«Darum Freisinnige, vereinigt euch!»

Die FDP hat die Basisarbeit vernachlässigt und am vergangenen Sonntag eine herbe Niederlage erlitten. Es ist freilich nicht die erste Baisse, die sie in ihrer langen, erfolgreichen Geschichte durchlebt. Von Patrik Kobler

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Eine Woche nach dem Wahlsonntag herrscht immer noch Verwunderung: Die FDP steigt mit einem hervorragenden Kandidaten ins Rennen und verliert den Nationalratssitz trotzdem sang- und klanglos an die SVP. Wie ist so etwas in der vermeintlichen FDP-Hochburg möglich?

Klar ist: Für die SVP passten viele Faktoren optimal zusammen. Geholfen hat ihr unter anderem das starke Abschneiden des SP-Kandidaten Jens Weber. Mit einem Anteil von gut 29 Prozent punktete er auch im bürgerlichen Lager. Diese Stimmen fehlten Bänziger. Letztlich konnte er nur zwei Gemeinden für sich gewinnen: Seinen Wohnort Teufen und seinen Bürgerort Reute. Während in der kleinen Vorderländer Gemeinde der Unterschied zwischen Bänziger und Wahlsieger David Zuberbühler lediglich drei Stimmen betrug, kann Teufen als letzte FDP-Hochburg im Kanton bezeichnet werden. Hier büsste Zuberbühler beinahe 1000 Stimmen ein. Bänziger geniesst in seinem Wohnort offenbar Kredit, obschon er dem in der Kritik stehenden Gemeinderat angehört. Ausserhalb von Teufen hat die FDP jedoch zu wenig mobilisiert. Insbesondere im Hinterland fuhr sie eine Schlappe ein. Zuberbühler distanzierte Bänziger in seiner Wohngemeinde zwar bloss um gut 600 Stimmen. Die anderen Hinterländer Gemeinden hinzugezählt, sind es aber rund 1300.

Das schlechte Abschneiden in den Gemeinden muss der FDP zu denken geben. Sie hat die Basisarbeit vernachlässigt.

Es ist freilich nicht die erste Baisse, die die Partei in ihrer langen erfolgreichen Geschichte erleidet. Schon 1919 hiess es in dieser Zeitung: «Die Sonne des Freisinns, die einst so mächtig durchs Land geleuchtet, hat nicht mehr die gleiche Wärme und alles verjüngende Kraft von ehedem.» Eine bittere Niederlage erlitten die Freisinnigen 1934. Wie aus der Schrift «Darum Freisinnige, vereinigt euch!» hervorgeht, schnappte ihnen damals der streitbare Führer der parteiähnlich gewordenen Freigeldbewegung, der Heidler Hans Konrad Sonderegger, das Ständeratsmandat weg. Dieses war vakant, weil zuvor der Freisinnige Johannes Baumann in den Bundesrat gewählt worden war. Bereits ein Jahr später holte sie sich in den Gesamterneuerungswahlen aber das Mandat zurück. Gleichzeitig griff sie auch den SP-Sitz an. Der Angriff scheiterte. Die «Alles-üsers-Politik» sei im Volk nicht goutiert worden.

Die Abkehr von der «Alles-üsers-Politik» ist auch heute noch aktuell. Innerhalb von zwei Jahren hat die FDP stark an Dominanz eingebüsst. Stellte die Partei 2013 nach der Wahl von Paul Signer fünf von sieben Regierungsmitgliedern, sind es jetzt nur noch zwei. Allerdings ist die Regierung bekanntlich inzwischen auf fünf Mitglieder verkleinert worden. Jetzt ist die FDP auch das Nationalratsmandat los. Deshalb gilt auch heute wieder, was Gründungspräsident Arthur Eugster vor über 100 Jahren sagte: «Freisinnige, vereinigt euch, wenn ihr nicht als ein Haufen Indifferenter in der heutigen ausgeprägt parteipolitischen Zeitströmung zwischen den beiden Mühlsteinen zur Rechten und zur Linken zerrieben werden wollt.» So kämpferisch war die FDP einmal...