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Das Comeback der Krebse im Appenzellerland: Primarlehrer aus Bühler züchtet Krebse

Der Stein- wie auch der Edelkrebs sind weitgehend aus den Gewässern des Appenzellerlandes verschwunden. Wenn es nach Jeannot Müller aus Bühler geht, soll sich dies aber bald ändern. Er züchtet die Tiere. Ab kommendem Jahr sollen die ersten ausgesetzt werden.
Astrid Zysset
Jeannot Müller zeigt einen der Edelkrebse, die bei ihm in der Krebsaufzuchtstation leben. (Bild: Bilder: ASZ)

Jeannot Müller zeigt einen der Edelkrebse, die bei ihm in der Krebsaufzuchtstation leben. (Bild: Bilder: ASZ)

Sie sehen mit ihren grossen Zangen und dem breiten Panzer zum Fürchten aus. Doch die Krebse erfüllen in unseren heimischen Gewässern einen wichtigen Zweck, indem sie beispielsweise organisches Material in Biomasse umwandeln oder tote Wasserlebewesen entfernen. Dennoch ist der Stein- wie auch der Edelkrebs aus unseren Bächen und Weihern beinahe verschwunden. Jeannot Müller, gelernter Primarlehrer, will sich für das Wohl der Tiere einsetzen und hat sich in Bühler eine eigene Krebszuchtstation aufgebaut. «Die Tiere sind doch faszinierend», sagt er und nimmt einen, der rund 15 Zentimeter langen Krebse in die Hand. Derzeit sind es einige Dutzend ausgewachsene Steinkrebse, die sich im grossen Becken tummeln. Hinzu kommen 500 bis 700 Jungtiere, und einige wenige Edelkrebse.

Mit der Zucht im Mai begonnen

Müller verfolgt das Ziel, naturnahe Gewässer im Appenzellerland mit Krebsen wieder zu besiedeln. Dafür hat er zusammen mit Freunden und Bekannten wie auch in Kooperation mit dem WWF auf seinem Landwirtschaftsbetrieb die Aufzuchtanlage für Stein- und Edelkrebse gebaut. Einst in den Bächen und Weihern der Gegend heimisch, ist vor allem der Steinkrebs aufgrund von Gewässerverschmutzung und Verbauungen seit Anfang des 20. Jahrhunderts beinahe gänzlich verschwunden. Es gibt heute nur noch wenige Plätze, an denen diese Krebse zu finden sind. So etwa in der «Schwarz» bei Gonten. Aus dieser konnte Müller in Absprache mit der Jagd- und Fischereiverwaltung Innerrhoden im vergangenen Mai 54 Tiere entnehmen und sie nach Bühler in seine neue Krebsstation bringen. Die Idee: Die Tiere sollen sich dort ungestört fortpflanzen können.

Die Jungtiere werden anschliessend in geeigneten Gewässern wieder ausgesetzt, sodass sich der Bestand der Steinkrebse in der Natur erholen kann. «Heute befinden sich die Bäche und Weiher im Appenzellerland in einem guten Zustand», so Müller. Der Steinkrebs könne diese aber nicht ohne menschliche Hilfe wieder besiedeln. Darum sei ein solches Krebszuchtprogramm vonnöten. Das fand auch der WWF und sprach eine finanzielle Unterstützung für den Bau der Zuchtstation.

So nahe an der Natur wie möglich

Das Zuchtprogramm selbst gestaltet sich relativ simpel: Die Tiere befinden sich für die Paarung im grossen Becken. Im Herbst holt Müller die Weibchen, welche die befruchteten Eiern auf ihren Schwänzen tragen, raus und bringt sie in separaten Boxen unter. Die Brutpflege überlässt er dann vollständig den Tieren. Im Frühling, kurz bevor die Jungtiere schlüpfen, werden jene vom Muttertier getrennt und in Becken, die mit Backsteinen und somit zahlreichen Versteckmöglichkeiten ausgestattet sind, ausgesetzt. Die jungen Krebse ernähren sich anschliessend von Wasserflöhen, Laub und Algen. Das Muttertier kommt wieder zurück ins grosse Becken.

Klingt alles ziemlich einfach, ist es aber nicht. Bis die Rahmenbedingungen für die Tiere stimmten, brauchte es einiges an Effort. Nun will Müller die Krebse aber weitgehend sich selbst überlassen. «Ich könnte alles steril halten und Futter zugeben. Aber das will ich nicht. Es soll alles natürlich sein», so Müller. Heisst: Die Tiere ernähren sich von dem, was sie im Wasser finden – Quellwasser strömt durch das Becken, auf dem Boden befindet sich Sand, Pflanzen bedecken an einzelnen Stellen die Wasseroberfläche.

Wieder im Appenzellerland ansiedeln

Die Jungtiere verbringen den Sommer auf der Anlage. Später werden sie ausgesetzt. Und zwar während dreier Jahre an derselben Stelle. Zwei bis drei Jahre brauchen die Steinkrebse nämlich, bis sie geschlechtsreif sind und sich eine eigene Population bilden kann. Doch welche Gewässer sind überhaupt geeignet? Das soll während der kommenden drei Jahre mittels einer sogenannten Kartierung herausgefunden werden. Freiwillige prüfen, wo es noch Bestände an Steinkrebsen gibt, und wo eine Wiederansiedlung geeignet erscheint. In diesem Jahr wird das Einzugsgebiet Schwarz-Urnäsch-Glatt unter die Lupe genommen. Ziel ist aber die Verbreitung der Tiere im gesamten Appenzellerland.

Nicht nur der Steinkrebs hat es Müller angetan. Neben der Zuchtanlage steht ein Folientunnel bereit. In diesem werden ab Mitte August 70 Edelkrebse aus dem Thurgau ihr neues Zuhause finden. Jene sind deutlich grösser als der Steinkrebs und auch weniger gefährdet. Dennoch will Müller auch hier ein Zuchtprogramm initiieren, das deren Überleben auf lange Sicht garantieren soll. Ab 2019 sollen jährlich zwei Fliessgewässer mit Steinkrebsen sowie ein Stillgewässer mit Edelkrebsen neu besetzt werden.

Hinweis

Der WWF lädt am Freitag, 31. August, von 18.30 bis 21.30 Uhr zu einer Exkursion nach Bühler ein. Die Teilnehmenden erhalten Einblick in die Zuchtstation und lernen die Tiere hautnah kennen. Auskunft und Anmeldung bis Donnerstag, 30. August, 16 Uhr: WWF Regiobüro AR/AI-SG-TG, Postfach 2341, St. Gallen, Telefon: 071 221 72 30, oder unter: www.wwfost.ch/naturlive

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