Coronavirus
Betagten und Kranken einen Lichtblick schenken – «Schenk einen Brief» in Innerrhoder Alters- und Pflegezentren

«Während der noch andauernden Coronapandemie möchten wir Menschen in Innerrhoder Alterszentren und Pflegeeinrichtungen einen kleinen Lichtblick schenken», erklärt Vreni Peterer. Sie ist Koordinatorin von «Schenk einen Brief», einem Projekt von Caritas St.Gallen-Appenzell.

Merken
Drucken
Teilen
Mit einem Brief Freude bereiten – das ist das Ziel des «Schenk einen Brief»-Projektes der Caritas St.Gallen-Appenzell.

Mit einem Brief Freude bereiten – das ist das Ziel des «Schenk einen Brief»-Projektes der Caritas St.Gallen-Appenzell.

Bild: zVg

(red) Wie viele andere, suchte auch Vreni Peterer nach Möglichkeiten, um trotz der coronabedingten Einschränkungen für betagte Menschen da zu sein. «Bei meiner Arbeit mit Betagten erlebe ich, dass es nicht viel braucht, um älteren Menschen eine Freude zu bereiten. Ein nettes Wort, ein paar gute Gedanken zaubern oft schon ein dankbares Lächeln in ihre Gesichter und geben ihnen die Bestätigung, dass sie beachtet werden», so Peterer. Da sie sich selbst über Karten oder Briefe im Briefkasten freut und gerne Handgeschriebenes verschickt, kam sie auf die Idee, in dieser Richtung etwas auf die Beine zu stellen.

Geheime Wünsche

Man muss das Rad nicht immer neu erfinden, sagte sie sich. Beim Googeln fand sie schnell Berichte über Corona-Brief-Projekte, die auch im Raum St.Gallen durchgeführt wurden. Dabei stiess sie auch auf das Projekt «Geheime Wünsche» der Caritas St.Gallen-Appenzell. Dabei werden alten und betagten Menschen Wünsche erfüllt, zum Beispiel mit einem begleiteten Zoobesuch, einer Tanzstunde mit einem Tanzlehrer oder einem Fischessen am Bodensee.

Solche Wunscherfüllungen sind jedoch wegen Covid-19 seit längerem nicht mehr möglich. Der für das Projekt «Geheime Wünsche» verantwortliche Caritas-Mitarbeiter Roger Scherrer:

«Jährlich werden zwischen 15 und 20 Wünsche erfüllt, mehrheitlich in der wärmeren Jahreszeit und ohne Corona.»

Initiiert wurde das Projekt «Geheime Wünsche» durch den Sozialdienst der Katholischen Kirche im Lebensraum St.Gallen. Mit der Übernahme des Projekts durch die Caritas ist es möglich, im Einzugsgebiet der Caritas St.Gallen-Appenzell geheime Wünsche zu erfüllen. Und davon, ist Roger Scherrer überzeugt, gibt es noch viele.

«Mir ging der Gedanke durch den Kopf, dass eine Innerrhoder Brief-Aktion eigentlich zum Projekt ‹Geheime Wünsche› passen würde», erzählt die in Unterschlatt wohnhafte Initiantin. Spontan habe sie zum Telefon gegriffen und bei der Geschäftsstelle von Caritas St.Gallen-Appenzell angerufen. Hier sei sie mit der Idee sofort auf offene Ohren gestossen, und es kam zur «Partnerschaft».

So läuft das «Schenk einen Brief»-Projekt

Alters- und Pflegeheime im Kanton Appenzell Innerrhoden wurden dazu eingeladen, der Koordinatorin Personen zu melden, die Freude an einem Brief hätten. Selbstverständlich wird beim Projekt dem Datenschutz die nötige Beachtung geschenkt. Deshalb erhalten die Briefschreiber nur den Nachnamen der Empfänger, womit eine persönliche Anrede ermöglicht wird.

Bereits beim ersten Kontakt nannte eine begeisterte Heimleiterin der Initiantin aus dem Kopf heraus einige Betagte, die Freude an einem Brief hätten. Gleiche Reaktionen kamen aus anderen Heimen.

Schreiberinnen und Schreiber gesucht

Für das Projekt «Schenk einen Brief» der Caritas St.Gallen-Appenzell werden Personen gesucht, die einem Betagten mit einem Brief eine Freude bereiten möchten. Interessierte können sich mit der Koordinatorin Vreni Peterer, Remsenhüsli Unterschlatt 11, Appenzell Schlatt, in Verbindung setzen (Telefon 071 / 787 13 15 oder per E-Mail: vreniundemil@bluewin.ch).

Die Schreiber legen ihre Briefe in ein Couvert und stellen es verschlossen der Koordinatorin zu. Sie bringt die Briefe in die Altersheime, wo sie den Empfängern ausgehändigt werden.

Ein Farbtupfer per Post

Vreni Peterer hat bereits eine Liste mit rund 20 Namen von Betagten, die sich über einen Brief freuen würden. Nun sucht sie nach weiteren Schreiberinnen und Schreibern. «Schriftstellerische Fähigkeiten sind dazu überhaupt nicht nötig», entgegnet sie Personen, die sich vielleicht nicht zutrauen, einen solchen Brief zu schreiben. Sie gibt den Tipp:

«Frisch und frei von der Leber weg einfach drauflos schreiben.»

Eines sei jedoch wichtig: Der Schreiber, die Schreiberin sollte sich am Briefanfang persönlich vorstellen.

Einem unbekannten Menschen einfach so einen Brief zu schreiben, fällt eventuell nicht allen gleich leicht. Erzählen könnte man zum Beispiel über den Beruf, die Familie, das Hobby, den Garten oder über den ganz normalen Alltag bei sich zu Hause. Ein Kind könnte eine Zeichnung beilegen, ein Erwachsener ein schönes Gedicht hinzufügen oder ein Foto von Frühlingsblumen ins Couvert stecken. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, um den Betagten einen Lichtblick zu schicken. Wer möchte, kann seine Adresse auf dem Brief vermerken, falls der Empfänger zurückschreiben möchte. Wer weiss: Vielleicht ergibt sich aus dem Projekt sogar die eine oder andere Brieffreundschaft!

Nicht auf Coronazeit beschränkt

Das «Schenk einen Brief»-Projekt der Caritas St.Gallen-Appenzell soll nicht auf die Zeit der Coronapandemie beschränkt sein. «Schön wäre es, wenn die Aktion wachsen und sich entfalten würde», sagt Roger Scherrer. Er denkt dabei an Betagte, die noch zu Hause wohnen, und auch Freude an einem handgeschriebenen Brief hätten. Sinnvoll wäre dabei sicher die Zusammenarbeit mit örtlichen Fachstellen.