Coronakrise
Zufriedene Detaillisten, unzufriedene Gastronomen: So fallen im Appenzellerland die Reaktionen zu den angekündigten Coronalockerungen aus

Der Vizepräsident des Herisauer Gewerbevereins und der Modeunternehmer Milo Goldener begrüssen, dass Geschäfte möglicherweise bald wieder öffnen dürfen. Keine Freude herrscht beim Ausserrhoder Gastropräsident.

Lilli Schreiber, Karin Erni,
Jesko Calderara, David Scarano
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Ab 1. April sollen die Restaurants ihre Terrassen wieder öffnen dürfen.

Ab 1. April sollen die Restaurants ihre Terrassen wieder öffnen dürfen.

Bild: KEY

Anfang März sollen die Läden in der ganzen Schweiz wieder geöffnet werden, noch länger warten müssen dagegen die Gastrobetriebe. Die Reaktionen auf diese Ankündigung des Bundesrats vom Mittwoch fallen im Appenzellerland unterschiedlich aus.

Nicht zufrieden ist der Ausserrhoder Gastropräsident. «Unsere Haltung ist: Öffnen so bald wie möglich, aber nur, wenn das Geschäft auch wirklich gewinnbringend betrieben werden kann», kommentiert Markus Strässle die Ankündigungen. Das bedeute für ihn: ohne Einschränkungen.

Markus Strässle, Präsident Gastro AR

Markus Strässle, Präsident Gastro AR

Bild: APZ
«Eine Öffnung der Terrassen im April ist ein Witz. Sollen wir das Restaurant etwa nur bei Schönwetter öffnen?»

Der Verband versuche auf allen Ebenen, Lockerungen zu erreichen, so Strässle. «Noch hat der Kanton nicht entschieden, aber wenn wir noch sechs Wochen geschlossen haben müssen, ist eine adäquate Entschädigung dringend nötig.» Damit hapere es noch. Es komme bis jetzt kaum Geld zu den Betrieben, die es nötig hätten. «Die Anforderungen für die Härtefallgelder sind hoch. Gastronomen müssen die letzten drei Jahresabschlüsse und die Jahrespläne der kommenden drei Jahre vorlegen, um an Gelder zu kommen. Mit solchen Vorgaben sind kleinere Betriebe oft schon überfordert.»

Er habe den zuständigen Regierungsrat darauf aufmerksam gemacht, dass die Arbeitslosigkeit bald rapide steigen werde, sagt Markus Strässle. «Aber das wird wohl einfach in Kauf genommen.»

Licht am Ende des Lockdowntunnels

Milo Goldener, Präsident des Verbands Textilschweiz und Modeunternehmer aus Appenzell

Milo Goldener, Präsident des Verbands Textilschweiz und Modeunternehmer aus Appenzell

Bild: Ralph Ribi

Endlich Licht am Ende des Lockdowntunnels sieht dagegen Milo Goldener, Präsident des Verbands Textilschweiz und Modeunternehmer aus Appenzell. Er kann sich aber noch immer nicht erklären, weshalb der Bundesrat mit seinem Vorschlag bezüglich einer Beendigung des Lockdowns die Detailhändler so lange hingehalten hat. In Goldeners Augen hat der Bundesrat eher fünf nach als fünf vor zwölf entschieden. Dennoch herrscht Freude im Modehaus Goldener.

«Mit diesem Entscheid, die Geschäfte Anfang März wieder zu öffnen, wäre die Chance da, dass die gesamte Branche die Krise überlebt.»

Milo Goldener kann sich gleich in zweierlei Hinsicht freuen. Einerseits ist seine Kampagne «Lasst uns öffnen», mit der er bis am Dienstag noch gegen eine Verlängerung des Lockdowns auf Social Media protestierte, beim Bundesrat offenbar auf fruchtbaren Boden gestossen. Andererseits kann er sich als Senior-Chef der Goldener Mode AG für sein Unternehmen freuen.

Nessensohn kritisiert fehlende Lösung

Ralph Nessensohn, Vizepräsident des Gewerbevereins

Ralph Nessensohn, Vizepräsident des Gewerbevereins

Bild: PD

Zumindest teilweise zufrieden mit den angekündigten Lockerungen zeigt sich Ralph Nessensohn. «Meiner Meinung nach ist es ein erster Schritt in die richtige Richtung», sagt der Vizepräsident des Gewerbevereins Herisau. Für die Gastrobranche sei die Situation allerdings sehr hart. Trotz aufwendiger Schutzkonzepte, welche im letzten Frühling und Sommer erstellt wurden, dürften die Restaurants und Bars nicht öffnen, gibt Nessensohn zu bedenken. Er kenne Betriebe, die auf dem Zahnfleisch laufen und die Krise nicht mit Sicherheit überleben würden.

Der Geweberein Herisau hat sich in den letzten Tagen in einem offenen Brief an den Bundesrat gewandt. Darin fordert er das Ende des Lockdowns per Ende Februar. Die Massnahmen hätten desaströse Konsequenzen, heisst es im Schreiben. Dies führe zu einer existenziellen Bedrohung, zumal auch keine wirtschaftlich funktionierende Entschädigungslösung aufgebaut worden sei.

Regierung wird sich in der Konsultation äussern

Georg Amstutz, Leiter Kommunikationsdienste AR

Georg Amstutz, Leiter Kommunikationsdienste AR

Bild: PD

Die vom Bundesrat präsentierten Öffnungsschritte sind aber noch nicht in Stein gemeisselt. Er wird nach Konsultation der Kantone am 24. Februar definitiv entscheiden. Die Ausserrhoder Regierung äussert sich noch nicht zu den konkreten Schritten. Der Regierungsrat nehme die Vorschläge des Bundesrates zur Kenntnis und werde sich in der Konsultation dazu äussern, teilt Georg Amstutz, Leiter Kommunikationsdienst, mit.

Die Regierung spricht sich aber für eine schrittweise Lockerung aus. Sie sei der Meinung, dass sich bei einer Stabilisierung auf dem aktuellen Niveau respektive bei sinkenden Fallzahlen ein gewisser Spielraum für erste vorsichtige Lockerungen eröffnen könnte. Amstutz sagt:

«Alle Regierungsmitglieder sind sich einig, dass dabei ein etappenweises Vorgehen mit mehreren kleinen Öffnungsschritten angezeigt ist, um einen Jo-Jo-Effekt zu verhindern.»