CUP-ACHTELFINAL: Knirps für den Star, Applaus für Bühler

Die Luzernerinnen setzen sich bei den Unterklassigen aus dem Mittelland 2:0 durch. Hühner, das benachbarte Altersheim und sogar der internationale Fussball sind am frühen Samstagabend ein Thema.

Lukas Pfiffner
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Die unterklassigen Bühlerinnen erarbeiten sich einige Chancen. Hier kommt Tanja Schöpfer zum Abschluss. (Bilder: Mea Mc Ghee)

Die unterklassigen Bühlerinnen erarbeiten sich einige Chancen. Hier kommt Tanja Schöpfer zum Abschluss. (Bilder: Mea Mc Ghee)

Lukas Pfiffner

lukas.pfiffner@appenzellerzeitung.ch

Ja, tatsächlich, neben der Göbsimühle ist der offizielle Mannschaftscar des Schweizer Nationalteams parkiert. Die Frauen des FC Luzern sind mit ihm angereist.

Auch anderes ist beim Cup-Achtelfinal in Bühler ungewöhnlich. Das einheimische Team stimmt sich am Mittag bei Pasta gemeinsam ein. Schiedsrichter Eljus Banushi und seine Assistenten ziehen sich im Altersheim um und die einheimischen Akteurinnen in einem nahegelegenen Wohnhaus. «Durch die Jugend-Challenge der Leichtathleten stand in der Turnhalle nur unseren Gästespielerinnen eine Garderobe zur Verfügung», sagt Antonio Romano. Er ist beim FCB für die Aktivmannschaften verantwortlich.

Reutelers Freude am Einlaufkind

Die FCL-Männer, die am Tag darauf gegen eine andere Ostschweizer Fussballmacht antreten, finden sich in der hintersten Region der höchsten Liga. Dagegen stellen die Frauen aus der Zentralschweiz ein Spitzenteam. «Wo ist das WC?», fragt eine Luzernerin nach dem Einlaufen. «Hinter dem Hüttchen», antwortet eine Mitspielerin. «Es könnte Schnee haben», stellt einer in der Festwirtschaft fest. Bühler hat Wetterglück. Fast 400 Personen bilden eine würdige Kulisse.

Die 18-jährige Géraldine Reuteler ist der Luzerner Star. Sie gehört der Nationalmannschaft an und ist an der EM in Holland im Sommer zu zwei Einsätzen gekommen. Am Samstag ist ihre Bühne weniger gross, sie steht am Rande des Kunstrasens im Appenzeller Mittelland und findet es herzig, «dass mich der Kleine nicht mehr loslassen will». Bühler hat Einlaufkinder in Weiss und Rot organisiert. Der Knirps an Reutelers Hand hat wie sie die Nummer 14 auf dem Rücken. Bühler stellt zwar keine Nationalspielerin, dafür eine Nationaltrainerin: Selina Ruckstuhl trägt ebenfalls die Nummer 14 und betreut die Mädchenauswahl des Fürstentums Liechtenstein. Juniorinnen des FCB haben Blätter mit Fan-Songs aufgelegt. Zum Beispiel heisst es: «Hopp FC Bühler. Zeiget’s dene Würmer!» Optional vorgeschlagen: «Zeiget’s dene Hüähner.» Eintritt wird nicht verlangt. Ein gelochter Fussball dient als Kässeli für Spenden. Der FCB-Nachwuchs macht mit ihm die Runde.

Bühler zeigt sich initiativ und auf der Höhe

Bühler beginnt keck. Der Erstligist spielt unaufgeregt, tritt solidarisch und geordnet auf. «Ja, es ist schwierig auf dieser Unterlage!», ruft Luzerns Trainer bald ins Feld. Seine Mittelfeldspielerin Valérie Zürny erleidet bei einem Zweikampf eine blutende Gesichtswunde. Sie wird gepflegt und schliesslich ins Spital gebracht. Ihr Ersatz Leandra Schegg trifft nach 34 Minuten zum 0:1. Aber die Feldvorteile der Gäste bestehen nur vorübergehend. Captain Bettina Mösli liest im Bühlerer Abwehrzentrum das Spiel ausgezeichnet und fängt jene Bälle ab, die der NLA-Verein überhaupt Richtung Strafraum bringt. Die Leistung der Einheimischen ist mehr als beachtlich, auch nach der Pause. Bühler kombiniert geschickt, zeigt sich initiativ. Es ist auch konditionell absolut auf der Höhe.

Erstaunlich selten kommt Luzern gefährlich vor das Tor. Wieder Schegg gelingt aber das 0:2 (88.). Nach dem Schlusspfiff klatschen sich die Bühlerer Spielerinnen ab. Die Zuschauer applaudieren. «Ich war schon überrascht, wie viel Ballkontakt wir hatten», blickt Bettina Mösli zurück. «Allerdings ging ich davon aus, dass wir nicht untergehen.» Die Mannschaft, die zwei Ligen höher spiele, sei dann halt vor dem Tor konsequenter. Das habe den Unterschied ausgemacht. «Unser Positionsspiel war überragend», freut sich FCB-Trainer Mathias Speiser. Nach diesem Höhepunkt heisst es, sich wieder auf die Meisterschaft einzustellen – kein leichtes Unterfangen. «Wir wollen unbedingt über dem Strich überwintern. Wir haben uns auf das Cupspiel gefreut. Jetzt ist es vorbei», sagt der Coach.

Bühler – Luzern 0:2 (0:1)

Göbsimühle. – 393 Zuschauer. – Sr. Banushi.

Tore: 34. Schegg 0:1. 88. Schegg 0:2.

Bühler: D’Agostino; Mock, Loser, B. Mösli, Bischof; Ramelli, Bronja, Fiechter, Ruckstuhl; Schöpfer, Quarella (78. T. Graf).

Luzern: Honegger; Stapelfeldt, Lötscher, R. Graf, Remund; Sager, Wyser, Zürny (30. Schegg), Videira (69. Scheiber); Brütsch, Reuteler.

Bemerkungen: 56. Pfostenschuss Brütsch.