Danke, hps, und alles Gute

Hanspeter Strebel hat heute seinen letzten Arbeitstag im Appenzeller Medienhaus – er geht in Frühpension. 16 Jahre lang war hps Redaktionsmitglied der Appenzeller Zeitung: Anlass genug, Rückschau zu halten und danke zu sagen.

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Mehr als 16 Jahre – seit Januar 1994 – gehörte Hanspeter Strebel zum Redaktionsteam der Appenzeller Zeitung: zuerst als Lokalredaktor, zuständig für das Mittelland sowie das politische Geschehen in den beiden Appenzell, und in der Zeit von 1998 bis 2003 als Chefredaktor. Wie es seiner Art entspricht, machte hps auch in der Führungsposition keine halben Sachen. Am meisten forderte er stets von sich selber und ging dabei wohl manchmal scharf an seine Grenzen.

Als sich deshalb gesundheitliche Störungen bemerkbar machten, trat er auf eigenen Wunsch ins zweite Glied, reduzierte sein Pensum und hängte noch einmal sieben Jahre an.

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Hanspeter Strebel ist in St. Gallen, an der Langgasse, aufgewachsen, nur zehn Hausnummern weiter als ich. Unsere Väter waren beide bei der PTT tätig, und so kannten sich Strebels und Eglis.

Der damals, im Kindesalter, riesige, effektiv aber nicht besonders grosse Altersunterschied brachte es mit sich, dass wir weder je zusammen im Sandkasten spielten noch einen Tanzanlass im Pfarreiheim besuchten. Erst im Appenzeller Medienhaus trafen wir uns wieder.

Hanspeter Strebel hatte damals, vor nunmehr 14 Jahren, schon eine lange journalistische Karriere hinter sich.

Bereits während seines Studiums, das er an der Uni Zürich in den Hauptfächern Geschichte und Publizistik mit dem lic. phil. I abschloss, arbeitete er in Praktika für verschiedene Ostschweizer Tageszeitungen. Während acht Jahren war er Redaktor und Ressortleiter beim «Vaterland» in Luzern, wechselte dann als Stadtredaktor zum St. Galler Tagblatt und arbeitete anschliessend als freier Journalist und Ostschweiz-Korrespondent für verschiedene Zeitungen.

Als Leiter des Regionalbüros Ostschweiz der Nachrichtenagentur Schweizerische Politische Korrespondenz (spk.) berichtete er bereits regelmässig aus dem Ausserrhoder Kantonsrat, als er noch nicht bei der Appenzeller Zeitung arbeitete.

Kantonale Politik und Historie: Das waren stets die bevorzugten Themen von hps. Er verstand es wie kein anderer, komplizierte Vorlagen zu entwirren und verständlich zu erklären.

Während der letzten Berufsjahre mit dem Teilzeitpensum hatte er zudem genügend Freiraum, um auch Buchprojekte zu verwirklichen; so entstanden als Koproduktionen «Elisabeth Pletscher, Zeitzeugin des 20. Jahrhunderts» und «Grenzen». Hanspeter Strebel hat sich nicht nur intern, sondern auch in weiten Kreisen der Leserschaft den Ruf eines seriösen, kompetenten Berichterstatters erworben, der zwischendurch mit träfen Worten und nicht selten spitzer Feder kommentierend auch Salz und Pfeffer in die Zeitung streute.

Die Brosmete für morgen vergessen? Noch kein «Thema der Woche»? Kein Freiwilliger für den kurzfristig eingegangenen Termin? «Ich mach das schon», «ich habe noch eine Idee»: Immer wieder half Hanspeter Strebel aus einer Patsche. Das wussten alle zu schätzen, und es galt das stillschweigende Übereinkommen, dass er dafür nie über einen Fasnachtsanlass berichten musste.

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Hanspeter Strebel hat während der Zeit bei der Appenzeller Zeitung viele Veränderungen miterlebt. Er arbeitete unter zwei Verlegern, nämlich Peter Schläpfer und ab 1995 Marcel Steiner, sowie mit Marcel Steiner, Urs Rellstab, und mir als Chefredaktoren, nachdem er zuvor mein Chefredaktor gewesen war. Er war dabei, als die Technik, sprich «der Computer», und die digitale Fotografie endgültig Einzug hielten, der Seitenumbruch am Bildschirm erfolgte, der Beruf der «Tasterin» verschwand und als die Appenzeller Zeitung 1997 in den St.

Galler-Tagblatt-Verbund aufgenommen wurde. Hps war nie ein Freund von technischen Hilfsmitteln, hat sie aber alle mehr oder weniger klaglos akzeptiert und schliesslich sogar eine beachtliche Fertigkeit im Umgehen von starren technischen Vorgaben erworben. Dass er in einer dunklen Nacht nach dem Besuch einer Veranstaltung seine digitale Kamera einfach auf der Strasse abstellte, wo sie überfahren wurde, kann im nachhinein als freudscher Vorgang gewertet werden.

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Nach und nach haben seine alten Weggefährten die Redaktion verlassen – sie haben andere Stellen angetreten oder wurden pensioniert. Schliesslich war er als Ältester Mitglied in einem Team mit Kolleginnen und Kollegen, die fast alle eine Generation jünger waren. Aber nie hatte man den Eindruck, er fühle sich ausgeschlossen – ganz im Gegenteil! Jeder Neuling hat sofort gemerkt, wie viel wert es ist, einen erfahrenen Kollegen mit einem guten Gedächtnis zu haben.

«Ich gebe es Hanspeter zum Gegenlesen», «Hanspeter hat sicher noch etwas darüber in seinem Archiv»: Und Hanspeter gab Auskunft, las und verbesserte Texte, grübelte in seinem – übrigens sehr wohl geordneten – Archiv und holte längst Vergangenes wieder ans Tageslicht, auf dass man die Geschehnisse der Gegenwart verstehen und einordnen konnte.

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Mit Hanspeter Strebel geht der Redaktion ein beachtliches, wichtiges Stück Gedächtnis verloren. Es fliessen grosse Kompetenzen, journalistisches Können, Wissen und Erfahrung ab. Er war ein ausgesprochen fleissiger Schreiber, der gerne die ruhigen Abend- und Nachtstunden nutzte, dafür am Morgen ein wenig später kam. Nie hat man ihn laut werden hören, eher brachte er mit einem trockenen Spruch und seiner umsichtigen Art wieder Ruhe in aufgeregte Diskussionen.

Ab morgen wird es auf der Redaktion anders sein, denn mit hps geht ein liebgewordener, fröhlicher Kollege mit subtilem Humor. Wir alle wünschen ihm von Herzen beste Gesundheit, einen angenehmen Ruhestand mit vielen spannenden (Zugs-)Reisen und kulturellen Höhepunkten, mit flotten Spaziergängen samt Hund, schönen Ferientagen bei seinem Grosskind auf Guernsey – und wir geben die Hoffnung nicht auf, dass er doch noch ab und zu für die Appenzeller Zeitung in die Tasten greife.

Monika Egli

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