Das Appenzellerland hat zwei eigene Hühnerrassen – einer kommt eine besondere Ehre zu

Anja Reuter Ebneter ist eine von wenigen Züchterinnen von Appenzeller Barthühnern. Diese werden 2020 geehrt.

Karin Erni
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Züchterin Anja Reuter Ebneter mit einem Hahn der Rasse Appenzeller Barthuhn.

Züchterin Anja Reuter Ebneter mit einem Hahn der Rasse Appenzeller Barthuhn.

Bild: Karin Erni

Mit dem Spitzhauben- und dem Barthuhn verfügt das Appenzellerland über zwei eigene Hühnerrassen. Letztere wurde vom Verein Rassegeflügel Schweiz zur Rasse des Jahres 2020 ernannt.

Heute werden in der Schweiz nur noch von wenigen Hobbyzüchtern Appenzeller Barthühner gehalten. Eine davon ist Anja Reuter Ebneter. Sie bewirtschaftet oberhalb des Restaurants Rose in Appenzell einen Hof mit Mutterkühen, Ziegen und Freilandschweinen. Auf über 1000 Quadratmetern hat die Bäuerin, die Kassierin im Verein Kleintiere Gonten ist, ein regelrechtes Geflügelparadies geschaffen. Auf dem solide eingezäunten Areal mit eigenem Weiher haben zahlreiche bedrohte Arten ein Zuhause gefunden. So watscheln hier Pommernenten und Diepholzer Gänse über die Wiese, vielfarbige Hühnergrüppchen scharren im Boden und sogar ein Pfauenpaar stolziert herum.

Rasse mit Appenzeller Charakter

Die Mutter von zwei Buben im schulpflichtigen Alter hat vor vier Jahren mit der Geflügelhaltung begonnen. Durch einen Lehrer in der Bäuerinnenschule sei sie auf die Appenzeller Rassen aufmerksam geworden, sagt Anja Reuter. «Sie sind halt echte Appenzeller – sehr neugierig und kontaktfreudig», sagt sie lachend, als einige der agilen Hühner zu einem Flug über den hohen Zaun ansetzen, um den herannahenden Briefträger genauer zu beäugen. Generell seien die Tiere sehr zutraulich und menschenbezogen. Das mag auch mit der Haltung zu tun haben, denn auf dem Hof gibt es durch die Spielgruppe und den Hofladen einigen Publikumsverkehr. Damit immer genügend Eier für den Hofladen zur Verfügung stehen, hält Anja Reuter zusätzlich auch braune Rhode-Island-Hühner, die eine höhere Legeleistung haben.

Schwere Inzuchtserscheinungen

Drei der auf dem Hof lebenden Hühnerrassen werden von der Organisation Pro Specie Rara züchterisch betreut. Diese kümmert sich um die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Tieren und Pflanzen in der Schweiz. Dazu gehören unter anderem das Schweizer Huhn sowie das Appenzeller Spitzhauben- und das Barthuhn. Dieses wurde ab Mitte der 60er-Jahre des 19. Jahrhunderts im Appenzeller Vorderland aus verschiedenen Landhuhnrassen herausgezüchtet. Das Barthuhn ist optimal an die Bedürfnisse der Appenzeller Kleinbauern angepasst. Sein Futter musste sich das Appenzeller Barthuhn früher mehrheitlich selbst suchen.

Die Unterkunft war oftmals eine Stange im Kuhstall, denn dort war es im Winter etwas wärmer. Die Rasse kam in zwei Farbschlägen vor: schwarz und rebhuhnfarben. Im Sommer 1985 wurde Pro Specie Rara auf das Verschwinden des rebhuhnfarbigen Farbschlages aufmerksam. Die Organisation übernahm die letzten Tiere und die Koordination der Zucht. 1986 kämpfte man mit schweren Inzuchterscheinungen bei den frisch geschlüpften Küken. In den folgenden Jahren hat sich der Bestand einigermassen erholt, und die Inzuchterscheinungen sind seltener geworden. Es werden immer noch neue Züchter gesucht, die zum Weiterbestehen der Barthühner beitragen sollen. Auch Anja Reuter brütet jedes Jahr einige Eier aus. Nicht aus reinem Nutzgedanken, sondern auch aus Freude an den Tieren. «Die kleinen Flaumbälle sind so herzig.»

An die hiesigen Verhältnisse angepasste Rasse

Das Appenzeller Barthuhn ist gemäss Definition ein leichtes, temperamentvolles Huhn mit stolzer Haltung. Sowohl die Hähne wie auch die Hennen tragen kräftige Vollbärte, die von Federn geformt und schon bei den Eintagsküken erkennbar sind. Das besondere Federkleid schützt die Tiere auch vor Wind und Kälte. Auf dem Kopf haben sie einen sogenannten Rosenkamm. Er ist kompakter als ein normaler Lappenkamm und dadurch weniger kälteempfindlich. Barthühner liefern im ersten Jahr etwa 150 weissschalige Eier von etwa 55 Gramm und können über mehrere Jahre legen.

Zur Ehre des Appenzeller Barthuhns soll es dieses Jahr im Verkauf eine Sonderedition Eierschachteln geben, die mit Bildern dieses speziellen Huhns geschmückt sind.