Innerrhoder CVP präsentiert Zweierticket: Thomas Rechsteiner und Antonia Fässler wollen in den Nationalrat

Der ehemalige Innerrhoder Säckelmeister Thomas Rechsteiner und die Gesundheits- und Sozialdirektorin Antonia Fässler steigen in den Nationalratswahlkampf. Beide CVP-Politiker bringen langjährige politische Erfahrung mit. Wer das Rennen macht, entscheidet die Parteibasis am 21. August.

Claudio Weder
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Thomas Rechsteiner und Antonia Fässler wollen in den Nationalrat. (Bilder: Martina Basista, Mareycke Frehner)

Thomas Rechsteiner und Antonia Fässler wollen in den Nationalrat. (Bilder: Martina Basista, Mareycke Frehner)

Im Kampf um den einzigen Innerrhoder Sitz im Nationalrat sind SP-Präsident Martin Pfister und Säckelmeister Ruedi Eberle (SVP) bislang die einzigen offiziellen Kandidaten. Nun ist bekannt, gegen wen die beiden im Herbst antreten könnten: Die CVP präsentiert mit Gesundheitsdirektorin Antonia Fässler und Alt-Säckelmeister Thomas Rechsteiner zwei Polit-Schwergewichte. Wer das Rennen macht, entscheidet die Parteibasis an der Nominationsversammlung am 21. August. Laut CVP-Präsident Stefan Ledergerber ist nicht ausgeschlossen, dass die Partei beide ins Rennen schickt.

Frau Statthalter Antonia Fässler ist kein unbeschriebenes Blatt. Mit dem Gesundheitswesen inklusive Spitalneubau führt sie das derzeit anspruchsvollste Dossier. Ausserdem präsidiert sie die Konferenzen der Ostschweizer Regierungen und Sozialdirektoren. Fässlers Nationalratskandidatur liegt eine doppelte Motivation zugrunde: «Zum einen sehe ich das Nationalratsmandat als eine Gelegenheit, die Geschicke der Schweiz in Zukunft aktiv mitzugestalten», sagt sie.

Zum anderen sei es für Fässler eine ideale Ergänzung zu ihrem Mandat in der Standeskommission, insbesondere deshalb, weil sie neben ihrem Amt in der Regierung – in Innerrhoden sind die Regierungsmandate keine Vollämter – keine berufliche Tätigkeit ausübe. In Innerrhoden hat die direkte Verbindung von Standeskommission und Nationalrat Tradition. Ein solches Doppelmandat ist laut Fässler deshalb wertvoll, weil es die Grundlage für wichtige Synergien zwischen kantonaler und Bundesebene schafft. «Die Innerrhoder Regierung würde früh davon Kenntnis erhalten, was in Bundesbern bewegt und welche nationalen Themen für Innerrhoden von Relevanz sein könnten. Umgekehrt würden dadurch auch die Anliegen eines kleinen und ländlichen Kantons wie Innerrhoden einen Weg nach Bern finden – was mir ein besonders grosses Anliegen ist.»

Weiterhin liegen Fässler die Sozial- und Gesundheitspolitik sowie die Umweltpolitik am Herzen. Gerade im Gesundheitsbereich würden die Anliegen kleiner Kantone und der Ostschweiz in Bern oft zu kurz kommen. «Die Massnahmenvorschläge des Bundesparlaments sind nicht selten geprägt von Entwicklungen in der Westschweiz», sagt sie.

Fässler wäre die erste Frau im Bundesparlament

Mit Antonia Fässler ist – nach Ruedi Eberle – nun bereits das zweite Mitglied aus den Reihen der Standeskommission bekannt, welches ein Amt im Nationalrat anstrebt. «Dies zeigt, dass für die Mitglieder der Standeskommission ein Mandat im Nationalrat attraktiv ist», sagt Fässler. Zu verhärteten Fronten innerhalb der Standeskommission werde es aber nicht kommen. «Zu Ruedi Eberle habe ich ein kollegiales Verhältnis – und das wird hoffentlich auch so bleiben», sagt sie und lacht.

Nach dem Abschluss des Studiums an der Universität St. Gallen arbeitete Antonia Fässler während sechs Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die CVP Schweiz in Bern. Aus dieser Tätigkeit ist ihr der Parlamentsbetrieb des Bundes bestens bekannt. Danach war sie in leitenden Funktionen in den Kantonsverwaltungen von St. Gallen und Appenzell Innerrhoden tätig, bevor sie 2010 von der Landsgemeinde als erst zweite Frau in der Geschichte in die Standeskommission gewählt wurde. Würde sie nun auch in den Nationalrat gewählt, wäre sie die erste Innerrhoder Frau, die den Sprung ins Bundesparlament schafft. Fässler würde sich freuen, wenn dies gelingen würde, hält aber fest, dass die Arbeit, die man in Bern verrichten müsse, letztlich dieselbe sei – egal, ob man Frau oder Mann sei.

«Kein typischer Politiker»

Auch mit Thomas Rechsteiner präsentiert die CVP einen Kandidaten mit langjähriger politischer Erfahrung. Vor seiner Regierungstätigkeit als Säckelmeister (2011-2018) war er Grossrat (2005-2011) und Schulrat der Schulgemeinde Appenzell (1998-2006). Schon Anfang Jahr hatte der 47-Jährige Interesse an der Bundespolitik bekundet, damals im Zusammenhang mit den Ständeratswahlen.

Der Rücktritt von Ivo Bischofberger im Januar sei überraschend gekommen. Aus diesem Grund sei es für ihn nicht möglich gewesen, in den verbleibenden Monaten bis zur Landsgemeinde die nötigen Rahmenbedingungen für ein solches Mandat in der Bundespolitik zu schaffen, sowohl im beruflichen wie auch im persönlichen Umfeld. Rechsteiner ist verheiratet, Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt in Appenzell. Nach kurzer Tätigkeit im Lehrerberuf wechselte er in die Assekuranz und war Marktleiter bei einer Versicherungsgesellschaft. Im Jahr 2015 entschied er sich zur Selbstständigkeit und übernahm die Generalagentur Appenzell der Schweizerischen Mobiliar. Derzeit beschäftigt er 21 Mitarbeitende.

Heute sei alles aufgegleist: «Als Verfechter des politischen Milizsystems bin ich bereit, zusätzliche Mitarbeitende zu engagieren und bestehenden Leistungsträgern mehr Verantwortung zu übertragen, um dem zeitlichen Aufwand als Nationalrat gerecht zu werden und gleichzeitig Unternehmer zu bleiben.»

Obwohl Rechsteiner lange Zeit Mitglied der Standeskommission war, argumentiert er nun vor allem aus Sicht eines Unternehmers: «Ich bin überzeugt, dass ich gerade als Unternehmer in Bern einen Beitrag leisten könnte», so seine Motivation. «Viele Kollegen sagen mir, ich sei kein typischer Politiker.» Dies sei aber kein Nachteil. «Ich bin überzeugt, dass unternehmerisches Denken in der Politik wichtig ist. Es ist gerade dann ein Vorteil, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen, zum Beispiel gegen den immer grösser werdenden administrativen Aufwand für Arbeitgeber.» Zudem will sich Rechsteiner als Nationalrat für stabile Rahmenbedingungen für die Schweizer Wirtschaft, finanzierbare Sozialwerke und für die Erhaltung des Lebensraumes einsetzen.