DAMALS: Eine nackte Kriegserklärung

Das "Toggenburger Tagblatt" veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Der Artikel dieser Zeitung aus dem Jahr 2008 wirkt seltsam vertraut.

Der Artikel dieser Zeitung aus dem Jahr 2008 wirkt seltsam vertraut.

Vor 100 Jahren

30. März: Stein. An einem Schlage starb plötzlich der Messmer, als er eben im Begriffe war, den Sonntagsgottesdienst einzuläuten.

30. März: Wattwil. Brandfall. In der Nacht brannte aus noch nicht ermittelter Ursache ein Sommerschopf im Buntbergli total nieder. Glücklicherweise herrschte völlige Windstille, ansonst die nebenan aufgeschichteten Reiswellen, sowie der nahe Brandenwald gefährdet gewesen wären. Der mit den Streuevorräten angefüllte Schopf war zu 800 Franken brandversichert.

30. März: Wattwil. Die Fürsorgekommission hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen: Es sei denjenigen Personen, welche die billigeren Lebensmittel beziehen, das Halten von Hunden verboten, bezw. es sei die Abgabe billigerer Lebensmittel zu verweigern, event. zu entziehen. Zuwiderhandlungen gegen vorstehenden Beschluss ersucht die Fürsorgekommission ihr schriftlich mitzuteilen.

Vor 50 Jahren

1. April: Mittleres Toggenburg. Die gewaltigen Bauarbeiten, die für das Gemeindekanalisationsnetz und die Abwasserreinigungsanlage durchgeführt wurden, haben auch archäologisch zu neuen, allerdings noch nicht gesicherten Erkenntnissen über das Mittlere Toggenburg geführt. Es begann damit, dass im Bunt, beim Aushub für den Hauptkanal, Mauerwerk gefunden wurde. Auf einer 2 × 2,5 Meter grossen Sandstein-Platte waren Buchstaben eingemeisselt; aber man konnte sie nicht mehr genau lesen. Bekanntlich verwittert Sandstein.

Zufälligerweise weilte ein Altertumsforscher in Wattwil. Er erklärte sich bereit, Sachverständige aus dem Kreise der Altertumsforscher nach Wattwil zu bringen, die mit Hilfe von Röntgenstrahlen und chemischer Methode imstande sind, das Alter der Sandsteinplatte zu entziffern und den Schriftzug zu enträtseln. Dieses Privatgutachten fand dann statt und man stellte tatsächlich fest, dass die Platte vor gut zweitausend Jahren behauen worden war. Vermutlich wurden hier Veteranen der römischen Legionen angesiedelt, die in der Nähe der Hulfteggstrasse – bekanntlich eine Römerstrasse – die römische Herrschaft gegen die anstürmenden Allemannen sichern sollten. Es wird der dringende Appell an die Wattwiler in guten Wohnlagen gerichtet, beim Fortschreiten der Kanalisationsarbeiten, Balken und Steine, Tonkrüge und vor allem die Ziegel aufzubewahren, bis von offizieller Seite eine Stelle mitgeteilt wird, bei der man sich über die Funde orientieren kann.

Vor 20 Jahren

28. März: Toggenburg. Rauchen am Arbeitsplatz – wie wird das Problem im Toggenburg gelöst? In öffentlichen Gebäuden wie Gemeindehäusern, Restaurants, Heimen und Spitälern wird zwar immer häufiger Rücksicht auf Nichtraucher genommen, doch an ein generelles Rauchverbot, wie es in Amerika beispielsweise gehandhabt wird, ist vorläufig nicht zu denken. Gegenüber der SBB hatten die Bodensee-Toggenburg-Bahnen keine Veranlassung, die Raucherabteile abzuschaffen. «Bei uns sind weniger die Verschmutzungen der Raucherabteile, sondern vielmehr der Vandalismus ein Problem. Sprayer sind für uns eine viel grössere Schwierigkeit», so Walter Dietz, Direktor der BT. Die Leitung der BT ist der Meinung, dass es nicht nötig sei, Probleme zu schaffen wo keine sind. Das heisst: Raucher wird es immer geben und deshalb Raucherabteile, zumindest bei der Bodensee-Toggenburg-Bahn.

30. März:Lichtensteig. Die Margrit-Bohren-Hoerni-Stiftung schenkt dem Toggenburger Museum als Anerkennungspreis 32 Bilder des Neckertaler Malers Johann Georg Zähndler (1877–1954). Die einzigartige Aquarellsammlung von Einzelhäusern in Neckertaler Gemeinden, vereinzelte auch aus dem Thurtal, wird so vor Einzelverkauf gerettet und als Ganzes erhalten. Da sie auch abgebrannte und abgerissene Hausbauten enthält, von denen keine Fotos erhalten sind, macht sie als kulturgeschichtliche Dokumentation besonders wertvoll. Johann Georg Zähndler soll ein ausgezeichneter Schauspieler gewesen sein. Bei Theateraufführungen übernahm er die Regie. Er galt als frommer Mann mit fröhlichem Gemüt. Sein autodidaktisches künstlerisches Schaffen umfasst Aquarelle von Toggenburgerhäusern, Ortsansichten und Porträts sowie Senntumsbilder. Sie sind gekennzeichnet durch einen in Details gehenden Realismus.

Vor 10 Jahren

28. März: Obertoggenburg. Streit zwischen Bergbahnen. Die Sportanlagen Alt St. Johann-Sellamatt AG will die Aktienmehrheit der Bergbahnen Unterwasser-Iltios-Chäserrugg AG übernehmen. Das «unfreundliche Übernahmeangebot» per ganzseitiges Zeitungsinserat kommt bei der Gegenseite nicht gut an: Damit würden Verunsicherung und Misstrauen im Toggenburg gefördert.