Dank Fussball Bütschwiler geblieben

Wenn die Rede vom FC Bütschwil ist, kommt man an einer Person nicht vorbei. Denn Walter Scherrer setzt sich seit über 40 Jahren für den Fussballclub ein und bildet mit seiner Persönlichkeit und der Supportervereinigung nicht nur das finanzielle Rückgrat des FC Bütschwil.

Sabine Schmid
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BÜTSCHWIL. Einen Fussballplatz im heutigen Sinn gab es nicht, als vor 60 Jahren der FC Bütschwil gegründet wurde. Die Spiele wurden auf einer Wiese im Bodenholz ausgetragen, auf welcher in der Zwischenzeit Kühe weideten. Jeweils vor dem Spiel mussten die Kuhfladen weggeräumt werden. Eine Dusche gab es nicht, nach dem Match haben sich die Spieler an einem Brunnen erfrischt und im Saal des «Schäflis», dem damaligen Clublokal, umgezogen. Das stand dem sportlichen Erfolg jedoch nicht im Weg. 1969 schaffte der FC Bütschwil den Aufstieg in die zweite Liga. Das wurde im «Schäfli» natürlich zünftig gefeiert. Walter Scherrer – gebürtiger Bütschwiler und wohnhaft in Zürich war so begeistert über den Aufstieg, dass er an der Feier mit dem Hut durch die Reihen ging und Geld für einen Fussballplatz sammelte. Erfolgreich, denn Walter Scherrer ging mit mehr als 17 000 Franken aus dem «Schäfli» und legte so den Grundstein für die Supportervereinigung des FC Bütschwil.

Begeistert von Fussball

Seit seiner Jugendzeit ist Walter Scherrer vom Fussball begeistert. «In Bütschwil war dieser Sport zu jener Zeit zwar noch etwas Fremdes», erzählt der heute 82-Jährige. Ihren Ursprung hat die Begeisterung in der Mittelschulzeit in Schwyz. Das Internatsleben sei «klösterlich» gewesen, erinnert er sich. Bis zur Matura gab es keinen Ausgang, weder abends noch an den Wochenenden. Das einzige Freizeitvergnügen für den jungen Walter Scherrer war Fussball. «In jenen Kriegs- und Nachkriegsjahren studierten viele Tessiner, Italiener und Spanier am Kollegium Schwyz. Ihre Leidenschaft für Fussball übertrug sich auf mich», sagt er. Als 1951 der FC Bütschwil gegründet wurde, war Walter Scherrer voll dabei. Zwar nicht als Spieler, aber als Pressechef, der darum bemüht war, den Club innerhalb des Dorfes bekannt zu machen.

Persönlichkeiten aus dem Dorf

«Ich habe an der Aufstiegsfeier jeden Spender notiert und ihm danach seine Spende verdankt», sagt Walter Scherrer. Die meisten hätten 100 Franken gegeben – dies ist noch heute, 42 Jahre nach der Gründung, der Betrag, den die Supporter pro Jahr bezahlen müssen. Mehr darf aber auch gespendet werden. Walter Scherrer war bereit, diese Supportervereinigung zu präsidieren. «Mir war bewusst, dass ich bekannte Persönlichkeiten aus dem Dorf im Vorstand haben musste, um dem Verein das nötige Gewicht zu geben», sagt Walter Scherrer. Er konnte einen Baumeister und einen Vizedirektor der Spinnerei als Vorstandsmitglieder gewinnen. Beide machten mit, vor allem weil der Präsident ihnen versprochen hatte, dass das Amt mit keiner Arbeit verbunden wäre, ausser der Anwesenheit an der Hauptversammlung.

Wo Walter Scherrer unterwegs war, hat er für den FC Bütschwil geworben. In seiner Studentenverbindung in Zürich, im Militär, in den Ferien – stets hat der Präsident den Fussballclub erwähnt. «In den Anfangsjahren der Vereinigung waren etwa die Hälfte der Supporter nicht Bütschwiler. Einen Bezug zum Dorf oder zum FC hatten sie nicht, aber eine Verbindung zu mir», sagt Walter Scherrer nicht ohne Stolz. Er ist überzeugt, dass er durch sein Engagement in all diesen Jahren ein Bütschwiler geblieben sei, obwohl er seit seiner Jugend nie mehr im Toggenburg gelebt hat.

Infrastruktur stetig ausgebaut

Die Supportervereinigung hatte als Ziel, für die Infrastruktur zu sorgen. Ein guter Fussballplatz sei eine Voraussetzung, um erfolgreich zu sein, ist Walter Scherrer überzeugt. Als erstes realisierte man in der Breite einen Fussballplatz, der ausschliesslich für diesen Zweck genutzt wurde. Geld von den Steuerzahlern wurde dafür nicht benötigt. «Der FC musste uns immer wieder mitteilen, was er am dringendsten benötigt», erklärt Walter Scherrer. Anfangs der 1980er-Jahre kam ein Trainingsplatz mit Beleuchtung dazu, dann wurden beim Hauptplatz Stehplatzrampen errichtet. Weil die Miete für ein Festzelt für das Grümpelturnier jedes Jahr ein grosser Budgetposten war, leistete sich der FC dank dem Supporterverein 1993 ein eigenes Festzelt mit einem Anbau für Küche und Service. Drei Jahre später kam ein mobiler Verpflegungsstand dazu, so dass die Zuschauer an den Heimspielen etwas trinken und eine Bratwurst essen können. Der grösste Brocken war der Bau des Allwetterplatzes 2003. «Dieser überstieg aber unsere finanziellen Möglichkeiten», erinnert sich Walter Scherrer. Die Gemeinden Bütschwil, Mosnang, Ganterschwil und Lütisburg bezahlten Beiträge an dieses Projekt, für den Supporterverein blieb noch ein Beitrag von 50 000 Franken übrig. 2008/09 musste das Hauptspielfeld total saniert werden. Als letztes Projekt unter der Ägide von Walter Scherrer realisierte die Supportervereinigung die Überdachung eines Teils der Stehplatzrampen und den Kauf eines neuen und grösseren Verpflegungsstandes. Beides wurde im Frühling 2011 eingeweiht.

Grundlage für Erfolg

Insgesamt investierte die Supportervereinigung in den letzten 42 Jahren 623 000 Franken in die Infrastruktur, für Administration oder den Versand von Post verlangte Walter Scherrer während all diesen Jahren keinen Rappen. «Die Bütschwiler werden um ihre Fussballanlage beneidet», sagt Walter Scherrer. Er ist überzeugt, dass dies einer der Gründe ist, dass der FC Bütschwil die grösste Juniorenabteilung weit und breit habe – eine gute Grundlage für zukünftige Erfolge. Aus seinen Augen blitzt der Stolz, dass er so «seinem» FC Bütschwil sehr viel schenken konnte.