Coronamassnahmen

Keine Skilager diesen Winter? Appenzell Ausserrhoden lässt sich Zeit mit dem Entscheid

Die Kantone Appenzell Innerrhoden, St.Gallen und Thurgau haben coronabedingt die Skilager verboten. In Appenzell Ausserrhoden wird noch abgewartet. Aber die Angst, dass die Lager nicht stattfinden können, ist da.

Astrid Zysset/Lea Sager
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In Appenzell Ausserrhoden wird bezüglich eines Entscheids, ob die Schneesportwochen abgesagt werden, noch zugewartet.

In Appenzell Ausserrhoden wird bezüglich eines Entscheids, ob die Schneesportwochen abgesagt werden, noch zugewartet.

Bild: Urs Bucher

Sie hatte ein ungutes Gefühl im Bauch, nachdem sie die Zeitung weggelegt hatte, sagt die Herisauer SP-Einwohnerrätin Claudia Graf. Darin war zu lesen, dass in den Ostschweizer Kantonen grossmehrheitlich die Skilager aufgrund der Pandemie nicht stattfinden werden. Diese Meldung beunruhigte Graf. Sie hegt die Befürchtung, dass Appenzell Ausserrhoden ebenfalls auf die Durchführung verzichten wird. «Wenn die ersten die Lager verbieten, ist die Gefahr leider gross, dass die restlichen Kantone mitziehen und ebenfalls ihre Schneesportwochen absagen.»

Claudia Graf hatte sich zusammen mit der zwölfköpfigen IG Schneesportlager zwei Jahre lang dafür eingesetzt, dass die 140 Schülerinnen und Schüler der ersten Oberstufe in Herisau in ein Schneesportlager fahren dürfen. Der politische Prozess war langwierig und kräftezehrend – doch schlussendlich von Erfolg gekrönt. Vergangenen März hätte die Lagerwoche zum ersten Mal durchgeführt werden sollen. Coronabedingt wurde sie jedoch abgesagt. Die Premiere wurde auf kommenden März verlegt. Doch nun steht auch diese auf der Kippe.

Claudia Graf kämpft seit 2017 für die Durchführung von Schneesportwochen in Herisau.

Claudia Graf kämpft seit 2017 für die Durchführung von Schneesportwochen in Herisau.

Bild: PD

Wertvolle Erfahrungen sammeln

«Es geht um mehr, als einfach um ein bisschen Spass im Schnee», sagt Claudia Graf. Wertvolle Erfahrungen könnten die Kinder in den Lagern sammeln. «Viele, die schulisch etwas im Abseits stehen, blühen hier auf. Und der Zusammenhalt unter den Schülern festigt sich mit den gemeinsamen Erfahrungen ebenfalls.» Für die Herisauerin ist es der falsche Weg, wenn nun einfach alle Veranstaltungen abgesagt werden.

«Das Virus gehört zu unserem Leben dazu. Wir müssen lernen, damit zu leben und abzuwägen, welche Risiken wir eingehen können und welche nicht.»

Mit einem richtigen Schutzkonzept und der konsequenten Einhaltung der Hygienemassnahmen in einem Lager stuft Graf das Risiko einer Infektion nicht höher ein, als wenn sich ein Dutzend Kinder in der Freizeit treffen.

Sie hat nun an die verantwortlichen Stellen in Herisau ein E-Mail geschrieben mit der Bitte, die Lager nicht abzusagen. Die Antworten stehen noch aus. Ob Grafs Anliegen entsprochen wird, ist noch ungewiss. Doch für die Politikerin zählt jetzt vor allem eines: «Die Kinder verzichten wegen Corona schon auf dermassen vieles. Alle Erfahrungen sollten wir ihnen nicht einfach streichen, weil sie vielleicht ein Risiko darstellen. Ein Jahr im Leben von Kindern ist nicht vergleichbar mit einem Jahr von Erwachsenen. Es gibt Erlebnisse und Erfahrungen, die es im Leben nur einmal gibt.»

Entscheidung soll noch im Dezember fallen

Ob das Schneesportlager kommenden März stattfinden wird, ist für Michael Häberli, Abteilungsleiter der Schule Herisau, schwierig abzuschätzen. «Die grösste Schwierigkeit ist die Ungewissheit. Die Regeln können von Tag zu Tag ändern.» Gegenüber eines fixen Entscheids zeigt er sich bedacht:

«Es wird sicher noch im Dezember zu einem Vorentscheid kommen. Wie dieser ausgehen wird, werden wir dann sehen.»

Es sind drei Schneesportlager in Herisau geplant. Ungeachtet der Unsicherheiten sind die Vorbereitungen im vollen Gange: Die Häuser sind reserviert und die Begleitpersonen stehen mehrheitlich fest.

Michael Häberli, Abteilungsleiter der Schule Herisau.

Michael Häberli, Abteilungsleiter der Schule Herisau.

Bild: PD

Eines ist jedoch klar: finden die Lager statt, müssen die Coronaschutzmassnahmen eingehalten werden. «Das Schutzkonzept ist auf jeden Fall ein Thema. Vor allem beim Essen müssen wir uns gut organisieren. Zum einen stellt sich die Frage, ob immer im Haus oder auch im Skigebiet draussen gegessen werden kann. Zum anderen werden wir darauf achten müssen, dass Masken getragen werden und die Abstände möglichst eingehalten werden können, auch in den Schlafräumen», so Häberli weiter.

Kanton empfiehlt, noch abzuwarten

Insgesamt sind es 520 Kinder und Jugendliche verteilt auf zwölf Gemeinden, welche sich diesen Winter auf ein Schneesportlager freuen. Das kantonale Amt für Volksschulen und Sport empfiehlt, abzuwarten und die Lager nicht vorschnell abzusagen: «Bis jetzt hat sich noch keine der Gemeinden gegen das Schneesportlager entschieden», sagt Irene Brühwiler, Leiterin Abteilung Regelpädagogik. «Wir legen ihnen nahe, gegenüber eines schnellen Entscheids zurückhaltend zu sein.»

Die Gemeinden warten ab

Ein Ratschlag, der beherzigt wird. Auch die 5. Klassen und die 1. Sekundarklassen aus Heiden sollten im März in ein Schneesportlager gehen. «Wir haben bisher weder definitiv zu- noch abgesagt», meint Schulleiter Hans-Peter Hotz. Auch in Heiden wurden die Ferienhäuser schon lange reserviert und das Lagerprogramm steht mehrheitlich fest. Ein Schutzkonzept müsste gemäss der aktuellen Situation im März noch ausgearbeitet werden. «Wahrscheinlich wird die Maskenpflicht eingehalten werden müssen. Es wird auch darauf herauslaufen, dass die verschiedenen Skigruppen nicht durchmischt werden. Was die Bergbahnen anbelangt, werden wir uns nach ihrem Schutzkonzept richten», so Hotz weiter. Für ihn ist es derzeit zu früh, das Schneesportlager abzusagen. Ein definitiver Entscheid wird erst Anfang Februar gefällt. «Wir würden die Lager sehr gerne durchführen.»

Nicht anders sieht die Situation für das Schneesportlager der 1. Sekundarklassen der Oberstufe Bühler-Gais aus. «Wir warten zuerst die weitere Entwicklung bezüglich des allgemeinen Skibetriebs ab. Zudem wird die Frage zur Durchführung von Skilagern auch unter den Schulleitungspersonen des Kantons thematisiert», sagt Schulleiter Marco Zehnder, «Im Moment können wir nicht sagen, wie es im März aussehen wird. Deshalb gehen wir aktuell davon aus, dass es stattfinden kann, und beobachten die Lage.»