Bessere Verkehrsanbindung für Firmen, Standortvorteile für den Kanton: Das bringt der Autobahnzubringer Ausserrhoden 

Das Appenzellerland soll einen Anschluss an die Autobahn A1 erhalten. Die Wirtschaftsverbände hoffen auf einen raschen Baustart.

Yann Lengacher
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Der Anschluss für das Appenzellerland wird im Industriegebiet Gossau Ost/St. Gallen West erfolgen.

Der Anschluss für das Appenzellerland wird im Industriegebiet Gossau Ost/St. Gallen West erfolgen.

Bild: Ralph Ribi 

Die Kantone Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen haben kürzlich die Resultate einer Unternehmensumfrage zum neuen Autobahnzubringer für das Appenzellerland publiziert. Diese hat ergeben, dass viele Unternehmen in und um das Appenzellerland einer stärkeren Verkehrsanbindung des Appenzellerlands eine grosse Bedeutung zusprechen. Zur Umfrage und dem Strassenbauprojekt gibt es einige Fragen. Nachfolgend die wichtigsten.

Was sagen Wirtschaftsverbände zu den jüngsten Umfrageergebnissen?

Die Industrieorganisationen von Ausser- und Innerrhoden sowie die IHK St.Gallen-Appenzell und der Ausserrhoder Gewerbeverband zeigten sich ob der Zustimmung der Unternehmen für das Strassenbauprojekt wenig überrascht. Aus ihrer Sicht ist eine möglichst baldige Realisierung des Autobahnzubringers nötig. Bruno Eisenhut, Geschäftsführer des Industrieverbands und des Gewerbeverbands von Ausserrhoden sagt, dass das Appenzellerland ohne den neuen Autobahnzubringer Nachteile gegenüber anderen Wirtschaftsregionen hätte: «Viele Unternehmen sind gewillt, im Appenzellerland zu investieren. Aber wenn der Anschluss an das nationale Strassennetz fehlt, werden manche sicher eine Abwanderung in einen anderen Landesteil oder gar ins Ausland prüfen.» Für die Industrie und insbesondere das Hinterländer Gewerbe sei es entscheidend «just in time» zu liefern oder für Aufträge pünktlich vor Ort zu sein. Eine interne Umfrage bei den Mitgliedern der Industrie AR habe zudem ergeben, dass eine gute Verkehrsanbindung im Wettbewerb um Fachkräfte ein entscheidendes Argument sei.

Wo soll das der Autobahnanschluss für das Appenzellerland durchführen?

Der Anschluss an die Autobahn A1 wird im Industriegebiet Gossau Ost/St.Gallen West erfolgen. Von dort aus wird die Strasse via dem neuen Wachteneggtunnel direkt nach Herisau führen. Das Industriegebiet zwischen St.Gallen und Gossau erhält einen Halbanschluss. In Richtung Waldstatt ist im Projekt ausserdem eine Umfahrung für Herisau vorgesehen, die durch den ebenfalls neuen Nieschbergtunnel führen wird. Mit der Umsetzung des Bauvorhabens würde die lange diskutierte Umfahrung für Herisau Realität.

Der Zubringer soll durch den Wachteneggtunel direkt nach Herisau führen.

Der Zubringer soll durch den Wachteneggtunel direkt nach Herisau führen.                                                         

Bild: PD

Was ist die Idee hinter dem neuen Autobahnzubringer?

Der Streckenabschnitt zwischen St.Gallen Winkeln und Herisau ist oft von Stau betroffen. In einer Studie, welche die Kantone St.Gallen und Ausserrhoden dem ASTRA übergeben haben, ist von einem durchschnittlichen Tagesverkehr von zwischen 16000 und 26000 Fahrzeugen die Rede. Der neue Autobahnanschluss soll hier Entlastung bringen und besonders im Abendverkehr Zeitgewinne ermöglichen. Profitieren soll auch die Industrie zwischen St.Gallen und Gossau. Mit dem neuen Halbanschluss müsste deren Zu- und Weglieferungsverkehr nicht mehr zwingend via Winkeln oder Gossau fahren.

Was muss noch geschehen, bis das Appenzellerland seinen Autobahnanschluss erhält?

Anfang 2020 hat das ASTRA neben dem Appenzeller auch andere Schweizer Strassenbauprojekte übernommen. Da das ASTRA nicht alle Bauvorhaben gleichzeitig realisieren kann, befindet sich der Appenzeller Autobahnzubringer in einem Wettbewerb: Das ASTRA beurteilt und priorisiert alle Projekte. Jene, die ein besseres Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen vorweisen, haben bessere Chancen auf eine zeitnahe Umsetzung. Am Ende ist es das Parlament, dass die Realisierung und Finanzierung eines Strassenbauprojekts auf den vom ASTRA erarbeiteten Grundlagen gutheissen muss.

Wie stehen die Chancen, dass der Appenzeller Autobahnzubringer den Vorzug erhält?

Das ist schwierig abzuschätzen, aber einige Punkte sprechen für den Zubringer ins Appenzellerland: Die Studie für das Projekt weist bei der Kosten-Nutzen-Analyse einen vergleichsweise guten Wert aus. Dölf Biasotto, der als Ausserrhoder Bau und Volkswirtschaftsdirektor mit dem neuen Autobahnzubringer betraut ist, sieht weitere Gründe, weshalb das ASTRA das Appenzeller Projekt priorisieren könnte: Die angemessene Erschliessung aller Landesteile sei ein wichtiger Eckpfeiler der föderalen Schweiz. Die eingereichte Studie unterstreiche, dass das Appenzellerland Nachholbedarf habe. Auch spreche für das Projekt, dass es die Industrie zwischen St.Gallen und Gossau für die Zukunft fit mache. Und: «Die Regierungen der Kantone Appenzell Ausserhoden, Appenzell Innerrhoden und St.Gallen sind sich einig, dass das Projekt die angestrebte Wirkung erzielt. Das spricht für unser Vorhaben.»

Wie lange würden die Bauarbeiten für den Autobahnzubringer und die Umfahrung dauern?

Das hängt davon ab, ob die Umsetzung in zwei Etappenteilen erfolgen würde. Insgesamt ist aber von einer Bauzeit von sechs Jahren auszugehen.