Da funkelt doch eine Geschichte

Letzten Mittwoch hat der Autor und Regisseur Paul Steinmann im Chössi-Theater zwei heiter-schöne Bärengeschichten erzählt. Im Rahmen von «Stärnäfunklä», dem adventlichen Kinderprogramm des Chössi-Theaters, hat er die Kinder begeistert. Aber auch er selbst hat daran Gefallen gefunden.

Patricia Wichser
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LICHTENSTEIG. Beim Eingang zum «Stärnäfunklä» gibt es eine leuchtend-funkelnde Sternenstrasse und man muss gut darauf achten, auf keinen Stern zu treten. «In jedem Kissen steckt eine Geschichte», wissen Susanne Roth, Verantwortliche des Chössi-Kinderprogramms, und der Geschichtenerzähler Paul Steinmann. Wald, Seelöwe oder Maschine – was die beiden von Geschichten Begeisterten nicht alles aus den Kissen hören. Dann erwischt Paul Steinmann das Sternenkissen und tatsächlich: Hier funkelte eine Geschichte. Und zwar eine Bärengeschichte.

Bim, Bam und Bum

Die Kinder machen es sich auf den Kissen gemütlich und Susanne Roth entzündet die Wunderkerze – den kleinen Geschichtenfunken. «Hier habe ich eine kleine Gitarre, eine Ukulele, mitgebracht», erklärt der Erzähler Paul Steinmann. Denn die Geschichte handle auch von Musik. Die drei Bärenfreunde Bim, Bam und Bum wohnen in einem kleinen Haus im Städtli und machen gemeinsam Musik. Als Trio treten sie auf mit Geige, Trompete und Trommel. Sie erfreuen die Leute an Weihnachten, Geburtstagen und Hochzeiten. Eigentlich sind die drei Braunbären. Doch weil sie an drei verschiedenen Stellen je einen weissen Fleck haben, werden sie oft gehänselt. Der Gemeindepräsident ist jedoch ein Fan des Trios und veranlasst die Künstlerin Mimi ein grosses Bild von den Dreien für das Gemeindehaus zu malen. Als dieses fertig ist, brummeln die Bären, denn sie sind nicht zufrieden. Sie wollen als echte Braunbären ohne Flecken gemalt werden. Und so wird's gemacht. An der Vernissage schliesslich ruft ein Kind: «Das sind ja gar nicht Bim, Bam und Bum, sondern sonst irgendwelche Bären.» Mimi hatte noch ein zweites Bild gemalt, auf welchem die Bären mit weissen Flecken zu sehen sind. Nun kommt dieses zum Zug. Und so sind alle Gäste zufrieden. Und die Bären sehen ein, dass es schöner ist, zu dem zu stehen, was man ist, als zu versuchen, richtige Braunbären zu sein. Und Paul Steinmann lässt nun mit dem Bärenlied die Kinder erleben, wie eine Ukulele tönt. Die drei Bären holen jeden Tag ihr Bärenbrot beim Bäcker ab und essen es am Abend. Es schmeckt sehr gut und beschert den drei Freunden schöne Träume und einen guten Schlaf. Eines Tages kommen die Bären auf die Idee, ihr Brot selber zu backen, auch ohne das Geheimrezept des Bäckers. Das selbstgebackene Brot ist zwar gut, doch sie schlafen nicht gut, sind tags darauf schlecht gelaunt und die Musik misslingt ihnen auch. Beim Bäcker machen sie Halt und kaufen ein Brot. Nach dieser Geschichte verrät der Bäcker, dass er zu den üblichen Zutaten immer noch drei Löffel Honig hinzufüge. Nach dem Abendessen mit dem Brot vom Bäcker ist die schlechte Stimmung verflogen und sie schlafen gut ein. Im Anschluss an diese Geschichte erzählen die Kinder in der Runde dem Sternenkind – einer kleinen pastellfarbenen Filzpuppe – wie sie den Abend fanden. «Die Musik war cool», meint ein kleiner Zuschauer. Den meisten haben auch die beiden Geschichten sehr gut gefallen.

Tolle Atmosphäre im Chössi

Für Paul Steinmann ist es der zweite Auftritt bei «Stärnäfunklä». Er trat schon im letzten Jahr für das Adventsprogramm auf. «Ich bin Autor und Regisseur und kein Schauspieler mit einem festen Programm», erklärt der Tösstaler. Doch tritt er für Kleinkunsttheater für Erzählabende mit einem massgeschneiderten Programm auf und kennt die kinderspezifischen Programme. «Beim Chössi-Theater ist einfach die Atmosphäre speziell sowie das Ritual und die Programmeinführung von Susanne Roth, die Teppiche und Kissen, aber auch das Weihnachtliche mit den Sternen», führt Paul Steinmann aus. Mit dem Erzählen eröffne sich dem Autor und Regisseur eine schöne Bandbreite: Märchen, eigene Geschichten oder das improvisierte Erzählen zusammen mit den Kindern. Beeindruckt zeigt er sich vom Erzählabend im Chössi: «Es ist wahnsinnig, wie nahe man den Kindern kommt und wie persönlich das ist.» Fast so, als würde man mit den Kindern in der guten Stube sitzen oder auf einer Erzählwolke. Auch die Eltern, so war das Echo, haben den Abend und das Eintauchen in die Erzählwelt in der sonst so hektischen Adventszeit genossen.