein begeisterter Anhänger der Schaffhauser Violinistin Luise Schlatter (1911–1974). Sie spielte nach Tourneen im In- und Ausland im Winterthurer Stadtorchester, hatte einen Namen in klassischer Musik wie in Volksmusik. Gelegentlich begleitete sie ihr Geigenspiel auf der Mundharmonika. Am 10. November 1968 eröffnete sie mit dem Organisten Peter Spiri aus Rorschach das erste Urnäscher Kirchenkonzert. Mit Werken von Bach, Mozart, Haydn, Händel und Max Reger begeisterten die beiden die Zuhörer, die sich aus dem Umkreis Herisau- St. Gallen und einer treuen Gruppe aus Urnäsch rekrutierte.

Es war die Zeit, da weltliche und Volksmusik in Kirchen bei vielen Leuten noch verpönt war. Nur religiöse Musik wurde gewünscht. Die Verantwortlichen brauchten in den Anfängen einiges an Mut, um ihre Ideen umzusetzen. Fand das Traditionelle in Urnäsch, nachdem die Türen einmal geöffnet waren, schnell Anklang, war der Boden für das Klassische steiniger. Als Highlights bezeichnet wurden Aufritte von Hannes Meier, Konzerte unter der Leitung von Urs Schneider, Gesangsabende, «Volksmusik im Aufbruch» und «Zäuerli mit Klassik» von und mit Noldi Alder. Dank Kontakten von Markus Auer, der während 38 Jahren die Organisation der Kirchenkonzerte innehatte und vielen Sponsoren, bereicherten unter verschiedenen Schweizer Kammerorchestern auch Musiker aus Tschechien, Finnland, Deutschland und Russland das vielseitige Programm.

Als Katharina Schewe Markus Auer und sein Team ablöste, sei sie ins kalte Wasser geworfen worden. Gerne erinnert sie sich an viele positive Echos und an die Berichterstattungen durch Peter Schaufelberger. Nur einmal habe sie kurzfristig ein Konzert absagen müssen, weil die Flötistin erkrankt sei. Jetzt freut sie sich auf das letzte Kirchenkonzert mit den Appenzeller Space Schöttl, Noldi Alder, Susanne Bolt und dem Trio Anderscht.

Hinweis

Sonntag, 24. März, von 17 Uhr bis 19 Uhr findet das letzte Kirchenkonzert in der Evangelisch-reformierten Kirche Urnäsch statt.