Darum geht es in Appenzell Innerrhoden
bei der Steuerreform

Übersicht Am 23. August entscheiden die Innerrhoder Stimmberechtigten über eine komplexe und für Laien schwer verständliche Steuervorlage. Die folgenden Fragen und Antworten erklären die wichtigsten Massnahmen der Reform und zeigen auf, wer davon profitiert.

Jesko Calderara
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Die Steuerreform enthält auch eine Erhöhung des Abzugs für Drittbetreuungskosten.

Die Steuerreform enthält auch eine Erhöhung des Abzugs für Drittbetreuungskosten.

Bild: APZ

Warum gibt es im Bereich Unternehmenssteuer überhaupt Handlungsbedarf?

Die Bundesvorlage Staf (Steuerreform und AHV-Finanzierung) wurde am 19. Mai 2019 angenommen und ist Anfang Jahr in Kraft getreten. Dies hat unter anderem zur Folge, dass es den Kantonen nicht mehr erlaubt ist, den sogenannten Statusgesellschaften zur Vermeidung der Mehrfachbesteuerung steuerliche Privilegien zu gewähren. Davon betroffen sind insbesondere Holdinggesellschaften. Durch den Wegfall des Holdingprivilegs werden diese seit Anfang Jahr als normale Gesellschaften zu den ordentlichen Steuersätzen besteuert. Damit Kantone weiterhin tiefe Gewinnsteuern haben können, schafft die Steuerreform Spielraum mit neuen Privilegien. So bieten die Kantone den Unternehmen beispielsweise durch obligatorische Patentboxen steuerliche Entlastungsmöglichkeiten. Gewinne aus Patenten müssen in diesem Fall vom übrigen Gewinn getrennt und privilegiert besteuert werden. Fakultativ sind Abzüge für Aufwendungen im Bereich der Forschung und Entwicklung sowie Zinsabzüge auf Eigenfinanzierung. In knapp drei Wochen geht es in Innerrhoden darum, diese neuen Bestimmungen ins kantonale Recht umzusetzen.

Welche steuerlichen Massnahmen plant Appenzell Innerrhoden?

Vorgesehen ist unter anderem eine Senkung des Gewinnsteuersatzes. Dadurch sinkt die Gesamtsteuerbelastung für Innerrhoder Firmen von heute maximal 14.16 Prozent auf rund 12.7 Prozent. Dieser Wert liegt noch tiefer, falls Gewinne im Folgejahr ausgeschüttet werden. Zudem sollen Unternehmensgewinne aus Patenten tiefer besteuert werden als übrige Erträge. Die Vorlage enthält auch einen Abzug von Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen und eine Erhöhung der Dividendenbesteuerung.

Profitieren auch natürliche Personen und Familien von der Steuerreform?

Ja, das tun sie. Als sozialen Ausgleich sieht die Steuergesetzrevision unter anderem die Erhöhung des Abzugs für Drittbetreuungskosten von 6000 Franken auf 18000 Franken je Kind vor. Zudem ist eine Anhebung des Abzugs für Versicherungsprämien und Sparzinsen geplant. Auch beim Kinderabzug für junge Erwachsene wird es bei einer Annahme der Vorlage Verbesserungen geben. In einer separaten Vorlage entscheidet der Grosse Rat zudem über höhere Kinder- und Ausbildungszulagen.

Wie hoch sind die prognostizierten Steuerausfälle?

Die Standeskommission erwartet Mindereinnahmen von je 1,5 Millionen Franken beim Kanton und den Bezirken. Mit der Unternehmenssteuerreform beim Bund wurde auch der Nationale Finanzausgleich angepasst. Aus diesem Topf wird Innerrhoden künftig rund 2,6 Millionen Franken weniger erhalten.

Wie können diese Mindereinnahmen kompensiert werden?

Zum einen wird die Dividendenbesteuerung auf 50 Prozent erhöht. Dies trifft vor allem Besitzer von KMU-Betrieben. Darüber hinaus bekommt der Kanton einen höheren Anteil an der direkten Bundessteuer. Dadurch erwartet der Kanton insgesamt 1,5 Millionen Franken Mehreinnahmen.

Gibt es im Kanton Appenzell Innerrhoden Widerstand gegen die Steuervorlage?

Kritisch äusserte sich bis jetzt die SP AI zur Revision des Steuergesetzes. Die Sozialdemokraten sind gegen die doppelte Entlastung bei der Besteuerung von Unternehmensgewinnen und Dividenden. Die Bezirke wiederum zeigen sich besorgt über die Steuerausfälle. (cal)