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DARSTELLER: Der Horrortyp aus Herisau

Philipp Eugster liebt Horrorfilme und wollte schon immer in einem mitspielen. Jetzt steht er für «Nutshot» vor der Kamera. Zum Zombie wurde er durch eine Brieffreundschaft.
Patrik Kobler
«Zum Leidwesen meiner Eltern»: Philipp Eugster war schon immer vom Bösen fasziniert. (Bild: PD)

«Zum Leidwesen meiner Eltern»: Philipp Eugster war schon immer vom Bösen fasziniert. (Bild: PD)

Patrik Kobler

patrik.kobler

@appenzellerzeitung.ch

Eigentlich ist Philipp Eugster ein netter junger Mensch. Er arbeitet als Koch, wohnt im Einfamilienhaus, ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Doch der 33-jährige Herisauer hat ein spezielles Hobby: Er liebt Horrorfilme – und zwar die richtig struben Sachen. «Mich faszinierte schon immer das Böse», sagt er. Als Kind habe er jeweils den Puppen die Köpfe abgetrennt und sie mit Nagellack überpinselt. Sehr zum Leidwesen seiner Eltern – sein Vater ist ein bekannter Künstler–, die seiner Leidenschaft bis heute nicht viel abgewinnen können. Stolz sind sie auf ihren Sohn trotzdem. Denn er verwirklicht gerade seinen Bubentraum und spielt in einem Horrorfilm mit.

Ein Oscarpreisträger als Vorbild

In kleineren Produktionen hatte Philipp Eugster bereits mitgewirkt. Doch jetzt dreht er den ­ersten Schweizer Streifen in Spielfilmlänge. «Das ist ein Heidenspass», sagt er. Bei den ­Dreharbeiten trifft der Appenzeller nämlich auf eine Handvoll Gleichgesinnter. Sie versuchen in ihrem Film, so viele Genre-Klischees einzubauen wie nur möglich. In einer Szene wird beispielsweise einem Zombie ein Beil in den Schädel gerammt. Noch tüftelt die Filmcrew, wie sie das am besten umsetzen kann. Weil viel künstliches Blut fliessen wird, gibt es praktisch nur eine Chance, die Szene zu drehen.

Auf die heute üblichen Digitaleffekte verzichten sie; der handgemachte Groove der 1980er-Jahre-Horrorfilme liegt ihnen näher. Als das Meisterwerk in ihren Kreisen gilt übrigens «Brain Dead», der Film ist bis heute in Deutschland und der Schweiz verboten. Es handelt sich um ein Werk von Peter Jackson, der später mit «Herr der Ringe» haufenweise Oscars einheimste und Weltruhm erlangte.

Regisseur der Schweizer Produktion «Nutshot» ist Heiko ­Muuss. Er hat in den 1990er-Jahren mit «Projekt Fleisch» einen Horrorfilm gedreht, der beim damals 14-jährigen Philipp Eugster derart Eindruck hinterlassen hat, dass er ihm einen Brief geschrieben hat. Seither sind sie befreundet. Beim aktuellen Projekt steht der Herisauer nicht nur als Zombie vor der Kamera, sondern er hilft auch bei der Produktion mit und kümmert sich um das Organisatorische. Er hat beispielsweise grosse Firmen angeschrieben und angefragt, ob sie ihre Produkte im Film platzieren wollen. Rückmeldungen hat er allerdings kaum erhalten. Davon lässt er sich nicht entmutigen. Erfolgreicher ist er bei der Medienarbeit; unter anderen haben TVO und 20 Minuten über das Projekt berichtet.

Die Publizität ist wichtig. Denn die Produktion kostet Geld. Drei Kameraleute, ein Tontechniker sowie ein Maskenbildner werden bei den Drehs benötigt. Finanziert werden soll das Projekt mittels Crowdfunding. Dreiviertel des Films sind schon im Kasten, jetzt will man den Rest in Angriff nehmen. Eugster rechnet, dass noch vier Drehtage nötig sind. Ein Drehtag kostet zwischen 2000 und 2500 Franken. Übrigens: Die Filmcrew sucht für die restlichen Dreharbeiten eine leer stehende alte Fabrikhalle. Sachdienliche Hinweise können ihm gerne mitgeteilt werden. Bis im kommenden Frühjahr/Sommer soll der Film fertig sein. Die Premiere ist im Cinetreff in He­risau geplant. Geschäftsführer Michael Hefti habe sich sehr offen gezeigt. «Genau diese Offenheit liebe ich an Herisau», sagt Philipp Eugster. Mit seinem speziellen Hobby stosse er hier kaum auf Ablehnung. Auch wenn viele Leute nicht verstehen würden, was ihn an Horrorfilmen reize, werde er so akzeptiert, wie er sei.

Verständnis für seine Leidenschaft hat auch seine Frau. Sie schaut sich mit ihm die Filme an. Seine Kinder haben ihn ebenfalls schon auf Fotos erkannt. Allerdings: Den Puppen die Köpfe abgeschlagen haben sie bis jetzt noch nie. Er strebt es auch nicht an, dass sie in seine Fussstapfen treten. «Sie sollen ihren eigenen Weg gehen», sagt er. Seit er Vater ist, bekundet er mehr Mühe mit Gewaltexzessen in Filmen. «Früher dachte ich, je verreckter desto besser. Heute geht mir alles näher.» Er bedauert zudem, dass aufgrund des kommerziellen Erfolgs gewisse Hollywood-Blockbuster immer brutaler werden.

Einst liebäugelte er mit der Schauspielschule

Die Frage, ob er als Horrorfilmliebhaber auch in einer Liebesschnulze mitspielen würde, beantwortet Philipp Eugster lachend mit: «Ja, natürlich». Vor einigen Jahren liebäugelte er mit einer Ausbildung an der Schauspielschule. Doch jetzt verfolgt er keine solchen Ambitionen mehr. «Ich bin mit Leib und Seele Koch», sagt er. Aber hie und da ist er auch ein Zombie. Mehr demnächst im Cinetreff.

Hinweis

Das Crowdfunding für den Film befindet sich auf folgender Webseite: www.100-days.net/de/projekt/nutshot

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